Bücher, schnell gelesen: Teil 1.417

Don Winslow - Jahre des Jägers (Droemer, 2019)
Don Winslow – Jahre des Jägers (Droemer, 2019)

Gelesen: 03. – 21.10.2019, netto 980 Seiten

Eigentlich hatte ich ja keinen Bock mehr einen Don Winslow zu lesen, zu langweilig und uninspiriert waren seine letzten Krimis.

Aber dann kommt der letzte Teil seiner Art Keller Saga bzw. der Kartell Reihe (nach Tage der Toten und Das Kartell) übersetzt von der wunderbaren Conny Lösch. Ein 980 Seiten schwerer Brocken. Nachdem ich das Buch erst links liegen gelassen hatte habe ich dann doch gedacht „das ist ein passender Abschluss für eine verwelkte Liebe„.

Don Winslow schafft es dabei tatsächlich an die Qualität der Vorgänger heranzukommen und steigert der Wahnsinn von 680 über 821 auf 980 Seiten. Es gibt keine bessere Reihe über Drogenpolitik als diese – Pflichtlektüre für jeden Politiker in den US of A der noch an den Krieg gegen die Drogen glaubt.

Art Keller wird auf wundersame Weise zum Chef der DEA, der amerikanischen Anti-Drogenbehörde (Drug Enforcement Administration – force them Drugs upon them!). Und er ahnt, das dieses sein letzter Kampf wird.  Nachdem er in Das Kartell seinen Wiedersacher und Kartell Boss Adán Barrera eigenhändig zur Strecke gebracht hat kämpft er nun mit den Resten des Kartells, die sich schneller wieder aufstellen als er es sich hat vorstellen können. 

Das Buch beschreibt spannend und anschaulich wie sowas passiert, warum Drogenbosse einen Gefängnisaufenthalt als Arbeitsurlaub betrachten und was die Drogen mit den Menschen in NYC und in Lateinamerika machen.

Das Buch wäre für sich Superklasse, wenn Don Winslow nicht die extra Seiten dafür nutzt sich an seinem neuen Lieblingsfeind abzuarbeiten: Im Buch ist es der ex-Reality TV Star John Dennision der zum Präsidenten wird und der über seine Familie in das Waschen von Drogengeldern verstrickt ist. Unschwer ist zu erkennen das er Donald Trump aber so richtig mit Scheiße bewirft … und unschwer ist auch die Vorstellung das ein Immobilien-Gangster wie Trump, der immer mit anderer Leute Geld baute bzw. spekulierte, tatsächlich so einen Dreck am stecken  hat.

Am Ende verliert Keller seine große Liebe aber behält sein Leben (der Anschlag auf ihn ist Einleitung und Ende des Buches, ein schöner Zirkelschluss aber in der von Don Winslow dokumentierten Topographie des Drogenhandels gibt es kein Glück: Nicht für die Bosse (erlegt von Konkurrenten, der Familie, der mexikanischen Armee oder der DEA), nicht für die Helfer (Frontschweine die entbehrlich sind), nicht für die User (Elend und Überdosis) und eben auch nicht für einen wie Art Keller. Ich hätte ihn sterben lassen.

Es gibt keine Hoffnung. Period.

Soundtrack dazu: Blank Stare – Fuck Drugs Fuck You, was sonst?

PS: Das englische Original schreit „Trump“ direkt vom Titel…

Don Winslow - The Border (William Morrow, 2019)
Don Winslow – The Border (William Morrow, 2019)

 

 

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