
Gelesen: 21. – 23.05.2026 (netto 279 Seiten)
Deutsch von Else Laudan.
Das ist spannend. Denise Mina schreibt absolut unterhaltsame Krimis, die mich mehr (und auch mal weniger) überzeugt haben. Und kommt dann mit einen Philip Marlowe Krimi aus dem L.A. der 1930er Jahre um die Ecke.
Ja, ein echter Chandler sozusagen bzw. ein vom Raymond Chandler Estate autorisierter Roman. Und Raymond Chandler war Ende der 1980er auch der erste Krimi Autor den ich gezielt nach und nach komplett gekauft habe (die gelben Taschenbücher von Diogenes). Und der neben James Ellroy meine Liebe zu Krimis aus L.A. zementiert hat.
Die Diogenes Taschenbücher sind im Rahmen einer meiner vielen Umzüge aus Platzgründen verschenkt worden, die Liebe für Chandler und den Sound von L.A. habe ich behalten.
Insofern konnte ich das Buch nicht ignorieren – Verlag, Autorin, Idee – alles passt.
Und, was soll ich groß schreiben, das Buch ist schlicht und einfach gelungen.
Marlowe hat gerade einen Fall abgeschlossen, fragt sich jedoch, ob er dabei falschgelegen hat: Es ging um den Tod eines Charakterdarstellers aus Westernfilmen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.
Er hat jedoch keine Zeit, darüber nachzugrübeln, denn ein älterer Herr zitiert Marlowe auf ein herrschaftliches Anwesen, um ihn zu engagieren. Marlowe hat eigentlich keine Lust auf den Job, doch Mr. Montgomery will, dass er seine Tochter aufspürt. Denn Mr. Montgomery ist ein sehr wichtiger Mann aus einer sehr alten und wichtigen Familie.
Marlow kann ihn überhaupt nicht leiden. Er ist ein verbittertes Monster, das seine eigene Familie misshandelt. Dennoch nimmt Marlowe den Auftrag an. Er findet die Tochter – Chrissie – auch recht schnell. Dabei stößt er jedoch auf Anne Riordan, eine Figur aus Chandlers Marlowe Kosmos, die Denise Mina hier zu einer eigenständigen Privatdetektivin gemacht hat.
Irgendetwas stimmt an der ganzen Story und dem Verschwinden der Tochter nicht.
Marlowe und Riordan erkennen bald, dass sie gegeneinander arbeiten – und dass selbst die Polizei hinters Licht geführt wird. Obwohl ihre jeweiligen Aufträge im Widerspruch zueinander stehen, bewegen sich die beiden bald auf einem schmalen Grat zwischen der Erfüllung ihrer Pflichten und dem Schutz von Chrissie, die ihrerseits einige Geheimnisse hütet.
Denis Mina schreibt ganz im Stil der damaligen Zeit und voll aus der Perspektive des Jahres 1938. Sie konzentriert sich dabei auf die Rhythmus eines Hollywoods, das krampfhaft versucht, so zu tun, als sei Hitler (und was in Europa passiert) das Problem von irgendjemand anderem.
Dito die Skid Row in L.A., die schon in den 1930er Jahren ein einziges Elend war.
Cooles Buch, coole Idee, coole Umsetzung. Chapeau!
Soundtrack dazu: Murderer’s Row – We want more beer, was sonst?
PS: Und Denise so?

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