Bücher, schnell gelesen: Teil 1.405

David Whish-Wilson - Die Ratten von Perth (Suhrkamp, 2017)
David Whish-Wilson – Die Ratten von Perth (Suhrkamp, 2017)

Gelesen: 17. – 21.08.2019, 291 Seiten.

Perth, Western Australia, 1975. Die einsamste Großstadt der Welt und das ganze in einem Staat der mit dem Rest von Australien nichts zu tun haben will, sondern wo weniger Männer das sagen haben und das Geld scheffeln wollen.

Ruby Devine liegt tot in ihrem Auto auf einem Golfplatz und die Polizei such … nach nichts. Liegt unter anderem daran, dass Ruby die Chefin eines Bordells war und Bordelle gibt es kraft Gesetz nicht. In der Realität gibt es sie schon und die Cops drücken nicht nur ein Auge zu (und manchmal die Knarre ab) sondern kassieren mit.

Superintendent Frank Swann mach da nicht mit. Er will nicht nur seine verschwundene Tochter finden sondern auch den Purple Circle, eine Gruppe korrupter Cops mit vollem Zugriff auf die Stadt, zerschlagen.

Das ganze ist ähnlich wie Ellroys „Die schwarze Dahlie“ eine wahre Geschichte:

Die Geschichte ist geschickt erzählt, hardboiled aber mit einem coolen Trick: Frank Swann schafft es dank seines Ranges zumindest eine Crown-Comission in Gang zu setzen, in der ein pensionierter Richter von außerhalb den Vorsitz hat. Dieser Strang erzählt geschickt, wir Korruption den Staat zerfrisst.

Der andere Strang ist der einsame Kämpfer, der am Ende selber Gewalt anwenden muss. Aber das hat er eigentlich auch als Polizist gemacht. Und alles verloren. Alkohol, Drogen, leichte Mädchen, korrupte Cops, korrupte Politiker und Gewalt. Extrem realistisch, extrem gut.

Ein großartiger Auftakt zu einer Perth-Trilogie!

Soundtrack dazu: The Critics – Obsolete, was sonst?

PS: Perth 1975 – guckt euch die Jungs an und ihr ahnt was das für eine Welt war…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.404

Ross Thomas - Der Fall in Singapur (Alexamder Verlag, 2019)
Ross Thomas – Der Fall in Singapur (Alexamder Verlag, 2019)

Gelesen: 09. – 16.08.2019, 314 Seiten.

Das der Alexander Verlag alle Ross Thomas Bücher neu herausgibt ist schon eine feine Sache. Dazu gehört auch, dass eine solche Reihe vollständig ist. Ob es dann aber gleich ein marktschreiender Sticker „Ross Thomas‘ einziger Mafia-Roman“ auf der Vorderseite sein muss … das stelle ich mal in Frage.

Im Zuge seiner Recherchen für eine nie veröffentlichte Biografie über den amerikanischen Mafioso Joe Valachi lernte Ross Thomas nach Eigenaussage genug über die Mafia, um damit »sieben oder acht Romane« zu füllen. Entstanden ist schließlich The Singapore Wink.

Und, sorry Ross Thomas, der ist schon zuviel. Es ist ein typischer Ross Thomas Roman, mit einem Underdog als getriebenem Helden … aber es fehlt ein wenig der clevere Witz, die gelassene Brutalität und – vor allem – das feinfühlige Einbinden von Singapor und der asiatischen Mentalität.

Ross Thomas kennt sich in Washington DC aus, Singapor kommt hier nur als billige Kulisse rüber. Das Buch ist gut zu lesen, die Story ist ok aber ohne Überraschung und im ganzen ist das einfach nicht das Niveau, dass ich von Ross gewohnt bin. Aber zur vollständigen Sammlung gehört das schon.

Soundtrack dazu: Daily Ritual – Cold Store Operation, was sonst?

PS: Das original von 1969 hat ein sehr … sprechendes Cover. Mhhhh…

Ross Thomas - The Singapore Wink (Hodder and Stoughton, 1969)
Ross Thomas – The Singapore Wink (Hodder and Stoughton, 1969)

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.403

Jim Nisbet - Welt ohne Skrupel (Pulp Master, 2019)
Jim Nisbet – Welt ohne Skrupel (Pulp Master, 2019)

Gelesen: 05. – 08.08.2019, 226 Seiten.

Die Dot.Com Welt? Rücksichtslos. Der abgehängte Rest von San Francisco? Ebenso Rücksichtslos. Das Leben? Glücklos.

Vor diesem Hintergrund steigen wir in die kleine Welt von Klinger ein: Seine kleinkriminellen Aktivitäten gehen meist schief, doch mit ein wenig Glück kommt er immer um den Knast herum.

Letztendlich geht es ihm nur um Peanuts: Er braucht zuerst Geld für Drinks, um sich abzuschießen. Und wenn dann noch Geld übrig ist, ja Gott, dann kann er halt mal in einer Absteige schlafen. 

Phillip dagegen ist ein Dot.Com Sklave, immer auf einem 24h Arbeitstag und immer auf der Jagd nach einem Start-Up, das seine Expertise in Aktien verwandelt.

Die Bahn von Klinger und Phillip kreuzt sich und zurück bleiben nicht nur Tote sondern auch der Rest an Vertrauen auf die Menschheit. Denn im Hintergrund gibt es immer jemanden, der besser darin ist Leute auszunehmen. Viel besser.

Ein bitterböse Abgesang auf die Menschlichkeit, die Gesellschaft und menschliche Kommunikation. Und auf so profane Dinge wie die Sucht nach Alkohol. Denn die Sucht nach Apps, die Sucht nach Smartphones und die Gier nach Geld sind stärker. 

Das Setting im O-Ton:

Als er am Hawse Hole ankam, war Klinger reif für einen Drink, er war reif dafür, die letzten paar Tage zu vergessen, er war reif für einen Klamottenwechsel – Klinger war reif für alles, ausser für die Zukunft. Oder die Vergangenheit. Oder, wie sich herausstellte, für die Gegenwart. 

Einfach großartig. Ein Looser als Held der am Ende alles verliert. Lasst alle Hoffnung fahren!

Soundtrack dazu: Head – No one likes a snitch, was sonst?

PS: Der original Titel „Snitch World“ passt sowas wie!