
Gelesen: 20. – 21.09.2026 (netto 206 Seiten)
Aus dem Englischen von Thomas Überhoff.
Von Kevin Barry hatte ich schonmal ein schlankes Buch, mehr Lustig als Krimi und toll zu lesen. Und jetzt nimmt er uns mit in den nicht-mehr-ganz-so-wilden Westen (Butte, Montana, 1890er Jahre) und erzählt uns eine Liebesgeschichte.
Mit Schmakes.
Sag hallo zu Tom, ein Ire auf seinem einsamen Weg (gen Westen, was sonst). Er ist in Butte hängengeblieben und ist Teil des Lokalkolorits:
Was macht man schon, man geht aus, na ja, nur auf ein einziges Glas, gefolgt von einem Absacker, und schon zieht er los, um in den Bars von Butte zu trinken und sich zu prügeln. Vollgepumpt mit Opiaten und Alkohol, verdient er sich ein paar Münzen, indem er Briefe für Einsame schreibt, geht den Frauen aus den Bordellhütten sowie all jenen, denen er Geld schuldet, aus dem Weg – bis er um vier Uhr morgens aus irgendeiner Spelunke hinausbefördert wird und vor den Hufen eines Pferdes landet.
Einem Palomino. Tom stellt sich ihm vor. Das Pferd verharrt völlig regungslos und fixierte ihn mit seinem langen, eindringlichen Blick. Tom ist vollkommen verzaubert.
Wir lernen: Wenn Tom fällt, dann fällt er tief. Zum Beispiel in Sachen Liebe.
Auftritt Polly, eine frisch eingetroffene Katalogbraut, die gemeinsam mit ihrem von Gott besessenen Ehemann das Fotostudio betritt in dem Tom aus Aushilfe ein wenig Geld verdient. Während sie fotografiert wird, zuckt ihre Nasenspitze, ihre Augen treffen auf Toms und Tom fällt erneut. Tief.
Tom macht ihr den Hof wenn ihre Mann weg ist, beide erkunden die Nacht von Butte und haben schnell einen Plan: Weg, gen Westen. Tom klaut Geld und den Palomino und schon sind beide auf dem Weg … durch den Winter von Montana.
Der Ehemann schickt Headhunter hinterher, sie treffen schräge Vögel, überleben hier und …
… am Ende kommt nur einer in San Francisco an.
Und der andere wird Legende, in Butte. Im Westen.
Kevin Barry schenkt uns eine Liebesgeschichte, die niemals unecht oder billig wirkt, sowie ein Abenteuer, in dem die Gewalt nie genüsslich zelebriert oder abgestumpft dargestellt wird. Sie gehört zum Leben, zur Liebe.
Cormac McCarthy als durch und durch irischer Western, eine als Farce verfasste Tragödie. Ein Buch das mit jedem Ereignis, jedem Einfall und jedem Satz Freude bereitet.
Denn das ist die Stärke von Kevin Barry: Er erreicht mit einem einzigen Wort, einem einzigen Satz mehr als manche Autoren auf 100 Seiten.
Kommt direkt auf die Liste “Buch des Jahres: So schön, so liebenswert und so unterhaltsam.
Soundtrack dazu: The Copyrights – Stuck in the winter, was sonst?
PS: Und Kevin Barry so?
PPS: Titel und Cover tip-top!


(aber auch nicht schlecht)


