Bücher, schnell gelesen: Teil 1.408 – 1.413

Aus der Wyatt-Reihe von Garry Disher habe ich bisher nur „Dirty Old Town“ gelesen und bereits 2015 geschworen das ich mir jetzt alle Bücher kaufe. Fast forward nach 2019 und mein Leseurlaub im September bringt mir … den Rest!

Garry Disher - Gier (Pulp Master, 1999)
Garry Disher – Gier (Pulp Master, 1999)

Gelesen: 05. – 06.09.2019, 228 Seiten

Willkommen in der Welt von Wyatt. Wyatt ist Profi. Wyatt ist ein Profi-Räuber. Und in dieser Welt geht es nur um ihn und seine gnadenlos professionell durchgezogenen Raubzüge. 

Und da ihm ein Amateur einen Deal versaut hat nimmt er dankbar das Angebot einer Anwältin an ihrem Partner 300.000 AUS Schwarzgeld zu klauen. Professionell. 

Natürlich geht was schief, natürlich landet Wyatt mit der Anwältin im Bett und natürlich beseitigt er alle Hindernisse – kalt, gefühlslos und immer den Cops einen Schritt vorraus. Denn im Knast war er noch nicht und da will er auch nicht hin. 

Ein echter hardboiled Krimi, aus der Sicht eines durch und durch kalten Profis. Der Partner stirbt dabei? Sein Problem bzw. Risiko. Beziehungen? Was bringen die? Wyatt Gier nach billigem Geld ist ebenso groß wie seine Gier nach einem ruhigen Leben (für das er auf andere Art als du und ich arbeitet).

"Du bist eine Memme, Wyatt. Zeig dich wie ein Mann". 

Wyatt stellte sich breitbeinig hin, stabilisierte die .38er mit seiner linken Hand und schoß Sugarfoot Younger in den Hinterkopf.

Soundtrack dazu: Youth Youth Youth – Greed, was sonst?

Garry Disher - Dreck (Pulp Master, 2000)
Garry Disher – Dreck (Pulp Master, 2000)

Gelesen: 06. – 07.09.2019, 221 Seiten

Sein letzter Deal („Gier„) ist den Bach runtergegangen, die organisierte Kriminalität ist hinter ihm her (obwohl der die Kohle nicht hat) und Wyatt hat sich daher in den Busch zurückgezogen. Echte Arbeit an einer Pipeline?

Nein, er kundschaftet die Brava-Construction aus, die beschäftigen nämlich jede Menge Südamerikaner die ihre Kohle wöchentlich in Bar erhalten. Und auf diese Kohle hat es Wyat abgesehen. Leider hat er bei seiner sorgfältigen Planung übersehen das es auch andere Interessenten an der Kohle gibt. Und das ein Killer der organisierten Kriminalität ebenfalls seine Spur aufgenommen hat. 

Also bleibt Wyatt wieder ohne Kohle, seine Freunde sterben und unaufmerksame Quertreiber seiner Pläne …. sterben.

Wyatt schaltete auf Fernlicht und kam nebem dem Laster zum stehen. Er setzte Triggers Lewiche auftrecht ans Steuer und zog sich dann hinter den Wagen zurück, um zu beobachten, wie Happy aus der Fahrerkabine kletterte. Das Fernlicht blendete den schweren Hünen. Mit gesenktem Kopf kam er auf den Wagen zu und hielt sich die Händer schützend vors Gesicht. Er blinzelte heftig und versichte, den Zwerg, der mal sein Boss gewesen war, zu einer Reaktion zu bewegen. Wyatt jagte ihm von hinten eine Kugel in den Kopf."

Soundtrack dazu: The Varmints – Pay Dirt, was sonst (gibt es leider nicht online).

Garry Disher - Hinterhalt (Pulp Master, 2002)
Garry Disher – Hinterhalt (Pulp Master, 2002)

Gelesen: 07. – 08.09.2019, 238 Seiten

Die Nummer im Busch („Dreck„) ging den Bach runter und hat Wyatt ungewollte Aufmerksamkeit gebracht. Nicht nur die Mesics, das Syndikat aus Melbourne, will ihn tot sehen sondern ein ex-Bulle sucht ihn und – trotz aller Vorsicht – findet ihn auch.

Das schlimmste: Der Ex-Cop arbeitet für die Anwältin aus „Gier“ und diese zwingt Wyatt in einen Banküberfall, der angeblich leichte 2 Mio AUS bringen soll. Für den Leser ist es keine Überraschung das der Deal mal wieder vergiftet ist: 3 Parteien wollen an das Geld und keiner hat die andere bemerkt.

Und so geht am Tag des Überfalls alles, aber auch alles, schief.

"Wyatt" mahnte Anna.
Wyatt überhörte es. Der Tod kam schnell. Der Schlag hatte Stolle den Atem genommen und er war unfähig, sich zu wehren. Wyatt platzierte seinen Revolver in Stolles rechter Hand, führte ihm die Hand an den Mund und schob den Lauf zwischen Ober- und Unterkiefer. Er drückte ab. Stolle machte einen kleinen Satz und seine Beine zuckten noch, während er starb.

Soundtrack dazu: The Old Firm Casuals – Death Dealers, was sonst?

Garry Disher - Willkür (Pulp Master, 2004)
Garry Disher – Willkür (Pulp Master, 2004)

Gelesen: 08. – 09.09.2019, 247 Seiten

Wyatt hat genug von den Mesics, jetzt will er zurückschlagen. Und sich „sein“ Geld von ihnen zurückholen. Da hilft es, daß der Patriarch verstorben ist und seine Erben sich nicht einig sind.

Und los geht ein atemloser Ritt durch den ganz normalen Broterwerb: Bandenkriege, Mord, politische und polizeiliche Korruption, Drogenhandel und Autoschiebereien. Alles völlig normal und die Welt, in der Wyatt lebt und in der er sich auskennt.

Und nach 12 Tagen Rachefeldzug hat Wyatt dann endlich Glück: Sein Wiedersacher sprengt sich selbst in die Luft.

Doch er hatte nicht vor, sie auf den Kopf zu stellen. Für eine Weile stand er nur da und versuchte, sich in Napper hineinzuversetzen. Das führte ihn schnell zu der Komode neben dem Bett, dem Zwischenraum zwischen Teppich und unterster Schublade. Zweihundertausend Dollar können diesen Platz schon ausfüllen. Er rüttelte an der Schublade, doch irgendwas hatte sich verklemmt. Also kippte er das Ding einfach auf die Seite und brauchte nur noch nach seinem Geld zu greifen.

Soundtrack dazu: King Cannons – Shot to Kill, was sonst?

Garry Disher - Port Villa Blues (Pulp Master, 2006)
Garry Disher – Port Villa Blues (Pulp Master, 2006)

Gelesen: 09. – 10.09.2019, 275 Seiten

Wyatt gehts gut, er kann sich entspannt zurücklehnen und auf passende Gelegenheiten hoffen. Die kommen als Safe mit Schwarzgeld um die Ecke, bei einer korrupten Politikerin nur schlecht gesichert. Leider hat sein Fischzug auch Beifang und diesen Beifang (eine Art-Deco Brosche von Tiffany) darf es eigentlich nicht geben. Denn es ist eine registrierte Beute aus einem Diebstahl.

Und so nimmt das Unglück seinen Lauf als Wyatt versucht das Schmuckstück zu Geld zu machen. Die Polizei und andere böse Menschen versuchen ihm die vermeintliche Gesamtbeute aller Tiffany Schmuckstücke abzujagen. Und das führt ihn nach Vanuatu und zu einem korruptem Richter.

Und in die Arme einer neuen Liebe (die den Anschein gibt, länger zu halten).

"De Lisle!". Der Schrei voller Hass und Auflehnung kam von oben, von der Treppe. Dann schnellte eine Leuchtkugel aus der Dunkelheit, ein farbiger Komet mit einem Schweif aus Rauch.
Wyatt duckte sich und zog Liz Redding mit sich nach unten. Springett blieb wie angewurzelt stehen.
Pfeilschnell flog die Leuchtkugel über Springett hinweg, über Wyatt und Liz Redding, traf De Lisle in Tailenhöhe und fing an zu brennen.

Soundtrack dazu: Radio Birdman – Smith &Wesson Blues, was sonst?

Garry Disher - Niederschlag (Pulp Master, 2008)
Garry Disher – Niederschlag (Pulp Master, 2008)

Gelesen: 10. – 11.09.2019, 275 Seiten

Wyatt ist müde. Seine neue Liebe mußte er erstmal loswerden (immerhin ist sie eine Undercover Polizistin), ebenso wie den Belastungszeugen den sie per Schiff aus Port Villa (Vanatu) nach Australien schaffen wollten.

Dazu konnte er noch etwas zusätzlich abgreifen, das muss jetzt erstmal reichen. Doch die Liebe und sein Neffe Raymond kommen ihm in die Quere. Während Raymond als mehr oder weniger erfolgreicher Blitzbankräuber in den Zeitungen gefeiert wird (und sein Geld mit den großen Hunden am Spieltisch durchbringt) zieht sich Wyatt immer mehr zurück. Seine alten Kumpels sind tot. Seine alte Welt ist durch bargeldlosen Zahlungsverkehr, moderne Sicherheitsmaßnahmen und sinnloss um sich ballernde Amateure den Bach runtergegangen.

Mehr aus Familienfolklore als aus Gier mach Wyatt bei einem schrägen Deal um Gold aus einem Schiffswrack mit. Das dabei Betrüger Betrüger betrügen ist dem Leser früh klar – die Frage bleibt: Wer macht den ersten Fehler.

Den macht Liz Redding und damit wird das Buch dann doch spannend. Denn Wyatt ahnt das es in seine alte Welt kein zurück gibt.

"Peng, peng" sagte er. "Du bist tot", und er hustete Blut und sackte zusammen.
Wyatt sah zu. Er sah, wiue Steer zur Seite kippte, sich ausstreckte, den Rücken krümmte und starb. Er hatte einen Bauchschuss. Das Blut hatte seine Kleidung getänkt und einen großenb Bereich um seine Taille dunkel gefärbt.
Wyatt wunderte sich darüber. Er schrieb es einem glücklichen Treffer durch die Schlafzimmer Tür zu. Er war müde. Er hörte leise Schritte im Gras - vieleicht war es der Wind - und legte sich auf die feuchten, moderigen Blätter, um auf Liz Redding zu warten oder auf den Schlaf, der sein Recht einforderte.

Soundtrack dazu: Distorted Truth – Fallout, was sonst?

6 Bücher in 7 Tagen, eine klasse Geschichte in einem Rutsch gelesen. Zum Glück gehen die Bücher nahtlos ineinander über, das passt ganz wunderbar. Ich bin mal gespannt wann Buch 8 kommt…

PS: Garry Disher über sein Schreiben … auch wenn es über seine „andere“ Serie ist passt es hier doch auch. Kaufen Freunde, kaufen!

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.314

Garry Disher - Rostmond (UT Metro, 2016)
Garry Disher – Rostmond (UT Metro, 2016)

Gelesen: 14. – 15.04.2018, netto 340 Seiten

Immer mal wieder passiert es – ich bekomme die Reihenfolge nicht hin. Leiser Tod ist das Buch das auf Rostmond folgt, aber ich habe es andersrum gelesen. Nevermind, nur ein Teil der Dinge die in Rostmond passieren sind dadurch bekannt und auch nur die, die das Zusammenspiel von Challis und seinen Kolleginnen betrifft.

Rostmond ist vor allem eines:  Eine Anklage. Eine Anklage gegen die mit dem Geld, die mit dem Sagen. Die, die ihre Kinder in teure Internate schicken, die den Lehrern mit Geld sagen was sie zu tun haben und die ihr protzigen Villen mit Meerblick ohne Rücksicht auf die Baugenehmigungen hochziehen. Und das der Kaplan eines dieser Internate übelst verhauen wird müssen Hal und seine Damen da tief einsteigen. Dazu ist die sonnige Halbinsel dann auch noch Ziel von der australischen Version von Spring Break, also hat die Polizei alle Hände voll zu tun.

Wir immer hat Garry Disher ein gutes Auge sowohl auf die Arbeit der Polizei als auch auf die Personen, die die Geschichte tragen. Und er schaft es im vorbeigehen noch eine cooles Déjà-vu unterzubringen. Denn was Männer Frauen antun, das können Frauen auch Männern antun. Und dann wird es lustig!

Einfach schön diese Bücher! Erstklassiges Krimimaterial bei dem das Kopfkino voll zündet.

Soundtrack dazu: The Lipstick Killers, was sonst?

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.313

Garry Disher - Leiser Tod (Unionsverlag, 2018)
Garry Disher – Leiser Tod (Unionsverlag, 2018)

Gelesen: 09. – 13.04.2018, netto 340 Seiten

Garry Dishers „Challis/Destry“ Reihe ist wirklich vom feinsten und kann in Leiser Tod sogar noch ein wenig mehr brillieren: Nicht nur das die alltägliche Arbeit der Polizei mit all ihren Problemen und betriebsbedingten Blindheiten (hier: wie geht eine übermakerte Truppe mit Opfern von Sexualverbrechen um) wird perfekt geschildert sondern auch noch das Wirken einer perfekten Gegenspielerin.

Sag Hallo zu Grace: Ein professionelle Einbrecherin mit einem Problem. Das Problem ist dabei nicht, dass sie einbricht (das macht sie perfekt vorbereitet) oder dass sie erwischt wird (damit kann sie perfekt umgehen) oder aber das sie spielsüchtig ist. Nein, ihr Problem ist das sie ein Niemand, ein Nichts ist. Keine Vergangenheit. Keine Spuren. Aber auch keine Familie und keine Erinnerungen.

Und dann schneiden sich die Linien von Grace und von Detektiv Challis. Und von da an wird das Buch schön mehrspurig und natürlich überkreuzen sie die Spuren auch – aber anders als der Leser denkt. Und am Ende? Da wird es fast schon ein wenig konstruiert (aber keine Sorge – ausreichend spannend).

Wohl das dichteste und vielschichtigste Buch der Reihe, einfach nur gut!

Soundtrack dazu:  La Femme – Give it up, was sonst?