Bücher, schnell gelesen: Teil 1.419

Franz Dobler - Ein Schuss ins Blaue (Tropen, 2019)
Franz Dobler – Ein Schuss ins Blaue (Tropen, 2019)

Gelesen: 25.10. – 07.11.2019, netto 276 Seiten.

Leider viel zu langsam konnte ich dieses Schmuckstück genießen,  genau in dieser Zeit sind wir umgezogen. 127 Kartons mit #recordcollectorsarepretentiousarseholes und #bookcollectorsarepretentiousareseholes einpacken und wieder auspacken. Dazu noch der ganze Rest vom Haushalt.

Robert Fallner ist immer noch ex-Polizist und arbeitet immer noch für seinen Bruder. Er und seine Freundin haben sich eine Tochter angelacht (ganz ohne Schwangerschaft) und einer 14-jährigen aus einer zerrütteten Deutschen Familie Asyl gegeben.

Daneben muss er seinem Bruder bei einem Millionenauftrag helfen – ein islamischer Terrorist soll in der Stadt sein und interessierte Sicherheitskreise, immer auf der Suche nach Auftragsnehmern aus der Privatwirtschaft, stellen viel Geld in den Raum.

Franz Dobler macht daraus laut Verlag einen literarischen Krimi – ich finde er macht daraus eine überaus launige, sprachlich interessante, Geschichte um die Frage „wie weit kann ich gehen“.

Und am Ende gibt es tatsächlich Tote.

Klasse Buch – mit das beste was es an deutschen Krimis gibt.

Soundtrack dazu: Die Ärzte – Himmelblau, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.418

Der Königsspiegel (Die Andere Bibliothek, 2019)
Der Königsspiegel (Die Andere Bibliothek, 2019)

Gelesen: 22. – 24.10.2019, netto 433 Seiten inklusive aufwendigen Vor- und Nachwörtern.

Ich lese gerne historische Reiseberichte, dieses Buch ist wohl das älteste, das ich bisher gelesen habe.

Entstanden um 1250 in Norwegen ist es eine Dokumentation seiner Zeit: Leben, Gebräuche und was die Menschen damals so umtrieb. Aufgesetzt als vermeintliches Gespräch einen unwissenden Sohnes mit seinem wissenden Vater versucht es die Weltordnung und wie man sich in dieser zu Verhalten hat weiterzugeben.

Der Autor ist unbekannt und die Handschrift liegt nur unvollständig in Altnorwegisch vor. Es wird vermutet, dass es eine Bischof am norwegischen Königstrohn war, der diesen „Spiegel“ aufgezeichnet hat. 

Spannend ist das Buch, wenn Handel und Reisen, Tiere und Länder beschrieben werden (in der Sicht von 1250 – flache Erde galore!), völlig dröge wird es wenn christliche Inhalte über endlose Seite wiedergekäut werden.

Als Zeitzeugnis aber absolut großartig!

Soundtrack dazu: Shipwrecked – It’s grim up north, was sonst?

PS: Book Collectors are pretentious assholes – #3869 der nummerierten Erstausgabe!

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.417

Don Winslow - Jahre des Jägers (Droemer, 2019)
Don Winslow – Jahre des Jägers (Droemer, 2019)

Gelesen: 03. – 21.10.2019, netto 980 Seiten

Eigentlich hatte ich ja keinen Bock mehr einen Don Winslow zu lesen, zu langweilig und uninspiriert waren seine letzten Krimis.

Aber dann kommt der letzte Teil seiner Art Keller Saga bzw. der Kartell Reihe (nach Tage der Toten und Das Kartell) übersetzt von der wunderbaren Conny Lösch. Ein 980 Seiten schwerer Brocken. Nachdem ich das Buch erst links liegen gelassen hatte habe ich dann doch gedacht „das ist ein passender Abschluss für eine verwelkte Liebe„.

Don Winslow schafft es dabei tatsächlich an die Qualität der Vorgänger heranzukommen und steigert der Wahnsinn von 680 über 821 auf 980 Seiten. Es gibt keine bessere Reihe über Drogenpolitik als diese – Pflichtlektüre für jeden Politiker in den US of A der noch an den Krieg gegen die Drogen glaubt.

Art Keller wird auf wundersame Weise zum Chef der DEA, der amerikanischen Anti-Drogenbehörde (Drug Enforcement Administration – force them Drugs upon them!). Und er ahnt, das dieses sein letzter Kampf wird.  Nachdem er in Das Kartell seinen Wiedersacher und Kartell Boss Adán Barrera eigenhändig zur Strecke gebracht hat kämpft er nun mit den Resten des Kartells, die sich schneller wieder aufstellen als er es sich hat vorstellen können. 

Das Buch beschreibt spannend und anschaulich wie sowas passiert, warum Drogenbosse einen Gefängnisaufenthalt als Arbeitsurlaub betrachten und was die Drogen mit den Menschen in NYC und in Lateinamerika machen.

Das Buch wäre für sich Superklasse, wenn Don Winslow nicht die extra Seiten dafür nutzt sich an seinem neuen Lieblingsfeind abzuarbeiten: Im Buch ist es der ex-Reality TV Star John Dennision der zum Präsidenten wird und der über seine Familie in das Waschen von Drogengeldern verstrickt ist. Unschwer ist zu erkennen das er Donald Trump aber so richtig mit Scheiße bewirft … und unschwer ist auch die Vorstellung das ein Immobilien-Gangster wie Trump, der immer mit anderer Leute Geld baute bzw. spekulierte, tatsächlich so einen Dreck am stecken  hat.

Am Ende verliert Keller seine große Liebe aber behält sein Leben (der Anschlag auf ihn ist Einleitung und Ende des Buches, ein schöner Zirkelschluss aber in der von Don Winslow dokumentierten Topographie des Drogenhandels gibt es kein Glück: Nicht für die Bosse (erlegt von Konkurrenten, der Familie, der mexikanischen Armee oder der DEA), nicht für die Helfer (Frontschweine die entbehrlich sind), nicht für die User (Elend und Überdosis) und eben auch nicht für einen wie Art Keller. Ich hätte ihn sterben lassen.

Es gibt keine Hoffnung. Period.

Soundtrack dazu: Blank Stare – Fuck Drugs Fuck You, was sonst?

PS: Das englische Original schreit „Trump“ direkt vom Titel…

Don Winslow - The Border (William Morrow, 2019)
Don Winslow – The Border (William Morrow, 2019)