Bücher, schnell gelesen: Teil 1.592

Neal Stephenson – Termination Shock (William Morrow, 2021)

Gelesen: 05. – 19.06.2022 (netto 705 Seiten, inEnglisch gelesen, noch nicht in Deutsch erschienen)

Ich bin ja ein großer Neal Stephenson Fan und versuche alle seine Bücher direkt nach erscheinen aus den US of A zu bekommen, idealerweise #bookcollectorsarepretentiousarseholes als signed edition.

Insofern war es ein schlechtes Omen das a) dieses Buch lange geliefert wurde und b) eine signierte Ausgabe außerhalb der US of A einfach nicht zu bestellen war.

Irgendwas passte hier nicht. Und das sollte sich auch beim Lesen fortsetzen: Das Buch ist weder Fisch noch Fleisch, da es weder eine große und/oder überraschende Geschichte erzählt noch eine technisch spannende Sache durchkaut. Im besten Fall ist es eine leidlich spannende Geschichte, im schlechtesten Fall ist es eine schräge Proklamation nicht auf die Regierungen zu vertrauen wenn es um Global Warming und seine negativen Effekte geht.

Das Buch spielt in einer nicht mehr so fernen Zukunft wo der Treibhauseffekt bereits voll zugeschlagen hat und in bestimmten Ecken der Erde es zu heiß ist, Stürme die Menschen bedrohen und der Anstieg des Meeresspiegels zum Beispiel die Niederlande extrem bedroht.

Und hier nimmt ein Cowboy aus Texas, Reich ohne Ende, das Heft einfach in die Hand: Mit einer Schwefelkanone ballert er Schwefel in die Stratosphäre, wo es Sonnenlicht reflektiert und so die Erde abkühlt. Und was manchen hilft (Texas, NL, Venedig u.a.) macht andere wütend – im Punjab bleibt der Monsum aus.

Ein paar schöne Details (Komantschen und ihre Art Krieg zu führen, Adler als Drohnenjäger, das Royal aus Royal Dutch oder auch Youtube/TikTok Heldentum), ein paar gute Ideen (China zündet eine Tsunami-Bombe vor der Niederländischen Küste um das Land auf Kurs Geoengineering zu bringen) und ein paar Einblicke in die Kunst der internationalen Politik.

Aber irgendwie macht mein Kopfkino nie Klick. Schade.

Eines seiner schwächeren Bücher, im Internet (damn Internet, never forgets) habe ich Mutmaßungen gelesen das es eventuell ein Folgebuch gibt. Das muss dann aber irgendwie Gas geben, sonst bleibt das irgendwie halbgar.

Soundtrack dazu: Giant Eagles – Put One In The Chamber, was sonst?

PS: An einer Stelle hat Neal sicher recht – wenn wir uns darauf verlassen das die Nationalstaaten dieses Problem lösen dann werden wir uns noch sehr wundern. Der Kampf um Bodenschätze, um Lebensmittel und um Wasser hat bereits begonnen – von denen kümmert sich keiner um den ganzen Planeten. Keiner.

PPS: Und Neal?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.579

Nicole Galland – Master Of The Revels (William Morrow, 2021)

Gelesen: 11. – 18.04.2022 (netto 543 Seiten, in Englisch gelesen, noch nicht in Deutsch erschienen)

Die Fortsetzung von The Rise and Fall of D.O.D.O., was ja eine Gemeinschaftsarbeit von Neal Stephenson und Nicole Galland war – die logische (und inhaltliche) Fortsetzung hat Nicole Galland alleine fertiggestellt.

Wie im ersten Band besticht die Geschichte auch durch die Darreichungsform: Handschriftliche Notizen, Chats, Dokumente, Waxtafeln … alle Kommunikationsformen die über alle Jahrtausende genutzt wurden finden sich hier wieder.

Inhaltlich gibt es nichts neues (die Hexe Gráinne versucht die Vergangenheit so zu ändern das die Magie – und damit die Macht der Hexen – niemals ausstirbt). Und da sie sich das Ohr (sowie Verstand und Resourcen) des Chefs von D.O.D.O. (Department Of Diachronic Operations) gesichert hat ist sie gut dabei. Ihr Ziel ist es alles zu verhindern was zu technischem Fortschritt führt, am besten Jahrhunderte im vorraus.

Die eigentlichen Helden aus The Rise and Fall of D.O.D.O. sind inzwischen outcasts, die von den Fuggern finanziert versuchen dieses zu verhindern. Wo der erste Band noch sehr weit war (und dank Neal auch sehr technisch), konzentriert sich Nicole Galland hier auf 3 Geschichten: Die Hauptgeschichte spielt im London von 1606, wo Gráinne versucht einen echten Zauberspruch in Shakespeare’s Mcbeth unterzubringen.

Double, double, toil and trouble;

Fire burn and cauldron bubble.

http://www.shakespeare-online.com/plays/witcheschants.html

Der Kampf um diese Zeilen dient dabei als Hintergrund um ziemlich tief in die Gesichte rund um Shakespeare und die Erstaufführung einzusteigen. Nicole Galland ist eine Shakespeare Expertin und kann hier aus dem vollen greifen: Da der genaue Zeitpunkt der Entstehung und der Veröffentlichung des von Mcbeth unbekannt ist und erst 1623 eine gedruckte Fassung entstanden ist bleibt viel Raum für viele alternative Realitäten (oder in D.O.D.O. slang “strands“).

Neben dem London von 1606 spielt die Geschichte dann noch im Florenz der Renaissance und im Sizilien zur Zeit des römischen Imperiums.

Alle drei Schauplätze kreiert Nicole Galland dabei extrem realistisch, das Verhalten der Menschen und ihre “normales” Leben sind ihr dabei sehr wichtig – und das bekommt sie auch gut hin.

Dazu der ungleiche Kampf zwischen zwei Protagonisten, die zu unterschiedlichen Zeiten agieren (quasi auf zeitliche Distanz) und quasi nur indirekt aufeinandertreffen.

Da ich Neal Stephenson für seinen technischen Ideen und Details schätze fehlt mir dieser Teil hier. Auch dürfte dieses Buch ohne Vorkenntnis des ersten Bandes nicht zu richtig Spass machen. Aber wer sich auf beide Bände einlässt bekommt ein echtes Lesevergnügen.

Und lernt was.

Soundtrack dazu: Theatre – Anytime At All, was sonst?

PS: Und Nicole Galland so?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.407

Neal Stephenson - Fall; or, Dodge in Hell (William Morrow, 2019)
Neal Stephenson – Fall; or, Dodge in Hell (William Morrow, 2019)

Gelesen: 27.08. – 04.09.2019, 878 Seiten (in Englisch gelesen, noch nicht in Deutsch erschienen).

#bookcollectorsarepretentiousarseholes

Das Buch habe ich mir als Sonderausgabe vorbestellt, handsigniert vom Meister. Und damit hatte ich das rechtzeitig zum Erscheinen in meinen zittrigen Händen. Mit dem Lesen habe ich allerdings gewartet bis ich im Urlaub war, damit mich nichts ablenken konnte.

Wie bei Seveneves schaft es Neal Stephenson ein großartiges “was wäre wenn” Buch zu machen (und dito wieder das Ende irgendwie zu verkacken). Aber das ist jammern auf hohem Niveau.

Die Geschichte fußt tief in der echten Welt: Dot.com Millionäre und andere Verrückte (alle aus REAMDE rübergerettet) glauben an die Zukunft (und das Dinge wie Kryotechnik möglich werden) und hoffen auf dabei auf das ewige digitale Leben. Und wie so oft schafft es Neal Stephenson eine Technik der Zukunft glaubhaft wahr werden zu lassen.

Das Buch ist da spannend, wo es diese Technik, die sozialen und politischen Dinge dahinter und die moralischen Fragen angeht. Ist wird noch stärker, wo es das Internet und Sachen wie die Filterblase  und Fake News (“Nuke Moab”) auseinander nimmt:

( Neal Stephenson (c) 2019 William Morrow)
( Neal Stephenson (c) 2019 William Morrow)

Die Trennung zwischen der realen Welt (“Meatworld“) und der Welt, wo das Gehirn verstorbener in Software wiederbelebt wird (“Bitworld“) ist am Anfang aufregend und das Entstehen von Bewusstsein in der Bitworld ist aufregend nachgezeichnet.

Am Ende jedoch wird das ganze eine Abenteuergeschichte ala Herr Der Ringe und damit erschreckend flach. 

Es gibt dennoch kaum einen Autor der dermaßen detailliert (und fundiert) die Zukunft herausarbeitet und seine Version oder auch Vision erzählt. Und das ist einfach spannend. Vor allem, wenn diese Erschreckend real ist.

Warum er aber keine dazu passendes Ende hinbekommt, das frage ich mich schon.

Soundtrack dazu: Decry – Raven, was sonst?

#signed

#bookcollectorsarepretentiousarseholes
#bookcollectorsarepretentiousarseholes