Bücher, schnell gelesen: Teil 1.559

Castle Freeman – Auf Die Sanfte Tour (Nagel & Kimche, 2017)

Gelesen: 18. – 27.11.2021, netto 177 Seiten.

Und weiter geht es mit Castle Freeman, ein weiterer Schlanker Band aus der Reihe bei Nagel & Kimche. Schlank auch, weil die Hinterwäldler aus Vermont nicht viele Worte machen. Und weil Castle Freeman einfach ein begnadeter Erzähler ist, der mit wenig Worten viel rüberbringt.

Irgendwo im nichts der Berge von Vermont hat die Russenmafia eine Villa und ein riesiges Grundstück als Rückzugsort. Und ausgerechnet dort kommt ein lokaler Kleinkrimineller auf die unkluge Idee in die zur Zeit ungenutzte Villa einzubrechen.

Geklaut hat nicht viel, nur einen kleinen Safe. Den wollen die Russen aber unbedingt wiederhaben – und schicken ihre Problemlöser. Die ziehen aber gegen den cleveren Kleinkriminellen den Kürzeren. Also wenden sich die Russen an Sheriff Wing und erwarten das er seinen Job macht.

Wing macht seinen Job, aber anderes als die Russen wollen. Den er erledigt alles mit lokaler Ruhe und Geduld. Und so wird das ganze eine ganz wunderbare und lakonische Gaunerkomödie, voller trockenem Hinterwäldler Humor.

Klar ist auch, das die Russen keine Chance gegen die Jungs aus den Bergen haben. Dennoch macht Wing seinen Job und der Safe kommt zu den Russen zurück. Und da Wing seinen Job tatsächlich konsequent mit Ruhe und Geduld macht… verschwinden die Russen auch aus den Bergen.

Einfach klasse, diese kleinen Geschichten. Ganz großes Kopfkino!

Soundtrack dazu: The Lillingtons – Russian Attack, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.558

Castle Freeman – Männer Mit Erfahrung (Nagel & Kimche, 2016)

Gelesen: 12. – 17.11.2021, netto 164 Seiten

Castle Freeman hatte ich ja übersehen, also muss ich seine Bücher jetzt in einem Schwung nachholen.

Der erste Band, im Original 2008 erschienen, bescherte mir dabei ein Déjà-vu: Nach circa 10 Seiten hatte ich das Gefühl “Hey, das kenne ich doch“. Und nach weiteren 10 Seiten ist es mir dann eingefallen:

Ein Film mit dem CIA Mädchen aus der Bourne Serie … schnell Tante Google gefragt und ja, Blackway – Auf dem Pfad der Rache war der Film (2015), sogar mit Anthony Hopkins und Ray Liotta. Der Film war durchschnittlich gute Hollywood Unterhaltung (mit einem coolen Setting).

Allerdings muss ich meine Bewertung für den Film jetzt ändern: Das Buch ist voller Humor und schräger Charaktere, Hollywood hat daraus leider einen durchschnittlichen Rachethriller gemacht. Schade.

Die Geschichte ist einfach: Böser Man bedroht junge Frau. Ihre Freund hat Schiss und haut ab. Sie hat keinen Schiss und geht zum Sheriff. Der kann nicht helfen, schlägt aber vor das sie sich von einer Gruppe alter Männer helfen lässt.

Die hängen in einer alten Fabrik ab, träumen von alten Zeiten und reden viel Blödsinn. Aber sie sehen den Mut der jungen Frau und helfen. Und ab da wird das Buch richtig gut – eine perfekte Balance zwischen Action und Gewalt sowie Blödsinn.

( (c) Castle Freeman / Naggel & Kimche)

Die Männer mit Erfahrung, die Rumsitzen und Blödsinn reden, sorgen für Gerechtigkeit.

Ein ganz wunderbares Buch mit einer ganz wunderbaren Rhythmus. In den US of A hat sogar jemand den Vergleich mit Cormac McCarthy gesucht und gefunden, ich neige ehr zu Elmore Leonhard.

Soundtrack dazu: Off With Their Heads – Don’t Make Me Go, was sonst?

PS: Hollywood…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.557

Tade Thompson – Wild Card (Suhrkamp, 2021)

Gelesen: 05. – 11.112021, netto 323 Seiten

Thomas Wörtche hat ja schon in der UT Metro Reihe des Unionsverlages einige ganz wunderbare Bücher von afrikanischen Autoren mit Spielort Afrika herausgegeben, mit Wild Card hat er jetzt auch in seiner Suhrkamp Reihe einen echten Schatz gehoben.

Tade Thompson ist in England geboren, mit seinen Eltern im alter von 7 Jahren “zurück” nach Nigeria gegangen und dort aufgewachsen. Nach seinem Studium ist er wieder zurück nach England, wo er heute lebt und neben der Arbeit eigentlich Science Fiction Romane schreibt.

Der Hintergrund ist wichtig, den sein hervorragender Anti-Held Weston Kogi ist auch ein Wanderer zwischen den Welten: In West-Afrika aufgewachsen ist er nach London geflüchtet, wo er als Supermarkt Security arbeitet. Seine Lieblingstante, die ihn damals nach London geschickt und damit aus Bürgerkriegswirren gerettet hat, ist verstorben und nur das bringt ihn zurück in seine Heimat.

Ein kleine Notlüge (“Ich bin bei der Mordkommission”) bringt ihn dann aber in den Focus von lokalen Rebellengruppen: Zwei konkurrierende Rebellengruppen shanghai’en ihn und beauftragen ihn den Mord an einem im Land geschätzten Politiker zu untersuchen (und jeweils der anderen Partei in die Schuhe zu schieben).

Ab hier ist das Buch dann vordergründig einem lustige Geschichte in der Weston Kogi von Problem zu Problem stolpert und sich irgendwie in dem ganzen Chaos durchwurschtelt. Und lernt was Gewalt ist. Und lernt wie man killt. Und tatsächlich Details rund um den Mord herausfindet.

Im Hintergrund jedoch wechselt das Buch die Spur: Von gewalttätigen Männern, die sich und das Volk killen, hin zu Frauen, denen Gewalt angetan wurde. Unter anderem auch Westons Mutter. Und hier wird das Buch dann wirklich gut, spannend und letztendlich überraschend, ohne den smarten hard-boiled Charakter zu verlieren.

Überraschung des Jahres bisher! Mehr davon!

Soundtrack dazu: Big D And The Kids Table – Beautiful Way, was sonst?

PS: Note 1+ dafür das kein neues Cover erfunden wurde. Warum aber aus “Making Wolf” (was im englischen perfekt passt) “Wild Card” wird, mmmmhhhhh, das verstehe ich nicht ganz.

Tade Thompson – Making Wolf (Constable, 2020)

PPS: Und Tade Thompson so?