Bücher, schnell gelesen: Teil 1.394

Frank Göhre, Alf Mayer - King Of Cool (Culturbooks, 2019)
Frank Göhre, Alf Mayer – King Of Cool (Culturbooks, 2019)

Gelesen: 10. – 11.06.2019, netto 228 Seiten

Elmore Leonard ist tatsächlich ein cooler Autor der eine endlose Serie von guten Büchern geschrieben hat. Natürlich habe ich irgendwann mitbekommen, dass der Film „Schnappt Shorty“ oder aber auch Tarantinos „Jackie Brown“ auf seinen Bücher beruhten.

Aber ich hatte mich nie weiter mit seiner Geschichte beschäftigt – dank Frank Göhre und Alf Mayer konnte ich das nun ganz einfach lesend erledigen…

… Elmore war ein erfolgreicher Werber (in Detroit, für Autos).

… Elmore war ein erfolgreicher Western-Autor.

… Elmores Bücher sind unfassbar oft verfilmt worden.

… Elmore hatte einen Fakten-Scout, den er auf jedes Detail angesetzt hat.

… Elmore hat DIE 10 Regeln für einen Autor verfasst:

1. Fangen Sie ein Buch nie mit dem Wetter an.
2. Vermeiden Sie Prologe.
3. Verwenden Sie nie ein anderes Verb als „sagen“, wenn Sie Dialog schreiben.
4. Verwenden Sie nie ein Adverb, um „sagte“ zu modifizieren.
5. Seien Sie sparsam mit Ausrufezeichen.
6. Schreiben Sie nie „plötzlich“ oder „Die Hölle ist ausgebrochen“.
7. Setzen Sie Dialekt sparsam ein.
8. Vermeiden Sie detaillierte Beschreibungen der Personen.
9. Beschreiben Sie Orte und Dinge nicht zu detailliert.
10. Lassen Sie die Teile weg, die die Leser ohnehin überspringen.

Zusammengefasst: „Wenn es wie geschrieben klingt, schreibe ich es neu.

Das Ergebnis ist bekannt: Gnadenlos gute Bücher mit guten Dialogen die auf den Punkt kommen, ohne viele Worte.

Das Buch springt locker durch das Lebenswerk und erledigt das gekonnt mit Zitaten aus allen wesentlichen Werken. Muss mann nicht haben, schadet aber definitiv auch nicht.

Jetzt bitte noch eine Neuauflage aller Crime und Thriller in Überarbeitung eines Fachmannes wie eben Frank Göhre.

Soundtrack dazu: Kobanes – A Real Cool Time, was sonst?

Und Elmore – leider bereits verstorben – sieht sich so:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.393

David Joy - Wo Alle Lichter Enden (Polar Verlag, 2019)
David Joy – Wo Alle Lichter Enden (Polar Verlag, 2019)

Gelesen: 05. – 10.06.2019, netto 246 Seiten

Ein kleine, traurige und auch ausreichend harte Geschichte aus den Bergen von North Carolina, in den US of A. Cashiers ist eine kleine Gemeinde tief in den Bergen und war schon immer ein Rückzugsgebiet von Schmugglern, Schwarzbrennern und Gangstern. Und ist voller Crystal als auch Meth.

Jacobs Vater kontrolliert das Crystal-Meth Geschäft in dieser Gegend mit eiserner Hand und Jacob hat Mangels Alternativen angefangen bei ihm zu arbeiten. Er hasst seinen Vater, er hasst seinen Job und er hasst es, dass er seine große Liebe Maggie verlassen hat, weil er ihr nicht im Weg stehen wollte aus Cashiers herauszukommen.

Aber das Leben ist Scheisse: Einen Kill-Jon für seinen Vater verkackt er, seine schwerst Meth-debile Mutter wird gekillt und die Cops sind ihm auf den Fersen. Als aber dann Maggie zurück in sein Leben kommt sieht er auf einmal einen Ausweg – nur um von seinem Vater, den Cops und letztendlich dem Leben gefickt zu werden.

Ein großartiger „Trotz aller Liebe keine Hoffnung“ Roman!

Soundtrack dazu: V/A – Why are we here?, was sonst?

Und David Joy? Interessanter Typ:

 

 

 

 

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.392

Attica Locke - Bluebird, Bluebird (Polar Verlag, 2019)
Attica Locke – Bluebird, Bluebird (Polar Verlag, 2019)

Gelesen: 02. – 04.06.2019, netto 316 Seiten

Das Buch spielt tief in Texas, in East Texas. Und ganz hinten in dieser Ecke gibt es auch Schwarze. Farbige. Oder eben Nigger, wie die weiße Bevölkerung sie nennt. 

Die besteht aus alten Sklavenhaltern, den netten Meth-Händlern von der ABT (Arian Brotherhood Texas) und dem lokalen Sheriff. Der ist überraschenderweise nicht korrupt, aber wenn irgendwo eine Leiche auftaucht dann war der Täter entweder schwarz oder aber falls die Leiche schwarz ist, dann ist es eben kein Mord sondern ein Unfall.

Wer bringt hier Gerechtigkeit? Eigentlich die Texas Rangers (oder, überhaupt nicht gerne gesehen, das FBI). Aber dieser Texas Ranger hat seine eigenen Probleme: Kurz vorm Rauswurf, mit Alkohol und Eheproblemen und … schwarz. Beste Voraussetzung um eine schwarze Leiche (Anwalt aus Chicago) und eine weiße Leiche (Kellnerin aus dem lokalen Redneck Kneipe) zu einem etwas komplizierten Fall zu machen.

Was vorne als Hassverbrechen erscheint wird am Ende ein extrem vielschichtiger Krimi und eine echte Liebeserklärung an das schwarze East Texas und die Probleme, die dort heute wie vor 25, 50 oder auch 100 Jahren herrschten.

Und natürlich ist die Antwort am Ende eine andere: Als Erfahrener Krimi-Leser wissen wir natürlich das es entweder eine familiäre Auseinandersetzung oder aber „Heat of the Moment“ ist, wenn jemand zu Tode kommt. Aber was ist es hier?

Ich kann mir kein besseres Sittengemälde über die Lage der Schwarzen in den US of A vorstellen, als so ein Krimi. Ganz wunderbar gemacht und als Krimi ganz wunderbar verpackt.

Oder wie es der Verlag so richtig schreibt:

Attica Locke wendet sich in ihrem dritten Roman mit einem Blick für die Feinheiten der ländlichen weißen Südstaatler einmal mehr gegen die rassistische Scheinheiligkeit in Texas.

Dem gibt es nichts hinzuzufügen – außer: Lesen! Jetzt!

Soundtrack dazu: John Lee Hooker – Bluebird, was sonst? Vielleicht doch Traitör – Bet On Black? Schwere Entscheidung!

Und was sagt Attica Locke dazu?