
Gelesen: 18. – 20.03.2026 (netto 354 Seiten)
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger.
Boah, wie konnte mir dieses Buch 2021 nur durchrutschen. Zum Glück hat mich Die Tochter Des Predigers daran erinnert das ich das in der kleinen Buchhandlung meiner Wahl nachbestellen muss.
Und ich wurde nicht enttäuscht!
Es geht wieder mal gaaaanz nach hinten, in die Wälder und in die Ozarks von Arkansas. Da wo die Kirchen Dry Countys halten.
Richard Weatherford ist ein erfolgreicher Prediger im Van Buren County, sowohl in der Kirche, in der Gemeinde und in der Familie: Frau, 5 Kinder.
Und mit einem Geheimnis: Er hat was mit … einem jungen Mann. Und der droht das öffentlich zu machen. Und alles was jetzt passiert ist wie das abschälen von Borke auf einer fiesen Wunde. Und es wird kräftig eitern. Und weh tun.
Und der Grund ist einfach: Der Prediger tut alles (wirklich alles) um seine Kirche, seine Familie und seinen Ruf zu schützen. Und, wie immer in so kleinen Gemeinschaften, machen das auch andere, aus anderen Gründen.
Und so kommen sich langsam aber sicher viele Interessen in die Quere, werden Schicksalsgemeinschaften gebildet und zerbrechen und jeder verfolgt – gnadenlos – seine eigenen Ziele.
Und während die Hauptfiguren abwechselnd ihre nächsten Schritte planen, gerät die Situation erwartungsgemäß völlig außer Kontrolle. Mit einer der erschreckend nüchternen Wucht. Ohne Chance auf ein “Stop”.
Jake Hinkson führt seinen Helden Schritt für Schritt in einen immer kräftiger brodelnden Sumpf aus Korrumpierung und Korruption. Und gönnt dem ganzen Spektakel dann ein geradezu unvergessliches, blutiges und tödliches Ende.
Perfekt angesiedelt im hinterwäldlerischen Arkansas werden in diesem herrlich düsteren Noir schonungslos die Auswirkungen existenzieller und spiritueller Verzweiflung in einer wirtschaftlich angeschlagenen Stadt, in der der Einfluss religiösen Fundamentalismus erdrückend ist, auf eine perfekte down hill Spirale geschickt.
Ganz viel rohe Emotionen und eine verstörend realistische Darstellung des amerikanischen Kleinstadtlebens.
Und, SPOILER, natürlich rettet der Prediger seinen Arsch. Um den Preis seine Frau lecken zu müssen.
Mega!
Soundtrack dazu: Mark Lind and The Unloved – Mr. Preacher (Hanging On/Better Days), was sonst?

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