Bücher, schnell gelesen: Teil 1.450

Nicolas Zeimet – Rückkehr nach Duncan’s Creek (Polar Verlag, 2020)

Gelesen: 26. – 28.05.2020, netto 371 Seiten

Ein Franzose der einen sehr amerikanischen Noir-Roman schreibt. Überraschung. Und netterweise im kundigen Nachwort zum Roman erklärt.

Sam, Jake und Ben waren jung und echte Horror-Fans. Sie lebten am Arsch der Welt, in den Bergen von Utah. Mormonenland. Und gerade als sie sich für eine Halloween Fest als Figuren aus Freiatg der 13. verkleiden kommt der Horror über sie – mitten aus der Familie. Und der Tag endet mit einem Toten. Und dem Versprechen nie wieder darüber zu reden.

Ben bleibt in Duncan’s Creek, Jake geht nach SF um als Schriftsteller Erfolg zu haben (hat er nicht) und sein Comming Out durchzuziehen (hat er). Und Sam, an der der Großteil des Horrors hängenblieb, geht nach LA um mit Drogen (finanziert durch Prostitution) alles zu vergessen.

Sam stibt, ihr letzter Wunsch an Jake ist „Bring mich nach Hause“. Also kutschiert Jake die Urne nach Duncan’s Creek und redet dabei zum ersten mal über den Horror aus der Halloween Nacht.

Ein ungewöhnlicher Road Movie, der den brutalen und gewalttätigen Verlust der jugendlichen Unschuld zum Thema hat. Und klar macht, warum „nie wieder drüber sprechen“ wohl ehr der falsche Ratschlag ist.

Nicht das beste Buch im Polar Verlag aber wunderbar Dunkel und Böse.

Soundtrack dazu: The Last Gang – Murder Creek, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.449

Lisa Sandlin – Family Business (Suhrkamp, 2020)

Gelesen: 24. – 26.05.2020, netto 350 Seiten

Der zweite Teil der Delpha Wade Reihe von Lisa Sandlin und wie der erste ist es ein richtig schnuckeliges Buch.

Und was sich im ersten Teil schon andeutete wird hier fast offiziell: Delpha macht nicht nur die Sekretärin sondern auch die Ermittlerin. Und zwischen ihr und ihrem jungen Chef Tom knistert es immer wieder, ohne das es dabei zu einem echtem „Family Business“ kommt.

Das Tempo und der Rhythmus wird dabei von den beiden unterschiedlichen Ermittlungsansätzen von Tom und Delpha diktiert, wobei beide sich – im Gegensatz zu vielen anderen Private Eye Geschichten – regelmäßig über den Fortschritt austauschen.

Während Tom versucht seinem Onkel, dem lokalen Sheriff, zu beeindrucken versucht Delpha nichts anderes als die im Knast verlorenen Jahre wieder zurückzubekommen. Schritt für Schritt.

Stimmige Geschichte in einem sonnig-warmen Texas von 1973. Macht immer noch Spass auf mehr!

Soundtrack dazu: Rocket From The Crypt – If The Bird Could Fly, was sonst?

PS: Sowohl das Cover als auch der Titel ist – wie beim ersten Band – völlig misslungen. Damn it!

Lisa Sandlin - The Bird Boys (Cinco Puntos Press, 2019)
Lisa Sandlin – The Bird Boys (Cinco Puntos Press, 2019)

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.448

Ron Corbett – Preisgegeben (Polar Verlag, 2020)

Gelesen: 22. – 24.05.2020, netto 383 Seiten

Aus dem Schneesturm von Colorado direkt in die Schneewüste der Northern Divide in Kanada. Die Zutaten sind vergleichbar, aber die Hoffnungslosigkeit am Oberlauf des Springfield River ist anders.

Die alte Zellstoff Fabrik? Aufgegeben! Das Five Mile Camp, in dem die Cree lebten, die für den Papierkonzern gearbeitet hatten? Leer und verottet! Ragged Lake, der kleine Ort an der Bahnstrecke? 12 Einwohner und die abgewarzte Mattamy Fishing Lodge, die maximal ein paar Wildnis-Touristen anlockt.

Alles dem Verfall preisgegeben.

Unweit des Five Mile Camp hat eine kleine Familie eine Hütte gebaut, eine illegale Landnahme die aber ohne Konsequenzen bleibt, da die Besitzer des Landes im Moment mit dem Holz nichts anfangen können bzw. wollen.

Und doch werden der Mann, seine Frau und ihre zwei–jährige Tocher ermordet. Ein Baummarkierer findet sie und alarmiert die Polizei. Die kommt in Form von Detectice Yakabuski und zwei jungen Constables, sie reiten auf Schneemobilen in Ragged Lake ein, da keine Straße da hin führt (und der Zug auch nur unregelmäßig kommt).

Das Setting ist in großartiger, einsamer Natur, die Menschen wortkarg und die Täter müssen noch im Ort sein – keine Spur führt aus Ragged Lake heraus.

Was ein einfacher „who dunit?“ werden könnte entpuppt sich als unfassbar spannender Kill-Em-All Plot, am Ende ist die Schlagzahl bei 26 Toten. Ein fast endloser Showdown, unterbrochen nur von kurzen Zeit/Raum Sprüngen, die einem Futter für das Kopfkino liefern. Perfekte Charaktere und böse Bösewichter. Und Gute, die Sterben. Und jeder hat etwas preiszugeben.

Umsonst dazu gibt es den coolen Kniff das Tagebuch der Toten aus der Hütte in das Buch einzupassen: Das verschiebt den Focus des Kopfkinos auf ganze neue Motive.

Ich möchte da im Winter nicht leben. Aber von Detektive Frank Yakabuski möchte ich unbedingt mehr lesen!

Großartiges zweites Buch in der „Dark Places“ Serie des Polar Verlages, ein durch und durch düsteres Buch das nicht einmal durch den Schnee erhellt wird.

Soundtrack dazu: The Riptides featuring The Ripettes – Camp Crystal Lake, was sonst?

PS: Ron Corbett ist einguter Schnacker!