Bücher, schnell gelesen: Teil 1.579

Nicole Galland – Master Of The Revels (William Morrow, 2021)

Gelesen: 11. – 18.04.2022 (netto 543 Seiten, in Englisch gelesen, noch nicht in Deutsch erschienen)

Die Fortsetzung von The Rise and Fall of D.O.D.O., was ja eine Gemeinschaftsarbeit von Neal Stephenson und Nicole Galland war – die logische (und inhaltliche) Fortsetzung hat Nicole Galland alleine fertiggestellt.

Wie im ersten Band besticht die Geschichte auch durch die Darreichungsform: Handschriftliche Notizen, Chats, Dokumente, Waxtafeln … alle Kommunikationsformen die über alle Jahrtausende genutzt wurden finden sich hier wieder.

Inhaltlich gibt es nichts neues (die Hexe Gráinne versucht die Vergangenheit so zu ändern das die Magie – und damit die Macht der Hexen – niemals ausstirbt). Und da sie sich das Ohr (sowie Verstand und Resourcen) des Chefs von D.O.D.O. (Department Of Diachronic Operations) gesichert hat ist sie gut dabei. Ihr Ziel ist es alles zu verhindern was zu technischem Fortschritt führt, am besten Jahrhunderte im vorraus.

Die eigentlichen Helden aus The Rise and Fall of D.O.D.O. sind inzwischen outcasts, die von den Fuggern finanziert versuchen dieses zu verhindern. Wo der erste Band noch sehr weit war (und dank Neal auch sehr technisch), konzentriert sich Nicole Galland hier auf 3 Geschichten: Die Hauptgeschichte spielt im London von 1606, wo Gráinne versucht einen echten Zauberspruch in Shakespeare’s Mcbeth unterzubringen.

Double, double, toil and trouble;

Fire burn and cauldron bubble.

http://www.shakespeare-online.com/plays/witcheschants.html

Der Kampf um diese Zeilen dient dabei als Hintergrund um ziemlich tief in die Gesichte rund um Shakespeare und die Erstaufführung einzusteigen. Nicole Galland ist eine Shakespeare Expertin und kann hier aus dem vollen greifen: Da der genaue Zeitpunkt der Entstehung und der Veröffentlichung des von Mcbeth unbekannt ist und erst 1623 eine gedruckte Fassung entstanden ist bleibt viel Raum für viele alternative Realitäten (oder in D.O.D.O. slang “strands“).

Neben dem London von 1606 spielt die Geschichte dann noch im Florenz der Renaissance und im Sizilien zur Zeit des römischen Imperiums.

Alle drei Schauplätze kreiert Nicole Galland dabei extrem realistisch, das Verhalten der Menschen und ihre “normales” Leben sind ihr dabei sehr wichtig – und das bekommt sie auch gut hin.

Dazu der ungleiche Kampf zwischen zwei Protagonisten, die zu unterschiedlichen Zeiten agieren (quasi auf zeitliche Distanz) und quasi nur indirekt aufeinandertreffen.

Da ich Neal Stephenson für seinen technischen Ideen und Details schätze fehlt mir dieser Teil hier. Auch dürfte dieses Buch ohne Vorkenntnis des ersten Bandes nicht zu richtig Spass machen. Aber wer sich auf beide Bände einlässt bekommt ein echtes Lesevergnügen.

Und lernt was.

Soundtrack dazu: Theatre – Anytime At All, was sonst?

PS: Und Nicole Galland so?

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