Bücher, schnell gelesen: Teil 1.438

Denise Mina - Klare Sache (Ariadne, 2019)
Denise Mina – Klare Sache (Ariadne, 2019)

Gelesen: 09. – 18.03.2020, netto 339 Seiten.

Klasse. Eine Heldin auf einer hard-boiled Reise sowohl durch die Realität (Glasgow, London, Vendig, Mailand, Paris …), durch die Welt der Podcasts als auch auf der Reise durch das eigene Ich.

Und der ganze einmal Rückwärts macht die Sache so spannend (und so clever): Erst zum Ende erfährt der Leser wer eigentlich was ist. Und warum. Erst durch den Podcast, in den die Heldin vernarrt ist, erfahren wir Geheimnisse, die es zu knacken gilt. Und erst durch das „Ich“ erfahren wir, warum die Heldin hard-boiled ist.

Und das ganze dann als Road-Movie mit zwei durchgeknallten Anti-Helden, als Slaptstick Online Detektiv-Drama. Eine wirklich großartige Atmosphäre gelingt Denise Mina hier, ich verrate einfach mal nicht den wirklichen Trick dazu, der ist in jedem Fall gelungen.

Ein wirklich gelungenes Buch, mit jede Menge Spannung, Cliff-Hängern von Kapitel zu Kapitel und Geheimnissen, die auch ein erfahrener Krimi-Leser nicht immer richtig löst.

Eine echte Überraschung!

Soundtrack dazu: Tiger Tails – Words Without Conviction, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.438

Sarah Schulman - Trüb (Ariadne Verlag, 2019)
Sarah Schulman – Trüb (Ariadne Verlag, 2019)

Gelesen: 04. – 08.03.2020, netto 254 Seiten.

Perfekter erster Satz für ein Buch in New York: „Alle waren komplett verwirrt, denn der Präsident war ein Irrer.“ Ex-Cop Maggie Terry ist genauso verwirrt: Nach 30 Jahren downhill auf Überholspur (Alkohol, Drogen) ist sie nach einer 18 monatigen Reha clean und kann weder etwas mit dem Tag, noch mit dem Leben, noch mit NYC anfangen.

Sie hockt in einer leeren Wohnung und muss einen neuen Job als Ermittlerin für einen Anwalt anfangen. Durch die beinharten 5 ersten Tage verfolgt Sarah Schulman Maggie und der Leser erlebt die gnadenlose Sezierung einer geschunden Seele. Wo andere Krimis hard-boiled zwischen den Menschen sind ist dieser hard-boiled in Maggies Seele.

Beinhart. Sie vermisst ihr Kind, ihre große Liebe, ihren Status als Cop, ihren Kollegen (der wohl ums Leben gekommen weil sie mal wieder dicht war) und sie hat keine Ahnung wie sie nüchtern mit New York und ihrem Job umgehen soll. Hilflos stolpert sie von AA zu AA Meeting um über den Tag zu kommen.

Am Ende knackt sie ihren ersten Fall, aber nur weil sie aufgibt Opfer (von zB Gentrifizierung oder auch Neoliberalismus) zu sein sondern endlich wieder selbst Verantwortung übernimmt. Drogen und Alkohol gibt es nicht mehr und damit kann die Verantwortung nicht mehr weitergeschoben werden.

Ein großartiger Roman mit viel Herz (für Maggie) und endlos viel … Trostlosigkeit. Welcome to NYC, dry. Ach ja, Liebe gibt es auch nicht.

Klasse Buch!

Soundtrack dazu: New York Rel-X – Sorrow is a prison, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.415

Liza Cody - Ballade einer vergessenen Toten (Ariadne Krimi / Argument Verlag, 2019)
Liza Cody – Ballade einer vergessenen Toten (Ariadne Krimi / Argument Verlag, 2019)

Gelesen: 13. – 23.09.2019, netto 398 Seiten

Dieses Buch schließt nicht an die „Lady Bag“ Bücher mit der obdachlosen Angela May Sutherland an sonder gehört inhaltlich ehr in die Nachfolge von „Gimme More“ (2004 bei UT Metro erschienen). 

Liza Cody war in ihrer Jugend als Roadie „für eine der schlechtesten Rockbands Londons“ unterwegs. Sie kennt daher das Musikgenre ebenso gut wie Crime und Detective. Ging es bei „Gimme More“ noch um die 60er ist die vergessene Tote eine Kind der 80er.

Elly Astoria war ein Phänomen, körperlich klein und ohne jedes Aussehen aber mit der Fähigkeit des absoluten Gehörs. Und der Fähigkeit Melodien zu schreiben die jedem unter die Haut gehen. Bis sie eines Tages brutal abgeschlachtet wird. Ihre Band SisterHood (die ohne sie niemals Erfolg hatte) trennt sich danach und alles verschwindet im Nebel der Geschichte.

Bis Amy, eine Schriftstellerin am Ende (sucht euch was aus: Beziehung, Karriere – alles passt) und auf der Suche nach einem Rettungsanker. Dieser Rettungsanker wird die Biografie von Elly Astoria. Und da der Mord an ihr nie aufgeklärt wurde wird das ganze sowohl Biografie als auch Detektiv Story.

Beides ist im Prinzip ja das Gleiche: Wahrheitsfindung. Die Biografie muss allerdings nicht gerichtsfest sein.

Und so stolpert Amy durch eine Geschichte voller Stars (die alle von Ellys Songs profitierten), voller Manager (die alle von Ellys Geld profitierten), voller Musiker (die alle von Elly profitierten) und findet … nichts was Elly ausmacht. Und am Ende findet sie dann noch die Geschichte hinter der Geschichte.

Wo John Niven das Musikgeschäft mit maskuliner Härte auseinander nimmt macht das Liza Cody mit weiblicher Fiesheit. Beides passt, dieses Buch ist sogar noch besser! Und wo immer Frauen streiten – da ist keine Liebe mehr…

Soundtrack dazu: The Raincoats – Life On The Line, was sonst?

PS: „Gimme More“ steht natürlich auch in meinem Regal.

Liza Cody - Gimme More (UT Metro, 2004)
Liza Cody – Gimme More (UT Metro, 2004)