Blog

  • Bücher, schnell gelesen: 1.862

    Bücher, schnell gelesen: 1.862

    Kevin Barry – Das Herz im Winter (Liebeskind, 2026)

    Gelesen: 20. – 21.09.2026 (netto 206 Seiten)

    Aus dem Englischen von Thomas Überhoff.

    Von Kevin Barry hatte ich schonmal ein schlankes Buch, mehr Lustig als Krimi und toll zu lesen. Und jetzt nimmt er uns mit in den nicht-mehr-ganz-so-wilden Westen (Butte, Montana, 1890er Jahre) und erzählt uns eine Liebesgeschichte.

    Mit Schmakes.

    Sag hallo zu Tom, ein Ire auf seinem einsamen Weg (gen Westen, was sonst). Er ist in Butte hängengeblieben und ist Teil des Lokalkolorits:

    Was macht man schon, man geht aus, na ja, nur auf ein einziges Glas, gefolgt von einem Absacker, und schon zieht er los, um in den Bars von Butte zu trinken und sich zu prügeln. Vollgepumpt mit Opiaten und Alkohol, verdient er sich ein paar Münzen, indem er Briefe für Einsame schreibt, geht den Frauen aus den Bordellhütten sowie all jenen, denen er Geld schuldet, aus dem Weg – bis er um vier Uhr morgens aus irgendeiner Spelunke hinausbefördert wird und vor den Hufen eines Pferdes landet.

    Einem Palomino. Tom stellt sich ihm vor. Das Pferd verharrt völlig regungslos und fixierte ihn mit seinem langen, eindringlichen Blick. Tom ist vollkommen verzaubert.

    Wir lernen: Wenn Tom fällt, dann fällt er tief. Zum Beispiel in Sachen Liebe.

    Auftritt Polly, eine frisch eingetroffene Katalogbraut, die gemeinsam mit ihrem von Gott besessenen Ehemann das Fotostudio betritt in dem Tom aus Aushilfe ein wenig Geld verdient. Während sie fotografiert wird, zuckt ihre Nasenspitze, ihre Augen treffen auf Toms und Tom fällt erneut. Tief.

    Tom macht ihr den Hof wenn ihre Mann weg ist, beide erkunden die Nacht von Butte und haben schnell einen Plan: Weg, gen Westen. Tom klaut Geld und den Palomino und schon sind beide auf dem Weg … durch den Winter von Montana.

    Der Ehemann schickt Headhunter hinterher, sie treffen schräge Vögel, überleben hier und …

    … am Ende kommt nur einer in San Francisco an.

    Und der andere wird Legende, in Butte. Im Westen.

    Kevin Barry schenkt uns eine Liebesgeschichte, die niemals unecht oder billig wirkt, sowie ein Abenteuer, in dem die Gewalt nie genüsslich zelebriert oder abgestumpft dargestellt wird. Sie gehört zum Leben, zur Liebe.

    Cormac McCarthy als durch und durch irischer Western, eine als Farce verfasste Tragödie. Ein Buch das mit jedem Ereignis, jedem Einfall und jedem Satz Freude bereitet.

    Denn das ist die Stärke von Kevin Barry: Er erreicht mit einem einzigen Wort, einem einzigen Satz mehr als manche Autoren auf 100 Seiten.

    Kommt direkt auf die Liste “Buch des Jahres: So schön, so liebenswert und so unterhaltsam.

    Soundtrack dazu: The Copyrights – Stuck in the winter, was sonst?

    PS: Und Kevin Barry so?

    PPS: Titel und Cover tip-top!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.861

    Bücher, schnell gelesen: 1.861

    Tony Hillerman – Knochenmann (Unionsverlag, 2026)

    Gelesen: 16. – 19.09.2026 (netto 242 Seiten)

    Aus dem Englischen von Fried Eickhoff.

    Knochenmann folgt direkt auf Geheime Kanäle und alles was ich da vermisst habe ist wieder da, plus Jim und Bernie … wollen heiraten.

    Tony Hillermann hat hier mal wieder einen coolen Kniff rausgeholt um die Geschichte auf die Spur zu bringen: 1956 kollidierten zwei Passagierflugzeuge über dem Grand Canyon, es regnete Gepäck, Leichen und Trümmerteile.

    Tony packt einen Geschäftsmann mit einem an die Hand gekettetem Beutel Diamanten an Bord eines der Flieger … und lässt diese Diamanten Jahre später wieder auftauchen.

    Der Plot ist spannend, Jim Chee und Joe Leaphorn (der die Story irgendwie erzählt) müssen einen jungen Hopi davor bewahren wegen einem Diamanten in den Knast zu kommen und haben als Gegenpol einen ziemlich bösen Anwalt, der verhindern will das eine Erbin des Geschäftsmannes mit den Diamanten an DNA Material kommt.

    Das ganze endet natürlich im Canyon mit einem Showdown, mit ordentlich Leichen und mit einer weiteren Lektion in Hopi-Geschichte.

    Wie gesagt, spannender als das vorherige Buch aber irgendwie auch das Ende der Story: Dieses ist das vorletzte Buch aus der Serie und so ein büschen fühlt sich das an als ob die Story so langsam ausläuft.

    Ich mag das Setting trotzdem und werde aus quasi aus #bookcollector Gründen alles lesen.

    Soundtrack dazu: The Flesh Eaters – Lost Diamonds, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.860

    Bücher, schnell gelesen: 1.860

    Tony Hillerman – Geheime Kanäle (Unionsverlag, 2026)

    Gelesen: 12. – 15.09.2026 (netto 262 Seiten)

    Aus dem Englischen von Fried Eickhoff.

    Ein etwas anderer Hillerman. Klar sind Jim Chee und Joe Leaphorn voll dabei, aber Geheime Kanäle ist kein klassischer Navajo-Krimi.

    Es geht im Grunde um einen Bösewicht (aus Washington, gut vernetzt), der auf Indianergebiet Unheil stiftet. Und für eine Leiche sorgt.

    Dabei ist das Verbrechen nicht einmal ein Rätsel, da dem Leser von Anfang an klar ist, wer was aus welchem ​​Grund getan hat. Insofern fühlt sich das Buch ziemlich anderes an, Tony Hillerman greift hier auf das erzählerische Mittel des Perspektivwechsels zwischen den Bösen und den Guten zurück.

    Jim Chee und Bernie Manuelito sind irgendwie nur Staffage (während Joe Leaphorn im Hintergrund bleibt) und ihre bloße Anwesenheit dient lediglich dazu, ihr persönliches Beziehungsdrama aufzulösen (Heirat, here we go!) und um die Geschichte überhaupt in Grenzregion zu Mexiko zu bekommen (wohin Bernie in den Job als Customs & Border Agent geflohen ist).

    Und nur weil die Story da spielt, passt auch Drogenschmuggel etc. dazu.

    Das das ganze dennoch leidlich spannend und flott zu lesen ist, das zeigt die Qualität von Tony Hillerman als Erzähler.

    Mir fehlt dennoch alles, was als Navajo Kultur und Landschaft die bisherigen Bücher prägt.

    Aber schön das Jim und Bernie jetzt ein Paar sind.

    Soundtrack dazu: The Freeze – Pig Hunt, was sonst?

    PS: Der deutsche Titel Geheime Kanäle ist irgendwie cooler als das englische Original The Sinistre Pig.