Tag: Denise Mina

  • Bücher, schnell gelesen: 1.835

    Bücher, schnell gelesen: 1.835

    Denise Mina – Die große Hitze (Ariadne Krimi, 2026)

    Gelesen: 21. – 23.05.2026 (netto 279 Seiten)

    Deutsch von Else Laudan.

    Das ist spannend. Denise Mina schreibt absolut unterhaltsame Krimis, die mich mehr (und auch mal weniger) überzeugt haben. Und kommt dann mit einen Philip Marlowe Krimi aus dem L.A. der 1930er Jahre um die Ecke.

    Ja, ein echter Chandler sozusagen bzw. ein vom Raymond Chandler Estate autorisierter Roman. Und Raymond Chandler war Ende der 1980er auch der erste Krimi Autor den ich gezielt nach und nach komplett gekauft habe (die gelben Taschenbücher von Diogenes). Und der neben James Ellroy meine Liebe zu Krimis aus L.A. zementiert hat.

    Die Diogenes Taschenbücher sind im Rahmen einer meiner vielen Umzüge aus Platzgründen verschenkt worden, die Liebe für Chandler und den Sound von L.A. habe ich behalten.

    Insofern konnte ich das Buch nicht ignorieren – Verlag, Autorin, Idee – alles passt.

    Und, was soll ich groß schreiben, das Buch ist schlicht und einfach gelungen.

    Marlowe hat gerade einen Fall abgeschlossen, fragt sich jedoch, ob er dabei falschgelegen hat: Es ging um den Tod eines Charakterdarstellers aus Westernfilmen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.

    Er hat jedoch keine Zeit, darüber nachzugrübeln, denn ein älterer Herr zitiert Marlowe auf ein herrschaftliches Anwesen, um ihn zu engagieren. Marlowe hat eigentlich keine Lust auf den Job, doch Mr. Montgomery will, dass er seine Tochter aufspürt. Denn Mr. Montgomery ist ein sehr wichtiger Mann aus einer sehr alten und wichtigen Familie.

    Marlow kann ihn überhaupt nicht leiden. Er ist ein verbittertes Monster, das seine eigene Familie misshandelt. Dennoch nimmt Marlowe den Auftrag an. Er findet die Tochter – Chrissie – auch recht schnell. Dabei stößt er jedoch auf Anne Riordan, eine Figur aus Chandlers Marlowe Kosmos, die Denise Mina hier zu einer eigenständigen Privatdetektivin gemacht hat.

    Irgendetwas stimmt an der ganzen Story und dem Verschwinden der Tochter nicht.

    Marlowe und Riordan erkennen bald, dass sie gegeneinander arbeiten – und dass selbst die Polizei hinters Licht geführt wird. Obwohl ihre jeweiligen Aufträge im Widerspruch zueinander stehen, bewegen sich die beiden bald auf einem schmalen Grat zwischen der Erfüllung ihrer Pflichten und dem Schutz von Chrissie, die ihrerseits einige Geheimnisse hütet.

    Denis Mina schreibt ganz im Stil der damaligen Zeit und voll aus der Perspektive des Jahres 1938. Sie konzentriert sich dabei auf die Rhythmus eines Hollywoods, das krampfhaft versucht, so zu tun, als sei Hitler (und was in Europa passiert) das Problem von irgendjemand anderem.

    Dito die Skid Row in L.A., die schon in den 1930er Jahren ein einziges Elend war.

    Cooles Buch, coole Idee, coole Umsetzung. Chapeau!

    Soundtrack dazu: Murderer’s Row – We want more beer, was sonst?

    PS: Und Denise so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.690

    Bücher, schnell gelesen: 1.690

    Denise Mina – Fester Glaube (Argument Verlag, 2023)

    Gelesen: 08. – 14.03.2024 (netto 290 Seiten)

    Deutsch von Karen Gerwig.

    Die Fortsetzung von Klare Sache (und im Universum von Denise Mina ist das die “C” Serie: Conviction (Klare Sache) gefolgt von Confidence (Fester Glaube)) und wieder mit dem Backdrop “Podcast”, insofern ein ziemlich modernes Buch.

    Während Anna mit ihrem Sidekick in Klare Sache ein wenig Slapstick-Anti-Helden waren ist der Road Movie Backdrop in Fester Glaube weniger Slapstick, mehr Wahrheitssuche. Und eben Glaube, fester Glaube.

    Anna flieht aus einem verkackten Familienurlaub in eine temporeiche Suche nach einer verschollenen You Tuberin aus North Berwick (of all places). Lisa Lee ist eine erfolglose Influenzerin die sich in Frankreich als Urban Explorer (aka Videos über das eigene rumstolpern in Lost Places zu drehen) versucht hat. Und irgendwas in einem verlassenen Chateau entdeckt hat. Und … verschwunden ist.

    Die Story hat was für Anna und daher machen sie und Fin sich im Rahmen ihres True-Crime Podcasts auf die Suche. Und ab da wird das ganze dann fast schon eine Parodie auf Dan Brown und Umberto Eco. Plus eine ordentliche Portion Geschichte (Kirche hinter dem Eisernen Vorhang sowie der Gardner Museum heist).

    Plus ordentliches Essen:

    ( (c) Argument Verlag 2023)

    Das allerdings gibt es nur weil Anna und Fin einen Süd-Afrikanischen Millionär als Gönner gefunden haben, der sie mit Privatjet und Helikopter auf Tempo hält. Und auch auf der Suche nach Lisa Lee (bzw. dem was sie in dem Chatau gefunden hat.

    Und dieser Teil der Story ist dann doch zu konstruiert und nimmt den anderen Geschichten (Pfaffen, Boston, Mafia, Vatikan) den Raum sich zu entfalten. Ich habe fast das Gefühl das Denise Mina hier den Aufmerksamkeitsstil der heutigen Zeit imitiert: Kurz anlesen, weiterklicken.

    Im Grunde ist das Buch ein Spiegel dafür: Eine Zeit, in der niemand etwas wissen muss, außer wo und wie er fast sofort alles herausfinden kann, was er wissen möchte.

    Letztendlich eine Zeit in der man nie allein ist, nie unter dem Radar fliegen will (und kann). Und in der Nachrichten aufgeblasen werden um zählbaren Kontent zu generieren und Schlagzeilen so schnell wie möglich online gehen müssen – aus gleichem Grund.

    Clickbait.

    Und deswegen ist die Auflösung am Ende mehr eine ausgestreckte Zunge für diese Zeit als die Lösung eines Thrillers. Und lässt den Leser dann doch etwas enttäuscht und mit einem Fragezeichen zurück.

    Was war noch die Story?

    Soundtrack dazu: Steakknife – Total Lack Of Confidence, was sonst?

    PS: Ich müsste mir mal das englische Original angucken, aber ich vermute mal ins Blaue hinein das hier mal wieder eine gute Idee der Autorin ins Deutsche verkackt wurde. Ich bin bei solchen Dingen echt anal!

    Los geht es:

    ( (c) Argument Verlag 2023)

     Denise Mina hat also eine Idee, und zwar auf dieser Seite:

    ( (c) Argument Verlag 2023)

    Damit sollte das Buch dann auf Seite 226+70=296 enden, oder? Nein, es endet auf dieser Seite:

    ( (c) Argument Verlag 2023)

    In meiner Welt gibt es da nur eine Meinung: Verkackt!

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.572

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.572

    Denise Mina – Totstück (Ariadne, 2021)

    Gelesen: 10. – 19.02.2022, netto 308 Seiten

    Es sind “nur” 308 Seiten zu lesen aber dieses Buch ist schwer wie Blei und gefühlt sind es 500 Seiten. Und das liegt in erste Linie daran, das die Story Gewicht hat.

    Und das nicht nur weil sie geschickt mit Klassenunterschieden spielt sondernm weil es – stark destiliert – eine weibliche hard-boiled Story ist.

    Margo ist Ärztin in Glasgow, hat viel gesehen und erlebt. Aber irgendwas fehlt und dafür such sie ihre leiblichen Eltern. Und stolpert in eine schmutzige Geschichte und einen Serienmörder. Und lernt so ihre Familie kennen.

    Und ab da biegt Denise Mina aber sowas von elegant vom vorhersehbaren Krimi ab: Margo entpuppt sich als weniger stark als sie dachte, ihre Mutter entpuppt sich als Teenie-Junkie Hure, die abgeschlachtet wurde und ihre Tante als Ex-Junkie, der Rache will. Und das alles vor dem Hintergrund einer festgefügten männlichen Sicht von Öffentlichkeit, Polizei und Presse auf tote Nutten (die niemanden interessierten – so lange sie aus der Gosse kamen).

    Glasgow in den 80ern, mal wieder ganz unten: Heroin, Mord – das volle Programme.

    Margo versucht über Wasser zu bleiben, versucht das richtige nach den gültigen Verhaltensweisen zu machen, nur um immer wieder zu verlieren. Dem Rollenbild entsprechend. In quasi Echtzeit rast die Geschichte auf ihr Ende zu …

    … um dieses dann mit einem schönen hard-boiled Knall zu setzen.

    Eine großartige Geschichte, schwer und mit viel Spannung – vor allem wegen dem fast dauerhaften Scheitern von Margo.

    Soundtrack dazu: Panic – Her Family’s On Drugs, was sonst?

    PS: Und Denise Mina so?

    Und Glasgow in den 80ern?

    https://www.youtube.com/watch?v=QDQWz2WYqJM