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  • Bücher, schnell gelesen: 1.858

    Bücher, schnell gelesen: 1.858

    Gunnar Staalesen – Wir werden Wind ernten (Polar Verlag, 2026)

    Gelesen: 05. – 09.09.2026 (netto 317 Seiten)

    Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs und Nils Hinnerk Schulz.

    Das dritte Buch von Gunnar Staalesen bei Polar, das 17te in der Varg Verum Reihe und im Original von 2010. Und spielt 1998.

    Die zeitliche Einordnung hilft, denn heutzutage sind Zweifel an der Windkraft in Skandinavien ehr … selten. Aber genau das ist der Backdrop:

    Ein potentielles Windkraft-Projekt draußen in den Westfjorden ist umstritten: Die Bewohner der kargen Ecke sind ehr trockene christliche Puristen, die Bauunternehmer und Grundbesitzer auf ihren Gewinn bedacht und es gibt versprengte Umweltschützer, die Windkraft für Teufelszeug halten.

    Angeheuert wird Varg von einer Freundin seiner zukünftigen Frau, denn ihr Mann ist verschwunden. Und der steuert ein Kerngrundstück in dem Projekt dazu. Und je mehr Varg einsteigt, um so schräger wird die Konstellation:

    Die Kinder des Verschwundenen sind entweder dafür oder bei den Umweltschützern. Bei den Umweltschützern sind welche dagegen und andere mit Eigeninteresse dagegen (einer Versucht das fragliche Grundstück in den Besitz zu bringen).

    Der verschwundene Bauunternehmer taucht nach einigen Tagen wieder auf, allerdings auf einer Insel und an einem Kreuz. Tot.

    Varg bleibt aber am Thema dran, hat einen neuen Auftraggeber und findet immer mehr Details heraus. Und am Ende den Täter, allerdings zu einem sehr hohen Preis: Seine Freundin kommt dabei ums Leben.

    Irgendwie bin ich mit der Story nicht warm geworden, zumal ich bereits nach einem Drittel die eigentliche Lösung des Buches (richtig) vermutete. Was funktioniert hat war die Beschreibung von Land und Leuten, ich kann mir das Leben da draußen ziemlich gut vorstellen.

    Aber so richtig Spannung kam nicht auf.

    Schade.

    Soundtrack dazu: Skambankt – Ulv, Ulv!, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.857

    Bücher, schnell gelesen: 1.857

    Stephen Markley – Ohio (Polar Verlag, 2026)

    Gelesen: 02. – 04.09.2026 (netto 562 Seiten)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Bielfeldt.

    Das Buch erschien im Original 2018, während der ersten Präsidentschaft von The Orange Turd. Es spielt ziemlich genau im Sommer 2013 und davor.

    Und ist ein ziemlicher Brocken. Seitenzahl und Inhalt.

    Ich habs verschlungen!

    In New Canaan, Ohia, hinten im Rost-Belt, da wo die Industrie abgehauen ist und die Menschen mehr oder weniger den Finanzhaien (Zwangsverteigerung galore) und den Opiaten (Schmerztabletten galore) vorgeworfen wurden.

    Zukunft? Bietet die Army, auf gehts nach Irak oder Afghanistan. Denn der normale Weg aus High School, Home Comming, Uni und Job – den gibt es nicht mehr.

    No Future, aber so richtig.

    Bill Ashcraft träumte von einer Zukunft mit Veränderung, Politik die was bewirkt und dem Überwinden von rückwärtsgewandten Ideen. Und kommt Alkohol- und Drogenabhängig zurück. Und auch nur, weil er unter seinem Druck ein Packet verklebt hat, das er für jemanden aus New Orleans nach Ohio schmuggelt. Er ist weiß, wird sicher nicht von der Polizei angehalten.

    Stacey Moore hat die Flucht geschafft, hat New Canaan und Männer hinter sich gelassen und ihr Comming Out geschafft. Ihre Rückkehr soll der Mutter ihres ex-Freundes bei der Trauerbewältigung helfen, sie selbst sucht nach ihrer heimlichen (weiblichen) Jugendliebe.

    Dan Eaton, ein schüchterner Junge mit 3 Einsätzen im Irak kommt mehr oder weniger einer Jugendliebe wegen nach Hause zurück, eigentlich nur um sich von der endgültig zu lösen.

    Tina Ross, ein ebenso hübsches wie zutiefst gläubiges Mädchen kommt nach New Canaan zurück um sich zu rächen.

    Alle stoßen auf alte Klassenkameraden, auf alte Geschichten, Ressentiments, Lieben und verzweifeln mehr oder weniger an der Welt (die so nichts mehr verheißt).

    Und alle haben von diesem Gerücht gehört, diesem Urban Myth: Ein Mord, den es nicht gab.

    Stphen Markley bringt eine eine bunt zusammengewürfelte Truppe – fast wie aus einem Zombiefilm – aufs Papier, die durch Krieg, Armut, Sucht und den Drang zur Flucht für immer gezeichnet ist.

    Doch statt sie in hirnfressende Monster zu verwandeln, läßt er die Stadt und die Geschichte auf sie los um sie quasi zu verschlingen. Eingebettet in drei ausführlichen Erzählungen wird der Kern von Ohio serviert: Die Sehnsucht nach einem Mittleren Westen, einem Home Town, der so nicht mehr existiert.

    Und ganz am Ende lässt Stephen Markley das ganze Explodieren: Rache, verschmähte Liebe, Betrug und die ganze Scheiße entlädt sich in extremer Gewalt. Und das liebste Mädchen verbrennt ihren Peiniger bei lebendigem Leib.

    Und der interessanteste Charakter bekommt nur eine kleines Kapitel und ist der Mord, den es nicht gab.

    Sicher so 150 Seiten Zuviel aber im Grunde helfen die vielen Seiten, die vielen Erklärungen und die vielen Details ein großes Bild zu malen. Das durch ein Fegefeuer vernichtet wird.

    In dieser Ecke der US of A gibt es ganz offensichtlich keine Zukunft mehr, die Sterberaten der weißen Landbevölkerung sind sprunghaft angestiegen.

    No Future.

    Da hätte ich gerne ein Sequel, wenn nach der 2ten Präsidentschaft von The Orange Turd das Land in einem oder mehreren Sezessionskriegen zerrieben wird. Und all diese Elenden in ihr letztes Gefecht ziehen.

    Ganz wunderbar down-hill das ganze, herrlich schrecklich.

    Soundtrack dazu: Toxic Reasons – Ohio, was sonst?

    PS: Und Stephen so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.856

    Bücher, schnell gelesen: 1.856

    Charles Willeford – Die Schwarze Messe (Pulp Master, 2005)

    Gelesen: 01.09.2026 (netto 270 Seiten)

    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Ango Laina und Angelika Müller.

    Und nochmal ein älteres Buch (#20) von Pulp Master, im Original von 1958. Und von Charles Willeford, ein Autor den ich schon früh angefangen habe zu lesen: Damals habe ich die Taschenbücher von RoRoRo, Ullstein und Knaur verschlungen.

    Sie waren billig, manchmal auch umsonst, gab es überall (Karstadt, Kaufhof etc) und ich hatte ja keine Ahnung von irgendwas, nur das ich gewissen Autoren total spannend fand. Und irgendwann auch – wie bei Platten – gemerkt habe, das gewisse Herausgeber oft richtig lagen.

    … im ältesten Teil meiner Bibliothek: Taschenbücher von Charles Willeford
    (c) 2026 gehkacken.de

    Die Schwarze Messe ist keine Spukgeschichte sondern schält die Zwiebel “Der amerikanische Traum” Schicht um Schicht. Und zeigt wie auch einfache Weiße sich ihren Traum auf Kosten von gläubigen Schwarzen erfüllen können.

    Nicht um sonst beendet der “Held” Sam Springer das Buch mit den treffenden Worten:

    Lieber Gott, ich danke dir für nichts.

    Sam ist eigentlich Buchhalter und nicht wirklich zufrieden mit seinem Job. Als er nebenbei ein Buch schreibt und dieses auch an einen Verlag verkauft bekommt, nimmt er mit seiner Frau nach Florida Reißaus.

    Dort kommt er als Schriftsteller aber nicht voran und verlässt lieber seine Frau, als sich seinen Problemen zu stellen. Auf der Suche nach einer Story, die er zu Geld machen kann, kommt er auf ein Kloster der ehr kleinen Kirche “Herde der Kirche Gottes” das zum Verkauf steht.

    Und reüssiert als Reverend Deuteronomius Springer in einer schwarzen Gemeinde in Jacksonville.

    Ohne auch nur eine Ahnung zu haben, wie man eine Gemeinde führt macht er es intuitiv richtig. Und erkennt, das so eine Gemeinde nicht nur einen Lohn zahlt, sondern eine Kollekte sammelt.

    Und als auch in Florida die ersten zarten Bus-Boykott Ideen Früchte tragen schlägt seine Stunde:

    Nicht nur kann er die äußerst attraktive Gattin (“Wie ein junges Rotkehlchen schien sie nur aus Beinen und Brust zu bestehen.“) eines Gemeindemitglieds überreden mit ihm durchzubrennen, er kassiert auch noch bei den Bus Unternehmen ab (mit dem Versprechen den Boykott zu beenden).

    Am Ende landet er in NYC, verlässt seine Gespielin und bricht zu neuen Ufern auf. Nur reicher.

    Eine perfekte Studie über die 50er in den US of A, ein Hauptmann von Köpenik in Schwarz-Weiß. Ein Schelmenroman der zeigt, wie wenig das religiöse Gehabe in den US of A mit echtem Glauben zu tun hat.

    Hätte auch von Ross Thomas sein können.

    Soundtrack dazu: Illiterates – Church It Up, was sonst?