Stuart MacBride – Eine Frage Der Sühne (Goldmann, 2019)
Gelesen: 23.04 – 02.05.2020, netto 457 Seiten
Stuart MacBride schreibt mit seiner Logan McRae Serie eigentlich ziemlich düstere Bücher – dieses “Spin-Off” ist wieder ein Pariah Geschichte:
Detective Chief Inspector Roberta Steel wurde degradiert und ist nun wieder eine einfache Streifenpolizistin. Gestolpert ist sie über eine Beweismanipulation zu Lasten eines Vergewaltigers.
Als einfache Polizistin stolpert sie durch einfache Fälle, mit einem Team vom Trotteln und macht auch selbst einen Fehler nach dem anderen. Denn dem Vergewaltiger, dem stellt sie immer noch nach.
Und aus einer trotteligen und zum Teil anstregend lustigen Geschichte poppt im ersten Drittel ein blutiger Mord an einem Pudel hervor und am Ende ein glorreicher Show-Down mit Splatter Charakter. Und einigen Überraschungen. Vorsichtige Naturen und Katzenfreunde sollten evtl. den Schluss nicht lesen.
Irgendwie ein komische Buch – so richtig lachen konnte ich nur am Ende, der Rest war mir irgendwie zu bemüht komisch. Irgendwie nicht Fisch nicht Fleisch.
James Lee Burke – Mein Name Ist Robicheaux (Pendragon Verlag, 2019)
Gelesen: 14. – 22.04.2020, netto 595 Seiten
Band 21 von 22 in der Robicheaux Reihe von James Lee Burke. Die Neuauflagen im Pendragon Verlag folgen nicht der ursprünglichen Timelines, das ist aber eine lässliche Sünde – dieses ist die Deutsche Erstausgabe.
Am Ende des Buches gibt es eine Zugabe in Form der Short Story “The Wild Side Of Life” – ich glaube diese Geschichte hat Burke vor “Mein Name Ist Robichaeux” geschrieben und dann hier mit eingebaut. Es gibt wie immer bei James Lee Burke viele Geschichten in einem Buch, viele Lebenswege die sich in New Iberia, Louisiana, kreuzen.
Voran geht Dave Robicheaux, der mal wieder einen Alkoholrückfall hatte und sich nicht ganz sicher ist ob er nicht den mutmaßlichen Totschläger (Autounfall) seiner Frau gekillt hat – denn der ist Tot. Ermordet.
Ja, es wird wieder eine Geschichte mit viel Schuld und noch mehr Sühne – auf allen Ebenen: Privat, in der Polizei und der Politik. Es geht immer noch um korrupte Cops, Rassisten und populistische Politiker, die mit allem durchkommen. Und um Tote, die weder Namen noch Fürsprecher haben.
Der Mix ist typisch James Lee Burke: Politiker, Mafiosi, durchgeknallte (attraktive) Frauen und Bösewichte, die sich an Angst und Leid von Schwachen aufgeilen. Und dann kommt immer ein noch irrer Killer um die Ecke und säubert diese Landschaft. In “Mein Name Ist Robicheaux” ist das Cheester “Smily” Wimple, ein geistig zurückgebliebener Putzman, der alle um die Ecke bringt die es verdient haben (und ein paar, die es evtl. nicht ganz so sehr verdient haben).
Und durch diesen Kniff puzzeln sich dann auch alle Fälle an denen der Detektiv Robicheaux gerade arbeitet wieder zusammen.
Clever und sympatisch dieser Kniff! Und ein ehr trauriges, hoffnungsloses Buch.
Tom O’Neill – Chaos (Little, Brown and Company, 2019)
Gelesen: 31.03. – 13.04.2020, netto 501 Seiten (in Englisch, eine deutsche Übersetzung gibt es nicht)
Während Giancarlo De Cataldo in Agent des Chaos volle Fiktion mit der Realität von MK ULTRA verheiratet ist Tom O’Neill ein investigativer Journalist. Und dieser will 1999 eine kleine Geschichte anlässlich des 20ten “Jubiläums” der Tate-LaBiance Morde schreiben.
Und aus dieser kleinen Geschichte wird eine Obsession und aus dieser Obsession wird eine 20 jährige Suche nach Löchern in der allseits bekannten Geschichte. Nach Fehlern in den Prozessen gegen Manson und seine sogenannte Familie. Und nach Querverbindungen, die bisher keiner gesehen hat.
Zwei Dinge machen das Buch spannend: Zum einen nimmt Tom O’Neill den ehemaligen Staatsanwalt Vincent Bugliosi (berühmt geworden durch sein Buch Helter Skelter, das am besten verkaufte True-Crime Buch aller Zeiten) ziemlich gut auseinander – es bleibt ein selbstsüchtiges, arrogantes und mieses Arschloch übrig – und zum anderen guckt er in eine Ecke, die im Prozess durch Bugliosi überhaupt nicht angeschaut wurde…und dabei stößt er dann auf indirekte Verbindungen, die völlig spannend sind.
In seinen eigenen Worten:
Was er nicht findet ist eine direkte Verbindung von Manson zur CIA und MK Ultra aber eine Überschneidung. Und dabei erarbeitet er eine Historie rund um Louis Jolyon West, einen Psychiater mit CIA Verbindungen bzw. CIA Aufträgen. Und zum Mord an JFK. Und er findet lange verschollene Dokumente die jede Menge Schweinereien der CIA aufdecken – allerdings nichts was Manson direkt erwähnt.
Die Theorie ist jedoch brillant!
Ein spannendes Buch, das voraussetzt das der Leser die Geschichte von Manson und der Familie und ihren Taten kennt. Dann aber beschreibt es sehr gut, wie eine sorgfältige Recherche einen aus der Bahn werfen kann und welche Kollateralschäden es geben kann.
Und, was das CIA alles so in den US of A getrieben hat. Und was damals alles so nicht funktioniert hat in California. Etliche Male hätte Manson zurück in den Knast gehen können, da er seine Bewährung verletzt hat. Ist aber nie passiert.
Nebenthema und ebenso spannend: Dennis Wilson von den Beach Boys und seine Fixierung auf Charles Manson (wg. Musik und Drogen) und seinen Girls (wg. Sex).
Soundtrack dazu: Charles Manson – Cease to Exist, was sonst? Und ein Grund mehr Hippies nicht zu mögen. Fuck Countercoulture. Fuck Drugs. Fuck Hippies! Und ist es nicht das was das CIA erreichen wollte?
Responsible Disclosure: Als #recordcollectorsarepretentiousarsehole habe ich natürlich die Manson Bootleg LP.
PS: Tom O’Neill sagt dazu …
PPS: Und eine schöne Zusammenfassung aus heutiger Sicht…mit den McDonald Brüdern (Redd Kross), die ein wenig durchscheinen lassen warum die Musik Szene eine kleine Obsession mit Charlie hatte.