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  • Bücher, schnell gelesen: 1.820

    Bücher, schnell gelesen: 1.820

    Henry Wise – Holy City (Polar Verlag, 2026)

    Gelesen: 08. – 12.03.2026 (netto 325 Seiten)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Karen Witthuhn.

    Holy City ist das Debut von Henry Wise und bietet dem Leser einen ziemlich komplizierten Protagonisten in Will Seems. Ein Deputy, der von seinen Fehlern verfolgt wird.

    Schuld & Sühne, anyone?

    Will hat Richmond, Virginia, verlassen und ist in seine verlassene Heimatstadt im Euphoria County zurückgekehrt. Sein Mutter ist gestorben, er übernimmt das ehr abgewrackte Anwesen. Und beherbergt seinen abgewrackten Junkie-Kumpel Sam, trotz offener Haftbefehle. Besorgt ihm H.

    Und stolpert in einen Brand, der sich als Mord entpuppt. Will will ermitteln, aber der Sheriff besteht darauf, einen Mann anzuklagen, der vom Tatort geflohen ist: Zeke Hathom. Aus Wills Sicht gibt es zwei Probleme mit dieser Verhaftung. Erstens, Zeke würde niemals jemanden töten. Zweitens, Will schuldet dessen Familie sehr viel.

    Schuld & Sühne.

    Eigentlich alle Figuren im Buch tragen das mit sich rum, dazu jede Menge Trauer. Eine Art Trauer darüber, wer sie hätten sein können, wenn sie woanders geboren worden wären.

    Und so wird das Buch nach einem Krimi Einstieg, ein wenig Ermittlung und dem Einsatz einer Privatdetektivin ziemlich düster, ziemlich zäh und immer weniger Krimi sondern Sozialstudie.

    Am Ende wird dann endlich wieder ermittelt, und alle Kartenhäuser brechen zusammen. Und es wird ordentlich gesühnt. Ohne die bestehende Ordnung zu zerstören.

    Wenn das Leben da wirklich so ist, dann ist es das Grauen – ganz ohne Verbrechen.

    Anders, nicht schlecht, aber nicht ganz so stark wie andere Country Noir im Polar Verlag.

    Soundtrack dazu: Wilful Neglect – (White Collar) Not Guilty, was sonst?

    PS: Und Henry so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.819

    Bücher, schnell gelesen: 1.819

    Jo Nesbø – Minnesota (Ullstein, 2025)

    Gelesen: 28.02. – 07.03.2026 (netto 400 Seiten)

    Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob.

    Jo kehrt sowohl Harry Hole als auch den Brüdern Opgard den Rücken und legt seine neue Figur in Minnesota an. Der Staat in den US of A der zu über 50% Deutsche, Norwegische oder Schwedische Wurzeln hat.

    Sein neuer Antiheld Bob Oss (oder kurz Oz) ist ebenso elegant wie Harry Hole: ein Einzelgänger, aggressiv, trinkend im Dienst, emotional verwahrlost, ein Mann, der Frauen nur für One-Night-Stands duldet. Ein offensichtliches Wrack und gerade deshalb perfekt.

    Oz ist voller Wut und deshalb meist ohne Waffe unterwegs – er kann nicht garantieren das er nicht durchdreht. Einfacher Grund: Seine kleine Tochter hat sich beim Spielen mit seiner Dienstwaffe selbst erschossen.

    Seine Frau hat sich daraufhin von ihm getrennt – erst emotional, dann physisch. Im Morddezernat darf er noch zuarbeiten, einen Fall bekommt er nicht mehr.

    Aber durch Zufall fällt ihm eine solcher Fall in die Hände, ohne eigentlich Auftrag ermittelt er neben den anderen Kollegen weiter. Und erkennt Muster, die diese nicht sehen (da er seine Erkenntnisse nicht teilt).

    Im Verlauf gibt es kaltblütige Morde, korrupte Polizisten und einen Kartellkiller, der wie ein Geist verschwinden kann. Und Oz, der einfach nur eine Lösung (und Erlösung) erhofft.

    Und immer wieder in die Patsche tappt:

    ( (c) Ullstein Verlag, 2025)

    Die Story ist eine kurzweilige Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Trauer, vorangetrieben von einer raffinierten Handlung und ziemlich leckeren Schockmomenten.

    Skinwalker anyone?

    Jo Nesbø überrascht mich mit diesem Buch tatsächlich, es hat mehr Speed als die Harry Hole Bücher. Ohne Tiefgang und Heftigkeit zu verlieren.

    Warum allerdings eine Norwegische Klammer drum gepackt wird (Anfang, Ende) verstehe ich nicht wirklich. Aber vielleicht wird das ja noch aufgelöst.

    Gerne mehr, von Jo sowieso immer.

    Soundtrack dazu: Man or Atstro-man – Taxidermist Surf, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.818

    Bücher, schnell gelesen: 1.818

    Mick Herron – Bad Actors (Diogenes, 2026)

    Gelesen: 19. – 27.02.2026 (netto 448 Seiten)

    Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer.

    Mick Herron in einem Interview:

    I don’t want to write a big, plotted, evil-mastermind spy novel; I’m interested in incompetence, things going wrong, badly motivated stuff, and that’s essentially our political reality now.

    Band 8 der Slow Horses Serie ist wieder ein richtiger Knaller. Geschrieben 2022, als Boris Johnson und seine halbseidene Gang an der Macht waren. Und die nimmt er schön auseinander. Im gleichen Interview beschrieb er die Motivation:

    We have a prime minister who acts with the worst possible intentions because he’s only interested in himself. As a citizen, I deplore it; as a writer, I’m rubbing my hands.

    Sparrow, Handlanger und Macher des Premiers, ist ein Disruptor. Immer Angriff. Immer alternative Fakten. Die alten Modelle der Gewaltenteilung zerschlagen um die Macht beim Premier (und damit ihm selbst) zu vereinen.

    Nebenbei aktiv bei Ackerkämpfen von Hooligans, die er als Privatarmee hält. Und mit einer Supervorhersagerin, die ihm der KGB ins Nest gesetzt hat, da die Russen das Model Putin auch gerne woanders sehen.

    Jackson Lamb, Chef der abgehalterten und verbannten, hat aber einen Russen-Riecher (aus alten Spionagezeiten) und ahnt das was fieses passiert. Und als Sparrow die Chefin des MI5 mit einer Intrige abzuservieren versucht greift Jackson mit seinen Slow Horses ein.

    Neben wirklich spannenden Intrigen und ganz wunderbaren Beschreibungen der Politik im UK kommt auch der Londoner Alltag nicht zu kurz.

    Und ganz wunderbar Choreografierte Hauereien:

    ( (c) Diogenes Verlag 2026)

    Auch wenn die Reihe zwischendrin mal flacher war, das ganze ist extrem unterhaltsam, extrem lustig und einfach eine perfekte Sicht auf das Vereinigte Königreich und London.

    Ja, ich mag das.

    Soundtrack dazu: Crown Court – Hooligans on “E”, was sonst?