Bücher, schnell gelesen: Teil 1.547

James Lee Burke – Keine Ruhe In Montana (Pendragon, 2021)

Gelesen: 14. – 27.09.2021, netto 566 Seiten

#17 von 23 – Die Reihe im Pendragon Verlag wird so langsam vollständig. Keine Ruhe In Montana geht zurück auf Band #3 der Reihe, denn Dave und Clete kehren nach Montana zurück.

Wo allerdings Schmierige Geschäfte ein veritabler Hard-boiled Krimi war ist Keine Ruhe In Montana mehr eine ruhige Persönlichkeitsstudie.

Dave, der außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches, versucht einfach nur ein hilfreicher Polizist zu sein. Und mit seiner Frau Molly das Grauen von Hurrikan Katrina zu vergessen. Clete versucht garnichts und ist einfach nur ein Magnet für Probleme: Mit Frauen, mit seiner Vergangenheit und mit jedem der im Quer kommt.

Dazu kommen diejenigen, die hier draußen das Sagen haben, denn die haben keinen Bock auf Probleme. Dazu kommt ein entflohner Sträfling, der seine große Liebe sucht und einer gewalttätiger Gefängnissaufseher, der diesen Sträfling erwischen will.

Das gute bei Büchern von James Lee Burke ist ja das er sowohl die handelnden Personen als auch ihre Umgebung langsam entwickelt und viel Zeit damit verbringt ein Bild zu formen. Um dieses dann wie eine Supernova implodieren zu lassen.

Hier ist das perfektioniert: In den letzten 30 Seiten explodiert das Buch sprichwörtlich. Und da James Lee Burke ein wirklich guter Geschichtenerzähler ist gibt es dabei die eine und andere unvorhergesehene Überraschung.

Anders als der Rest der Serie aber sooo gut.

Soundtrack dazu: Poison Idea – Burned For The Last Time, was sonst?

PS: Nette Ecke!

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.546

Beth Ann Fennelly, Tom Franklin – Das Meer Von Mississippi (Heyne Hardcore, 2020)

Gelesen: 09. – 13.09.2021, netto 372 Seiten

Tom Franklin schreibt ganz wunderbare Bücher, dieses hat er mit seiner Frau geschrieben. Auf Deutsch erscheint es bei Heyne Hardcore und nicht bei pulp Master. Ist er damit in Deutschland entdeckt?

Das Buch ist irgendwie ein Zwitter: Schmalzige Liebesgeschichte und Krimi. Krimi und Historienroman. Historienroman und … ja, was eigentlich?

Ich habe mich beim Einlesen für “Historienroman” entschieden, die Liebesgeschichte ausgeblendet und die Verbrechen, die im Buch geschehen, als Teil der Historie akzeptiert.

Es geht um die größte Naturkatastrophe in den US of A, die Flut des Mississippi im Jahre 1927. Das ist auch der Einstieg: Regen, Regen, Regen … alles versinkt im Dauerregen. Und hier im Süden der US of A ist es eh dunkel: Eine offene demokratische Gesellschaft ist das jedenfalls nicht. Auf die Prohibition wird gekackt, es wird schwarz gebrannt. Das bringt die “Helden” an den Start, 2 Prohibitionsagenten. Sie erleben eine feuchte Hölle, in der sich kein Einwohner auf irgendwas verlassen kann.

Es ist schon ein wunderbar atmosphärisches Buch, bei dem die Figuren aber einfach nur flach sind. Aber die historische Wahrheit ist alles andere als flach: Eine Gesellschaft ohne Zusammenhalt, Stark gegen Schwach, der Dammbruch des Nachbarn ist meine Rettung, also sorge ich für eine Flut woanders. Verlierer sind dennoch alle, weil alle alles im Wasser verlieren.

Mhhhhh, echt ein komisches Buch. Wer aber Historie mag und Stichworte für weitere Recherche nimmt, der findet was interessantes. Wer Crime erwartet liegt leider falsch.

Soundtrack dazu: Nick Cave & The Bad Seeds – Tupelo, was sonst? Warum? Weil er diese Flut referenziert.

Looka yonder! Looka yonder! Looka yonder! A big black cloud come! O comes to Tupelo. Comes to Tupelo

Yonder on the horizon. Stopped at the mighty river and. Sucked the damn thing dry. Tupelo-o-o, O Tupelo. In a valley hides a town called Tupelo.

Distant thunder rumble. Rumble hungry like the Beast. The Beast it cometh, cometh down. Wo wo wo-o-o. Tupelo bound. Tupelo-o-o. Yeah Tupelo. The Beast it cometh, Tupelo bound.

Why the hen won’t lay no egg. Can’t get that cock to crow. The nag is spooked and crazy. O God help Tupelo! O God help Tupelo!

Ya can say these streets are rivers. Ya can call these rivers streets. Ya can tell ya self ya dreaming buddy. But no sleep runs this deep. No! No sleep runs this deep. No sleep runs this deep. Women at their windows. Rain crashing on the pane. Writing in the frost. Tupelos’ shame. Tupelo’s shame. O God help Tupelo! O God help Tupelo!

O go to sleep lil children. The sandmans on his way. O go to sleep lil children. The sandmans on his way. But the lil children know. They listen to the beating of their blood.

They listen to the beating of their blood. The sandman’s mud! The sandman’s mud! And the black rain come down. Water water everywhere. Where no bird can fly no fish can swim. Where no bird can fly no fish can swim. No fish can swim. Until The King is born! Until The King is born! In Tupelo! Tupelo-o-o! Til The King is born in Tupelo!

In a clap-board shack with a roof of tin. Where the rain came down and leaked within. A young mother frozen on a concrete floor. With a bottle and a box and a cradle of straw. Tupelo-o-o! O Tupelo! With a bundle and a box and a cradle of straw.

Well Saturday gives what Sunday steals. And a child is born on his brothers heels. Come Sunday morn the first-born dead. In a shoe-box tied with a ribbon of red. Tupelo-o-o! Hey Tupelo! In a shoe-box buried with a ribbon of red.

O ma-ma rock you lil’ one slow. O ma-ma rock your baby. O ma-ma rock your lil’ one slow. O God help Tupelo! O God help Tupelo! Mama rock your lil’ one slow. The lil one will walk on Tupelo. Tupelo-o-o! Yeah Tupelo! And carry the burden of Tupelo. Tupelo-o-o! O Tupelo! Yeah! The King will walk on Tupelo! Tupelo-o-o! O Tupelo! He carried the burden outa Tupelo! Tupelo-o-o! Hey Tupelo! You will reap just what you sow.

PS: History!

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.545

Chris Offutt – Unbarmherziges Land (Tropen, 2021)

Gelesen: 08. – 08.09.2021, netto 211 Seiten

Im englischen Original ist das “The Killing Hills” und das würde auch viel besser passen als der deutsche Titel, der doch arg reißerisch daher kommt.

Im Grund geht es um die Hinterwäldler von Kentucky, die entweder auf den steilen Bergflanken wohnen oder aber ins Tal gemacht haben. Wo immer sie sind, Blut und Familie ist dicker als alles andere. Um in diesem Milieu einen Mord aufzuklären muss Mann (oder auch Frau) das schon verstehen.

Mann ist Mick Hardin, der schon lange aus den Tälern weg ist und eine Karriere bei der Army gemacht hat. Dort ist er bei der Armee Polizei, im CID. Frau ist Lisa Hardin, seine Schwester, die der erste weibliche Sheriff im County ist.

Mick ist zuhause, weil seine Frau schwanger ist (aber das Kind nicht von ihm sein kann, da er in Übersee stationiert war). Lisa nutzt seine Fähigkeiten, um einen Mord aufzuklären. Dazu das übliche: Meth, Coke, H. Oxi. Korrupte Politiker, die Lisa beeinflussen wollen (die nächste Wahl und so).

Eine einfache Geschichte, schnell abgehandelt. Leben tut das Buch von der Natur und den Eigenarten der Menschen: Blutlinien zählen hier mehr als alles andere. Dazu Respekt. Auch vor Arschlöchern.

Eine kleine und feine Geschichte, nichts besonderes aber schon mit einem eigenen Touch. Für mich dennoch zu wenig Gewalt, zu wenig Überraschung in den Charakteren. Aber eine gute Abswechslung.

Soundtrack dazu: Pegboy – Over The Hills, was sonst?

PS: Und Chris Offutt so?