TV PARTY – Ein Kessel Punk

Die umtriebigen Menschen hinter Punk Rock Hamburg bereiten uns eine weitere Freude:

Die zweite Ausgabe von TV Party – Ein Kessel Punk steht an. 

Interviews mit einer Auszubildenden aus dem Molotow, Riebe in seiner Druckerei, Chris von Rückkopplung und Ritchy & Ronny vom K-Klangstudio stehen auf dem Programm, dazu Livemusik u.a. von Abramowicz Acoustic und Alf Burchardt spricht über sein Buch „Hamburg Calling“.

Moderiert von dynamischen Duo Will und Abel. mit Musik, Kritik und Bier. Viel Bier. Dafür diesmal vielleicht ohne Schnaps. Aber wer weiss das schon so genau….

Ein Kessel Punk, Folge 2. Die TV-Party live gestreamt auf https://dringeblieben.de/videos/tv-party-ein-kessel-punk-1 aus dem Knust.

Solitix dazu unter: https://www.tixforgigs.com/de-de/Event/36620/tv-party-ein-kessel-punk-knust-live-stream-knust-hamburg

PS: Die letzte Folge gibts hier nochmal zu sehen: https://dringeblieben.de/videos/tv-party-ein-kessel-punk 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.495

Alf Burchardt, Bernd Jonkmans – Hamburg Calling (Junius Verlag, 2020)

Gelesen: 18.12.2020, netto 141 Seiten

Viele haben über die Jahre darüber geredet, einige haben im kleinen Rahmen sogar damit angefangen Sachen für sowas zusammengetragen – ein Buch ist nie daraus geworden. Das blieb also mehr oder weniger den Profis überlassen:

Mein Freund Alf ist gelernter Journalist, gaaaaanz früher bei Sounds, dann bei Szene Hamburg, dann im Radio und später ganz viele Jahre bei einem großen Magazin. Sein Kumpel Bernd ist Fotograf und hat bereits Musikafine Bücher rausgebracht.

Alf ist gerade in Rente gegangen und hatte damit sowohl Zeit als auch Ehrgeiz und Erfahrung sowas auf die Beine zu stellen. Und Kontakte. Vor allem zu Sabine Schwabroh, die er noch aus Sounds Tagen kannte und die auf einem echten Bilderschatz sitzt (der hoffentlich irgendwann einer Stiftung zu Kuratierung übergeben wird).

Der Untertitel trifft es: Punk, Underground & Avandtgarde 1977 – 1985 in Hamburg. Chronologisch und bildgewaltig geht von den Anfängen des Punk bis zum Ende der ersten zwei Generationen – und dem Ende von dem was Underground war und durch z.B. NDW in das helle Licht der Industrie gezerrt wurde (durchgekaut und ausgespuckt).

Video kills the radio star … ((c) 2020 NDR)

Die Bilder stehen im Vordergrund, dazu kurze O-Töne via Interviews mit Protagonisten: Alfred Hilsberg (1977 – Zick Zack), Jaeki Eldorado (1978 – Aus Lauter Liebe), Eugen Honold und Mike Stanger (1979 – Pretty Vacant, Buttocks, Krawall 2000), Klaus Maeck (1979 – Rip Off), Frank Z (1980 – Abwärts), Andreas Dorau (1981 – selbst), Timo Blunk (1981 – Palais Schaumburg), Anja Huwe (1981 – X-Mal Deutschland), Michael Ruff (1982 – Geisterfahrer), Mona Mur (1982 – selbst), Clemens Grün (1983 – Kir), Clemens Gertler (1983 – Subito). Christian Henjes (1984 – The Beauty Contest), Shorsch Kamerun (1985 – Die Goldenen Zitronen).

Die Interview sind einfach (fast altbacken) und geben mir als Insider kaum Neuheiten – aber ich bin sicher nicht das Maß der Dinge. Dazu werden die bevorzugten Örtlichkeiten verortet (große Erinnerungen an das Subito und an das Versuchsfeld) und ausgesuchte Platten danebengestellt.

Leider kommt mein wildestes Konzert ever mit nur einem Bild zu kurz: Die Haut, Lydia Lunch und Birthday Party im Versuchsfeld:

26.06.1982

Das war das erste Mal wo mir bewusst wurde was eine mit Alkohol und Drogen bis zum Anschlag vollgeballerte Crew auf der Bühne loslassen kann – der absolute Hammer. Wir hatten keine Ahnung was uns da treffen wird und wir bekamen eine derartige Breitseite. Mitten in die Fresse rein.

Das Plakat hatte mit „This is the last day of the rest of your life“ nicht unrecht, der Abend hat meine Abstinenz bei Drogen (außer Alk) nur bestätigt.

Alles in allem ein tolles Buch für die Erinnerung, denn alles was hier vorkommt habe ich miterlebt: Erst kam der Punk, dann erweiterte sich das Spektrum auf „Neue Musik“ und dann ist die Szene zerfasert: Ich bin bei US H/C und Oi! abgebogen und heute wohl Teil der von Campino im Vorwort benannten Hamburger Oldschool-Szene – andere sind andere Wege gegangen.

Was fehlt ist all das was Abseits der Musik passierte: Politische Zusammenhänge, Polizeigewalt gegen jugendliche Punker und DIY Punk im weitesten Sinne: Die Szene abseits der Markthalle. Die Szene der Fanzines (die leider nur graphisch vertreten ist). Wie ein harter Kritiker bemerkte „… die durch und durch bürgerliche Sicht auf Punk etc“ – wo er Recht hat hat er Recht. Aber das ist für mich auch nicht schlimm, war es doch zuerst die Musik die mich anzog und immer noch – neben den Freunden und Konzertbegleitern – begeistert.

Jetzt fehlt nur noch ein Filmemacher, der „Hamburg Hardcore“ als Antwort auf American Hardcore hinbekommt.

nb: Die erste Auflage ist fast ausverkauft, eine zweite (incl. kleiner Fehlerkorrekturen) könnte es sogar auch noch geben. Ich wäre für eine erweiterte Ausgabe mit deutschem und englischem Text.

Soundtrack dazu: Fettes Brot – Hamburg Calling, was sonst?

PS: Book Collectors Are Pretentious Arseholes – ich habe ein Exemplar mit persönlicher Widmung …

Danke Alf!

PPS: Responsible Disclosure – ich hab für das Buch gespendet, im Buch sind Dinge aus meinem Archiv abgebildet und Alf (mit dem ich seit fast 40 Jahren Konzerte und Fußballspiele besuche) hat für das Buch auch mit mir gesprochen (und mit anderen, die wie ich rund um ihn am Millerntor sitzen).

Und zusätzlich zwei Konzerte bei denen ich war und die genau hier hin passen:

1980:

1981: