Bücher, schnell gelesen: Teil 1.552

Frank Göhre – Die Stadt, Das Geld Und Der Tod (Culturbooks, 2021)

Gelesen: 15. – 17.10.2021, netto 149 Seiten

Kennt man außerhalb von Hamburg eigentlich die Osmanis? Frank Göhre schafft es diese Hamburgensie in einen prägnanten und extrem kondensierten Krimi zu bringen.

Das ganze kommt mir fast wie die Skizzierung eines Drehbuches vor, wobei offensichtlich immer wieder der Frust von Frank Göhre mit den politischen Klasse durchkommt: Mit ziemlich bärbeißigen zerlegt er sowohl die SPD als auch die CDU. Und ganz nebenbei die Grünen.

Als jemand der mit der lokalen Pokal leben muss waren dieses absolute Highlights, bei fast jeder Figur konnte ich den Echtnamen erraten.

Der Rest ist perfekter Noir: Die Bösen gewinnen, die Politik ist kaputt, die Banker korrupt und jeder für sich hat einen Hau. Und wer verliert tut das nicht weil er was falsch gemacht hat sondern weil ihn jemand anderes in die Pfanne gehauen hat, manchmal wegen echter Kleinigkeiten.

Ja, Frank Göhre kennt sich in Hamburg aus. Und bringt Lakonie und Ironie in ein ernstes Thema. Cool.

Soundtrack dazu: Big Balls & The Great White Idiot – Submission To Violence, was sonst?

PS: Für nicht Hamburg der Hintergrund…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.551

Franck Bouysse – Rauer Himmel (Polar Verlag, 2021)

Gelesen: 10. – 14.10.2021, netto 176 Seiten

Ein Roman Noir ganz ohne Polizei, ohne einen Detektiv und mit ganz wenig Dialogen. Kann ein Buch in der Krimi Serie des Polar Verlages so funktionieren?

Ja, kann es. Es ist sogar extrem fesselnd!

Erzählt wird eine einfache Geschichte von einfachen Menschen … mit einem furiosen Finale.

In Les Doges, weit draussen in den Cévennen, leben nur noch 2 Bauern: Gus und Abel. Harte Arbeit auf kargem Boden und vor allem im Winter ohne viel Hoffnung.

Ganz langsam erzählt Franck Bouysse die Geschichte von Gus, von unerfüllten Sehnsüchten und von den wenigen Kontakten die er so hat. Sein Nachbar Abel ist älter und ebenso wortkarg und schräg. Beide leben in ihrer Welt und für ihre Einsamkeit. Beide sind großartige bärbeißige Charaktere, die vor allem mit Menschen von außerhalb wunderbar garstig umgehen.

Ganz langsam schleicht sich dann aber etwas in ihr einsames Leben, das sie so noch nicht kannten. Und am Ende gibt es etliche Überraschungen und nichts wird mehr so sein wie bisher, im wahrsten Sinne des Wortes.

Cooles Buch für die Einsamkeit, cooles Buch über die destillierte Essenz des bäuerlichen Lebens.

Spundtrack dazu: Youth Avoiders – Ghostland, was sonst?

PS: Und Franck Bouysse so?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.550

Garry Disher – Moder (Pulp Master, 2021)

Gelesen: 05. – 09.10.2021, netto 291 Seiten

Garry Disher produziert für einen Krimi-Autor ein sicher einseitiges aber dafür auch vielschichtiges Œuvre … und lässt seinen alten Gauner Wyatt einfach nicht sterben.

Mit Moder kehrt Wyatt nach Sydney zurück und sein alter Tippgeber Sam Kramer, der wegen eines eigenen krummen Geschäftes im Knast sitzt, versorgt ihn von dort mit einem heißen Tipp:

Der Abzocker (oder besser “Finanzberater”) Jack Tremayne hat ein schönes Ponzi-Scheme am laufen und sitz auf einem Batzen Bargeld als Sicherheit für eine schnelle Flucht, falls die Behörden mal intensiver in den Quark kommen.

Und da Wyatt nichts lieber macht als andere Gangster auszunehmen erkundet er die Lage. Was Wyatt aber nicht ahnt ist das auch andere scharf darauf (und auf ihn) sind:

Einem altgedienter Cop aus dem Dezernat Eigentumsdelikte kommt eine Gestalt zu häufig vor … Wyatt, ohne das der Cop ihn identifizieren kann. Aber der Cop bekommt die Verbindung zu Kramer raus und kommt Wyatt sehr nahe.

Die Frau von Tremayne fickt dessen Anwalt und will eigentlich beide ausnehmen.

Der Sohn von Kramer hat ein Drogenproblem und verrät deswegen anderen Gangstern Details der Zusammenarbeit von Wyatt und Kramer.

Und so wird aus einem schnellen “rein raus” eine sehr komplizierte Angelegenheit und Wyatt, der ja gerne alles unter Kontrolle hat und auf alles vorbereitet ist, schafft es nicht alle variablen unter Kontrolle zu halten. Und damit wird er zur sprichwörtlichen Zielscheibe.

Aber Wyatt wäre nicht Wyatt wenn er trotz Verletzung seinen Plan nicht durchziehen würden, koste es was es wolle. Der alte Cop hat sich übrigens mit Wyatt abgefunden, er killt einen Killer und ist deswegen ein Held (und kann den ganzen aufstrebenden Polizei Managern – die keine Cops mehr sind – den Finger zeigen).

Und am Ende hat Wyatt die Kohle und Kramer wird im Knast gekillt, der Finanzgauner hat nichts mehr (nicht mal sein Leben) und die anderen, die so gierig auf die Kohle waren? Sind alle irgendwie sehenden Auges in den Tod gestolpert. Trottel, macht es wie Wyatt – habt immer Plan B, Plan C und einen Ausweg. Und fuckin’ Geduld!

Und mit der Tochter von Kramer verbinden ihn jetzt zarte Bande. Das wird weitergehen, da bin ich mir sicher. Bring it on, Garry!

Soundtrack dazu: Clowns – You Want It, You Got It, was sonst?