Bücher, schnell gelesen: Teil 1.580

Louie Shelley with Pete Shelley – Ever Fallen In Love (The Lost Buzzcocks Tapes) (Octopus Publishing, 2021)

Gelesen: 19. – 22.04.2022 (netto 308 Seiten, in Englisch gelesen, wird ehr nicht in Deutsch erscheinen)

Die Buzzcocks. Die Urväter des Pop Punks. Die, die das erste Konzert der Sex Pistols in Manchester am 04.06.1976 organisiert haben. Die, die dem Punk in Manchster die Initialzündung verpasst haben.

Die, mit den tollen Platten. Die, mit den tollen Songs. Die, mit dem großartigen LP und Single-Design. Und die, die immer eine Flasche Champagner im Backstage-Rider stehen hatten – no Champagne, no Show.

Pete Shelley (eigentlich Peter Campbell McNeish) ist am 06.12.2018 mit 63 viel zu früh an einem Herzinfarkt gestorben, dieses Buch ist dabei ehr ein Zufall als eine geplante Biographie: Louie Shelly, Journalistin, war schon länger im Buzzcocks Umfeld zugange und hatte mit Pete – der inzwischen aus London nach Estland weggezogen war, wo er ein ruhiges Leben mit seiner estnischen Frau Greta führte – lange Gespräche über seinen Werdegang und die Buzzcocks im speziellen. Das Ziel war ehr lose definiert und bevor es klarer definiert war … verstarb Pete.

Das Buch beginnt mit Vorwörtern (Henry Rollins, Kid Strange) und einer Rückschau auf die Jugend von Pete im Leigh der 60er Jahre. Dann geht es am Zeitstrahl von Konzerten und Platten (vor allem Single) Veröffentlichungen die die Wort-für-Wort wiedergegebenen Gespräche.

Das Buch verrät dabei wie im vorbeigehen viel privates, konzentriert sich aber weitestgehend auf die Musik: Wie ist ein Song entstanden? Wie wurde aufgenommen? Wie kommt der Rest dazu (Cover, Marketing, Touren). Spannend, aber der Leser merkt auch das das ganze noch im Status einer Materialsammlung war und die Zielrichtung nicht festgelegt war.

Zum Glück gibt es ordentlich Material links und rechts, zB diese großartige Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben der Buzzcocks vom August 1977 bis August 1978 (die damals im Fan-Club Fanzine veröffentlicht wurde):

(c) 2021 Octopus Publishing

Das englische Pfund war damals so ca. 4 DM wert, die Buzzcocks zahlten sich also 120 DM pro Woche und hatten 2,8 Millionen DM Einnahmen und jede Menge Ausgaben – am Ende blieb ein Gewinn vor Steuern von ca. 12.000 DM über. Spannend wäre noch, wer Royalties kassiert hat – United Artists? Ihr Management?

Da ich dort “advances” lese denke ich mal das sie damals wie alle anderen von den Plattenfirmen “ausgenommen” wurden. Der Vorschuss war ja immer der Trick eine Band unter Vertrag zu bekommen … und dann wurde dagegen verrechnet.

Für jeden Fan ein must have, keine Frage. Vor allem weil es letztendlich wieder zeigt das es Bands gibt um Geld zu machen und es Musiker gibt, die einfach nur die Musik lieben (und damit ein Auskommen hinbekommen).

Spoiler: Ein Teil der Buzzcocks Hit hatte Pete bereits 1973 für eine seiner ersten Bands geschrieben!

Was bleibt? Das musikalische Vermächtnis – allein dieser Single-Output ist zum dahinschmelzen. Leider sind in meiner Sammlung nur 3 davon, zurecht sind die ordentlich bepreist bei Discogs.

Der größte Teil schaffte es in die Charts. Und damals bedeutete das das tatasächlich jede Menge physische Singles in Plattenläden verkauft worden sind. Und jede ist es Wert rauf- und runter gehört zu werden.

Was bleibt noch? Das visuelle Vermächtnis – es gibt kaum eine Band aus der frühen Punk Zeit die so viele ikonische Cover erschaffen hat bzw. durch Malcolm Garrett hat erschaffen lassen. Und ich liebe gut gemachte Cover für Singles und LP’s.

Und natürlich Fotos wie dieses – gibt es ein bessere Illustration für einen Song?

Buzzocks – Ficton/Romance

Ich habe die Buzzcocks leider nicht oft genug Live gesehen, das ärgert mich dann doch. Aber in bester Erinnerung behalte ich sie und ihre Musik absolut. Danke Pete!

Soundtrack dazu: Buzzcocks – Singles Going Steady, was sonst?

PS: Wer tiefer eintauchen mag…

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