Bücher, schnell gelesen: Teil 1.493

Marcie Rendon – Stadt Land Raub (Argument Verlag, 2020)

Gelesen: 07. – 12.12.2020, netto 218 Seiten

Das Buch ist eine perfekte Ergänzung zu Éric Plamondon und Grey Owl und ist ein echter Krimi, der in dem gleichen Kontext spielt: North American Natives (in den US of A und in Kanada), ihre Unterdrückung, ihre Verschleppung (in Pflegefamilien) und ihr Verschwinden.

Verschwinden? In Kanada sind 2019 ca. 4.000 indianische Frauen verschwunden oder ermordet worden, in den US of A wird die Zahl auf ca. 3.000 geschätzt. Der Backdrop ist also real auch wenn das Buch in den 1970ern spielt.

Cash ist eine junge Indianerin, clever und passionierte Poolspielerin und Biertrinkerin. Sie ist so klug, das sie sich von bestimmten Collegekursen freitesten kann. Das gibt ihr Zeit für einen Nebenjob (Truckfahrer) und zum Pool spielen.

Und sie hat offene Ohren und offene Augen und als ein Mädchen aus ihrem Kurs verschwindet ist es ihr nicht egal. Zumal der lokale Sheriff um ihre Hilfe bittet.

Das Buch ist dabei nicht auf eine Linie festgelegt: Mal ist es wie angekündigt hard-boiled, mal ist es Roadmovie.

Die Bösen? Der weiße Man. Wer rettet die Mädchen? Cash.

Für mich nicht immer hart genug aber trotzdem ausreichend spannend. Und bestätigt im Kontext letztendlich nur wie chauvinistisch und widerlich die Weißen mit den Natives umgegangen sind und immer noch umgehen.

Soundtrack dazu: Moss Icon – Kiss The Girls And Make Them Die, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.490

Denise Mina – Götter Und Tiere (Ariadne, 2020)

Gelesen: 19. – 26.11.2020, netto 339 Seiten

Ein weiteres tolles Buch rund um Detective Sergeant Alex Morrow. Diesmal geht es sehr viel weniger um die Polizistin sondern mehr um einen Labour Politiker:

Kenny Gallagher ist dabei ein bürgerlicher der es aber irgendwie geschafft hat Street Credibility zu erreichen. Was keiner ahnt ist das er Sexsüchtig ist. Und deswegen korrumpierbar.

Was auch keiner ahnt, ist das ein alter Gefährte aus den 70ern, sich bei einem Postfilialenüberfall erschießen lässt. Und seinen Enkel einem etwas anderem Typen übergibt.

Und ganz unterschiedliche Dinge, ganz unterschiedliche Leben werden von Denise Mina sowas von geschickt miteinander verwoben und mit einem wunderbar dreckigem Glasgow vereint. Wenig Hoffnung, viel Korruption und ganz wenig Hoffnung.

Und am Ende gibt es keine Auflösung, keine Erlösung sondern es muss ein reiches Amibürschchen um die Ecke kommen das sein Geld nicht haben will um Überlebende zu retten. Aus der Ecke der Einheimischen kommt … nix. Nur noch mehr interner Streit. Den am Ende ist alles Familie. Und so richtig mies geht es innerhalb der Familien zu.

Großes Kino, große Sprache – perfektes Kopfkino!

Soundtrack dazu: Knock Off – Sex Doll Fantasy, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.454

Sara Paretsky – Altlasten (Ariadne Krimi, 2020)

Gelesen: 01. – 08.06.2020, netto 521 Seiten

Sara Paretsky hat es sich ja zur Lebensaufgabe gemacht das Krimi-Genre mit starken Frauen ein wenig aus der Macho-Ecke rauszuholen.

Ihre Detektivin V.I. (Vic) Warshawski ist in diesem Buch fast auf einer autobiographischen Spur unterwegs: Paretsky hat in Kansas gelebt und Ideengeber für das Buch war ein Erlebnis ihres Vaters, der an der Universität von Kansas als Zellbiologe lehrte.

Gemischt ist das ganze mit echten Begebenheiten rund um die Silos der amerikanischen Interkontinentalraketen, die heute weitestgehend aufgegeben sind und zum Teil einer nicht militärischen Nutzung überlassen wurden.

Vic hat eigentlich einen kleinen Auftrag in Chicago, nämlich einen verschwundenen jungen schwarzen Filmemacher zu suchen. Daraus entwickelt sich ein spannende Suche im ländlichen Kansas. Vic macht dabei nichts anderes als die Augen aufzuhalten und hinzugucken, wo die locals weggucken.

Das bringt ihr vor allem Konflikte mit der lokalen Polizei, da ihr hingucken sowohl Tote als auch beinahe-Tote an die Oberfläche spült. Und das sind Frauen, für die sich so richtig keiner Interessiert. Für Vic und ihre Nachforschungen interessieren sich allerdings jede Menge Männer – Army, Air Force, Homeland Security, Sheriff, die Seuchenbehörde… alle haben offensichtlich vor allem ein Interesse daran etwas unter Kontrolle zu halten.

Und da sie weiter hinguckt und in der Vergangenheit kramt, wird für sie ein viel größeres Bild deutlich. Der Prozess wie dieses Bild geschärft wird ist die Stärke des Buches – auch für einen versierten Krimi Leser gibt keine klare Antwort was hier eigentlich passiert. Bis es dann passiert.

Sympatische Figuren, detailtreues Leben und ganz viel Lokalkolorit (und Amerikanische Geschichte) verpackt in einen spannenden Roman. Und mit einer sehr realistischen Darstellung der amerikanischen Art Rassentrennung zu betreiben. Da draußen, im Mittleren Westen. Da, wo auch amerikanische Patrioten freidrehen.

Perfekt.

Soundtrack dazu: Nicht “Kansas City” sondern The Mortal Micronotz – They’ve Got It All, was sonst?