Bücher, schnell gelesen: Teil 1.497

James Ellroy – Jener Sturm (Ullstein, 2020)

Gelesen: 22. – 30.12.2020, netto 959 Seiten

Ein echtes Monster. 900+ Seiten Wahnsinn von Januar bis Mai 1942. Einmal LA, runter zur Baja California und wieder zurück. Einmal Nigger, Japsen, Mexen, Nazis, Priesterschänder und Kommunisten killen. Auf der Suche nach Gold. Auf der Suche nach Erlösung. Auf der Suche nach Liebe. Auf der Suche nach Rache.

Das Buch knüpft direkt an Perfidia an, und die wilde Hatz geht noch schneller und noch überdrehter weiter. Allerdings sind wir auch 5 Jahre weiter und James Ellroy ist inzwischen über 70. Und überdreht. Leider.

Für das Buch hätten auch 450 Seiten gereicht und die ausufernde Geschichte (mit ca. 4 Plots) hätte ein wenig mehr Struktur gebraucht.

Perfidia war ja sehr nah an der historischen Realität, in Jener Sturm benutzt Ellroy zwar jede Menge realer Personen aber lässt diese frei rotieren: Faschisten und Kommunisten treffen sich in Mexiko (nachdem sie sich in den 30ern in Deutschland an der TH Dresden getroffen hatten) und machen einen Deal mit den Mexikanern.

Gold für eine Chance nach dem Krieg, egal wie er ausgeht. Der Golfschatz wurde dabei vor Jahren in den US of A geklaut. Von einem KommunistenNazi. Mit einem schwarzen Helfer. Und … und … und …

Ich hab das Buch verschlungen und in das Ellroy Universum einzutauchen ist schon Klasse, aber hier und in diesem Buch sind Ellroys Jugendphantasien („I want to transport readers back in time and make them live history as intensely as I live it and as intensely as I put it on the page. I want to give readers the gift that was first given to me as a young boy discovering the world, and that gift was the past. „) eine Nummer zu dick auf- und vorgetragen.

Zumal am Ende nichts als zynischer oder auch manischer Nihilismus übrig bleibt. Und den Goldschatz, den gibt es natürlich nicht.

Schade – mal sehen ob der nächste Band des zweiten L.A. Quartetts wieder so schwer im Kopf liegt. Ein Kritiker vergleich dieses Buch mit dem Auge eines Sturm, der sich um sich selbst dreht und in dem nichts wirklich passiert. Das passt irgendwie.

Ich bleibe zwar eine treue Seele als Ellroy Leser aber auf den nächsten Band kann ich mich nicht freuen.

Soundtrack dazu: The Eleminators – Punta Baja, was sonst?

PS: Das US Cover ist ein wenig deutlicher als das Deutsche, das völlig sinnfrei James Ellroy zum Cover Model macht.

James Ellroy – This Storm (Alfred A. Knopf, 2019)

PPS: Und was sagt James?

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