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  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.441

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.441

    Giancarlo De Cataldo - Der Agent Des Chaos (Folio Verlag, 2019)
    Giancarlo De Cataldo – Der Agent Des Chaos (Folio Verlag, 2019)

    Gelesen: 26. – 30.03.2020, netto 261 Seiten

    Das ist ein lustiges Buch. Giancarlo De Cataldo schreibt sehr reale Krimis bzw. Politthriller und hat hier die Realität kurz mal in eine Matrjoschka-Puppe verpackt. 

    Und das ganze so konsequent, das es eigentlich keine richtige Handlung gibt, sonder 2 Geschichten eigentlich das gleiche erzählen. 

    In der einen versucht ein Alt-68er Schriftsteller einen erfolgreichen Krimi zu schreiben, was ihm aber nicht so richtig gelingt … sein Verleger will das ganze verkaufbar verdrehen. Dieser Krimi fußt in der italienischen Vergangenheit. In den … 60ern. In der anderen Geschichte erzählt angeblich echte Person aus dieser Vergangenheit … die wahre Geschichte der 60er. 

    Sex, Drugs und Rock’n’Roll? Rebellion? Woodstock? Black Panther? Weatherman? LSD? Alles das Ergebniss von MK-Ultra. Und MK Ultra? Ein Programm der CIA. Und wer bei der CIA? Ein alter Nazi. Und warum? Um Chaos zu sähen und so die Gegner der US of A zu schwächen.

    Und wie so oft bei Giancarlo De Cataldo … alles was er schreibt ist ganz eng an der Realität: MK Ultra und LSD? Stimmt!

    Mkultra-lsd-doc 

    Der Ritt durch die 60er entpuppt sich dabei als äußerst lustig, vor allem wenn der Leser wie ich zwar die Details kennt aber für die Hippies so wenig wie möglich übrig hat. Und der CIA? Der kann man eh alles zutrauen!

    Und die Quintessenz? In dieser Welt überlebt nur wer sich anpasst. Und exakt das machen alle. Freiwillig oder durch die Umstände gezwungen.

    Kein echter Thriller aber spannend genug. Und lustig, weil die Hippies weltweit verarscht wurden. Oder etwa nicht?

    Soundtrack dazu: Deadbeats – Kill Hippies, was sonst?

    PS: Der perfekt Einstieg in mein nächstes Buch

    Tom O'Neill - Chaos (Little, Brown and Company, 2019)
    Tom O’Neill – Chaos (Little, Brown and Company, 2019)

    Chaos: Charles Manson, the CIA and the Secret History of the Sixties by Tom O’Neill with Dan Piepenbring

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.440

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.440

    Katherine Faw - Young God (Polar Dark Places, 2020)
    Katherine Faw – Young God (Polar Dark Places, 2020)

    Gelesen: 24. – 25.03.2020, netto 210 Seiten (plus ein excellentes Nachwort von Kirsten Reimers).

    Meine Fresse, das ist ein großartiges Buch. Es ist das Debüt von Katherie Faw, 2014 erschienen, und viel gerühmt. Auf den ersten Blick wirkt es befremdlich – viel weißes Papier auf sehr wenig Seiten. Aber diese Seiten haben es in sich. Die leeren Stellen haben einen Zweck. Die Geschichte von Nikki kommt nämlich ebenso schnell wie maulfaul daher.

    Nikki ist 13 und nach 11 Seiten hat sie bereits ihre Mutter durch einen Unfall verloren und den Freund ihrer Mutter gefickt. Nur eine Seite weiter verlässt sie ihn und klaut sein Auto und seine Drogen. Sie hat nämlich auch einen Vater und der war mal ein echter Drogendealer. Mit Knasterfahrung. 

    Wenig Schrift, viel weiß – der perfekte Gegenpart gegen die absolut dunkle Geschichte. Die ist aber so fein gesponnen: Ein Faden mit Gewalt von Männern gegen Mädchen (bzw. Kindfrauen). Ein Faden mit sexueller Gewalt gegen minderjährige Mädchen. Ein Faden mit Drogenhandel. Ein Faden mit Drogenbenutzung. Ein Faden mit Prostitution von Minderjährigen. Ein Faden mit Gewalt von Opfern von Gewalt.

    Das ganze ist ein unfassbar starkes Portrait von Menschlichkeit (und dem Fehlen von Menschlichkeit) vor dem Hintergrund von täglicher Grausamkeit. Täglicher Gewalt.  Täglichem Chaos. Und eine Schule, die gibt es nicht. Nur die Schule des Lebens.

    Das geniale ist wirklich der Schreib- und Layoutstil: Kurze Absätze, leere Seiten, abgetrennte Sätze, die ganz für sich allein gedruckt werden. Das ist definitiv expressionistische, fast filmische Qualität.

    Das Buch fliegt schnell am Leser vorbei und die ganzen Grausamkeiten und Lücken führen nur dazu das beim Leser das Kopfkino zündet und die Lücken füllt: Noch schlimmer, noch grausamer. 

    Ein Hammer Buch und ein großartiger Auftakt zu einer neuen Serie im Polar Verlag (Schwarz statt Weiß). Mehr, viel mehr davon.

    Soundtrack dazu: N.O.T.A. – Drugs & Sex, was sonst?

    PS: Und Katherine ?

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.439

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.439

    Joe R. Lansdale - Blutiges Echo (Suhrkamp, 2015)
    Joe R. Lansdale – Blutiges Echo (Suhrkamp, 2015)

    Gelesen: 19. – 23.03.2020, netto 381 Seiten.

    Endlich habe ich es mal wieder geschafft ein Joe R. Lansdale Buch aus meinem Rückstand zu lesen, ich muss unbedingt prüfen was mir noch fehlt.

    Blutiges Echo” ist im Original von 2007 und ein modernes Buch, East Texas zur Zeit von Mobiltelefonen. Die Grundidee ist cool und fast schon Steven King like: Harry Wilkes hat als kleiner Junge eine Entzündung im Ohr und hat danach Visionen.

    Irgendwann erkennt er das Muster: Er reagiert auf Geräusche, und diese Geräusche übertragen Bilder (Bildplatte anyone?). Und diese Bilder sind aus der Vergangenheit und zeigen Gewalt. Morde. Schlimme Dinge. Mit Alkohol und Umwegen versucht er sein Leben zu meistern, er geht seiner Gabe (oder  seinem Fluch) aus dem Weg.

    Als seine Jugendliebe Kayla als Polizistin in seine Heimatstadt zurückkehrt versucht er seine Gabe einzusetzen um den Tod ihres Vaters zu klären. Mit seinem neuen Freund Tad, Alkoholiker und Kampfsportexperte, gerät er dabei aber an die eigentlichen Drahtzieher hinter dem angeblichen Selbstmord ihre Vaters.

    Und das geht dann natürlich auf ein ordentliches Showdown zu.

    Kein typisches Lansdale Buch aber eine smarte Geschichte rund um eine Fähigkeit, die ja eigentlich da ist. Geräusche speichern Daten. Geräusche können Bilder triggern.

    Und das ganze im coolen Joe R. Lansdale Stil – eine perfekte und runde Geschichte. Warum Steven King? Weil das ein perfekter Film wäre!

    Soundtrack dazu: Tad – Stumblin’ Man, was sonst?