Tag: Ullstein

  • Bücher, schnell gelesen: 1.854

    Bücher, schnell gelesen: 1.854

    Jo Nesbø – Insel der Ratten (Ullstein, 2026)

    Gelesen: 30.08.2026 (netto 197 Seiten)

    Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob.

    Hui, ein kleines Extra von Jo Nesbø. Im Original 2021 erschienen als Teil einer Kurzgeschichtensammlung, in Deutsch als Einzelbuch im Taschenbuchtformart (mit Hardcover).

    Die Story hat nichts mit seinen Krimis zu tun sondern ist mehr eine Reflektion auf die Corona-Zeit: Jo lässt den Virus in den US of A freidrehen, die Gesellschaft zerstören und zeichnet ein durch und durch dystopisches Weltende auf – aber ein sehr realistisches.

    Denn die die Geld haben, retten sich. Die anderen versuchen zu überleben, auf Kosten derer die sich ein wenig weniger wehren können.

    Und aus einer unerfüllten Teenagerliebe wird eine brutale Entführung. Und aus einer Rettung, wird eine brutale Verteidigung.

    Und Solidarität gibt es nicht mehr.

    Genauso wenig wie Gerechtigkeit.

    Wer wie ich aus dem Jo Nesbø Kosmos kommt und diesen liebt, der findet die ganze Story wohl ehr so lala: Hat seine guten Seiten aber ist nicht noir oder pulp genug.

    Als Mahnung an eine Alternative, die an uns vorbeigegangen ist passt es aber schon. Das hätte der Preis der Corona-Leugner sein können!

    Aus meiner Sicht nur was für Sammler (der ich bin).

    Soundtrack dazu: The Hallingtons – Rathead, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.836

    Bücher, schnell gelesen: 1.836

    Cover von „Das Jahr der Schmetterlinge“ von Lea Korsgaard: Die Illustration zeigt eine prächtige Blumenlandschaft mit bunten Schmetterlingen, dominiert von lebhaften Farben und einer fröhlichen, naturverbundenen Atmosphäre.
    Lea Korsgaard – Das Jahr der Schmetterlinge (Ullstein, 2026)

    Gelesen: 23. – 24.05.2026 (netto 313 Seiten)

    Aus dem Dänischen von Kerstin Schöps.

    Da ich grad auf Leseurlaub in Dänemark bin passt dieses Buch natürlich wunderbar. Zumal wir auch im heimischen Garten in Hamburg alles tun, um Insekten, Vögel und Fledermäuse zu versorgen und damit ihren Fortbestand unterstützen.

    Lea Korsgaard ist eine umtriebige und vielseitige Journalistin, seit ein paar Jahren schon treibt sie eine ziemlich einfache (und verrückte) Idee um:

    Sie will alle dänischen, tagaktiven Schmetterlinge innerhalb einer Saison sehen (die Saison erstreckt sich vom Frühling bis in den Herbst).

    Das Ziel ist schnell gesetzt, die Umsetzung erfordert erstmal klare Definitionen: Dänisch? Tagaktiv? Wie geht frau das ganze an?

    Am Ende ganz einfach: Eine Liste muss her. Es gibt ca. 8 Mio Tierarten auf der Erde, davon ca. 180.000 Schmetterlingsarten. Davon sind ca. 18.000 Tagfalter. Und Experten sagen das so ca. 71 als Dänisch gelten können.

    Weniger als 100 sind also zu suchen. Pah, sollte doch einfach sein!

    Ist es natürlich nicht. Denn einige sind selten, andere fast ausgestorben und manche kommen nur an wenigen Tagen an einem einzigen Ort (bzw. Feld) in Dänemark zum ausschwärmen.

    Mit professioneller und semi-professioneller Hilfe schafft sie es dann aber einen Ablaufplan über Zeit und Orte zu erstellen und nach und nach mehr und mehr Schmetterlinge zu entdecken.

    Die Suche nach den Schmetterlingen ist die eine Geschichte im Buch, die andere guckt in alle Ecken der Geschichte, die mit Schmetterlingen in Berührung kommen.

    ( (c) Ullstein 2026)

    Vor allem, weil die Schmetterlinge diese einzigartige Metamorphose vom Engerling zur Verpuppung als Schmetterling hinbekommen.

    Ein ganz wunderbarer Blick auf etwas ganz Greifbares. Lokales. Das wir Menschen mit aller Macht vernichten. Sowas wie Die Letzten Ihrer Art (Douglas Adams) in klein. Und Dänisch.

    Hach, zu schön.

    Soundtrack dazu: White Flag – Butterfly Revolution, was sonst?

    PS: Sommerfugle, jeg fuckin’ elsker dig!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.819

    Bücher, schnell gelesen: 1.819

    Jo Nesbø – Minnesota (Ullstein, 2025)

    Gelesen: 28.02. – 07.03.2026 (netto 400 Seiten)

    Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob.

    Jo kehrt sowohl Harry Hole als auch den Brüdern Opgard den Rücken und legt seine neue Figur in Minnesota an. Der Staat in den US of A der zu über 50% Deutsche, Norwegische oder Schwedische Wurzeln hat.

    Sein neuer Antiheld Bob Oss (oder kurz Oz) ist ebenso elegant wie Harry Hole: ein Einzelgänger, aggressiv, trinkend im Dienst, emotional verwahrlost, ein Mann, der Frauen nur für One-Night-Stands duldet. Ein offensichtliches Wrack und gerade deshalb perfekt.

    Oz ist voller Wut und deshalb meist ohne Waffe unterwegs – er kann nicht garantieren das er nicht durchdreht. Einfacher Grund: Seine kleine Tochter hat sich beim Spielen mit seiner Dienstwaffe selbst erschossen.

    Seine Frau hat sich daraufhin von ihm getrennt – erst emotional, dann physisch. Im Morddezernat darf er noch zuarbeiten, einen Fall bekommt er nicht mehr.

    Aber durch Zufall fällt ihm eine solcher Fall in die Hände, ohne eigentlich Auftrag ermittelt er neben den anderen Kollegen weiter. Und erkennt Muster, die diese nicht sehen (da er seine Erkenntnisse nicht teilt).

    Im Verlauf gibt es kaltblütige Morde, korrupte Polizisten und einen Kartellkiller, der wie ein Geist verschwinden kann. Und Oz, der einfach nur eine Lösung (und Erlösung) erhofft.

    Und immer wieder in die Patsche tappt:

    ( (c) Ullstein Verlag, 2025)

    Die Story ist eine kurzweilige Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Trauer, vorangetrieben von einer raffinierten Handlung und ziemlich leckeren Schockmomenten.

    Skinwalker anyone?

    Jo Nesbø überrascht mich mit diesem Buch tatsächlich, es hat mehr Speed als die Harry Hole Bücher. Ohne Tiefgang und Heftigkeit zu verlieren.

    Warum allerdings eine Norwegische Klammer drum gepackt wird (Anfang, Ende) verstehe ich nicht wirklich. Aber vielleicht wird das ja noch aufgelöst.

    Gerne mehr, von Jo sowieso immer.

    Soundtrack dazu: Man or Atstro-man – Taxidermist Surf, was sonst?