Bücher, schnell gelesen: Teil 1.515

Jon Bassoff – Factory Town (Polar Verlag, 2021)

Gelesen: 12. – 13.04.2021, netto 237 Seiten.

Von Jon Bassoff ist bei Polar schon ein Buch erschienen, nämlich Zerrüttung (2016). Das war ein echtes Horror Buch (Schublade Horror-Noir) und vor allem extrem clever geschrieben: Die gleiche Geschichte, von einer Person, aus 3 Perspektiven.

Factory Town ist das ganze potenziert, keine Ahnung in welcher Potenz. Horror auf Speed? Auf Meth? Im Vorhof zu Hölle?

Das ganze Buch ist eine einzige Verstörung, lediglich im Prolog und Epilog herrschen für wenige Momente Klarheit. Dazwischen aber geht es ohne Stop, ohne Schlaf und ohne Halt in den Irrsinn.

Die Geschichte ist auch hier absolut einzigartig angelegt, erzählt und hat einen dermaßen großen Aha-Effekt das ich ums verrecken nichts verraten möchte. Das sollte jeder selber erlesen und erleben. Aber Vorsicht: Das Buch ist eine echte Qual, das durchhalten fällt schwer. So tief sitzt der Irrsinn. So derbe geht es zu.

Großartig. Und auf den zweiten Blick sogar verfilmbar. Wenn sich nur jemand traut.

Wahnsinn, aber ganz fette Beute. Nur für Hardcore-Connoisseure!

Soundtrack dazu: Factory Minds – Better Days, was sonst?

PS: Jan Bassoff ist garnicht so schräg wie seine Bücher…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.514

Taylor Brown – Maybelline (Polar Verlag, 2021)

Gelesen: 09. – 11.04.2021, netto 392 Seiten.

Die Polar Dark Places Reihe hat was. Mit gekonnter Hand werden Bücher ausgewählt in der die Landschaft, die Örtlichkeiten und das ganze drumherum eine Hauptrolle spielen. So auch in Maybelline, das in den 1950er Jahren im Hochland von North Carolina spielt.

Die Wälder am Berg sind alt, dunkel und voller Geheimnisse. Und Menschen, die vor vielen Jahren auf den Berg gezogen sind. Und ihr Geld mit illegalem Alkohol verdienen.

Taylor Brown schafft mit wenigen Charakteren eine stimmige Szenerie: Rory, der junge Bootleger mit dem getunten Schmuggelauto (Krankenwagenmotor mit Turbolader) und seine Großmutter, die Kräuterhexe vom Berg. Rory hat einen großen Nachteil, er hat in Korea ein Bein verloren und der Job als Alkoholschmuggler ist der einzige den es für ihn gibt.

Schmuggler, irre Priester, korrupte und Bullen die kleine Könige sind. Aber das sind nicht die Starken in diesem Buch (das weniger Krimi sondern Milieustudie ist). Die Starken sind die Frauen: Rorys Mutter, die in einer Irrenanstalt sitzt seit der KKK ihren Freund ermordet hat. Seine Großmutter, die Dinge sieht (und vorhersieht) die alles auf dem Berg umkrempeln.

Und Rorys Freundin, die Tochter des irren Priester, die als starke Frau einen einsamen einbeinigen liebt.

Eine unfassbar stimmige Geschichte, mit ein wenig Crime, in einer tollen Landschaft. Und jede Menge 1952 Feeling. Wow – ganz stark!

Soundtrack dazu: One Man Army – The Bootleggers Son, was sonst?

PS: Was mich dann doch verwundert hat ist das es tatsächlich auch heute noch “dry counties” gibt, in denen der Verkauf von Alkohol weitestgehend verboten ist. Auch in North Carolina.

Map of Dry Counties

PPS: Taylor Brown ist auch ganz nett…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.513

Tom Franklin – Wilderer (Pulp Master, 2020)

Gelesen: 05. – 08.04.2021, netto 237 Seiten.

Und noch einmal ein herrlich positiver Kontrast zu den 2.600 Seiten Natchez: 10 Kurzgeschichten von Tom Franklin, jemand der in seiner Heimat ganz tief verwurzelt ist.

Diese 10 Geschichten sind vor seinen andere Büchern entstanden, es ist aber wohl völlig egal ob ihr zuerst den Gore-Western Smonk oder den Schuld & Sühne Krimi Krumme Type, Krumme Type lest. Wenn dir Joe R. Lansdale oder James Lee Burke gefällt dann sollte die diese etwas derbere Sicht auf eine ganz andere Welt auch gefallen.

Die 10 Geschichten sind kurz, weniger kurz und lang. Es geht um Landschaft, es geht um Jagd und es geht um Gauner. Mein Liebling ist die Story aus dem Kieswerk die hat alles was eine coole Kurzgeschichte braucht. Und ein cooles Ende.

Die Welt von Tom Franklin ist eine Welt voller Vergessener, voller Verlierer und einer Umwelt, die von der Welt vergessen wurde. Am Ende geht es aus meiner Sicht immer um Freiheit und Tom Franklin legt diesen Begriff ehr maximal aus.

Klasse Teaser, ich möchte aber mehr – vollständige Bücher.

Soundtrack dazu: Flagbearer -Southern Hostility, was sonst?

PS: Netter Kerl, der Tom. Aber er will kein Southern Writer sein…