Bücher, schnell gelesen: Teil 1.440

Katherine Faw - Young God (Polar Dark Places, 2020)
Katherine Faw – Young God (Polar Dark Places, 2020)

Gelesen: 24. – 25.03.2020, netto 210 Seiten (plus ein excellentes Nachwort von Kirsten Reimers).

Meine Fresse, das ist ein großartiges Buch. Es ist das Debüt von Katherie Faw, 2014 erschienen, und viel gerühmt. Auf den ersten Blick wirkt es befremdlich – viel weißes Papier auf sehr wenig Seiten. Aber diese Seiten haben es in sich. Die leeren Stellen haben einen Zweck. Die Geschichte von Nikki kommt nämlich ebenso schnell wie maulfaul daher.

Nikki ist 13 und nach 11 Seiten hat sie bereits ihre Mutter durch einen Unfall verloren und den Freund ihrer Mutter gefickt. Nur eine Seite weiter verlässt sie ihn und klaut sein Auto und seine Drogen. Sie hat nämlich auch einen Vater und der war mal ein echter Drogendealer. Mit Knasterfahrung. 

Wenig Schrift, viel weiß – der perfekte Gegenpart gegen die absolut dunkle Geschichte. Die ist aber so fein gesponnen: Ein Faden mit Gewalt von Männern gegen Mädchen (bzw. Kindfrauen). Ein Faden mit sexueller Gewalt gegen minderjährige Mädchen. Ein Faden mit Drogenhandel. Ein Faden mit Drogenbenutzung. Ein Faden mit Prostitution von Minderjährigen. Ein Faden mit Gewalt von Opfern von Gewalt.

Das ganze ist ein unfassbar starkes Portrait von Menschlichkeit (und dem Fehlen von Menschlichkeit) vor dem Hintergrund von täglicher Grausamkeit. Täglicher Gewalt.  Täglichem Chaos. Und eine Schule, die gibt es nicht. Nur die Schule des Lebens.

Das geniale ist wirklich der Schreib- und Layoutstil: Kurze Absätze, leere Seiten, abgetrennte Sätze, die ganz für sich allein gedruckt werden. Das ist definitiv expressionistische, fast filmische Qualität.

Das Buch fliegt schnell am Leser vorbei und die ganzen Grausamkeiten und Lücken führen nur dazu das beim Leser das Kopfkino zündet und die Lücken füllt: Noch schlimmer, noch grausamer. 

Ein Hammer Buch und ein großartiger Auftakt zu einer neuen Serie im Polar Verlag (Schwarz statt Weiß). Mehr, viel mehr davon.

Soundtrack dazu: N.O.T.A. – Drugs & Sex, was sonst?

PS: Und Katherine ?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.434

Anthony J. Quinn - Gestrandet (Polar Verlag, 2019)
Anthony J. Quinn – Gestrandet (Polar Verlag, 2019)

Gelesen: 22. – 24.01.2020, netto 313 Seiten.

Ein weiteres wunderbares Buch aus dem Polar Verlag, ein weiterer wunderbarer Krimi an der Grenzlinie der Republic of Ireland zu Northern Ireland. Und wie die Sean Duffy Reihe mit einem etwas anderen Cop.

Celsius Daley ist durch, am Ende, allein und irgendwie nicht wirklich ein Team-Player. Aber er verbeißt sich in die Leiche eines Garda Síochána Detective, der im Loch Neagh treibt.

Und kommt vom kleinen ins große, von den kleinen Gangstern zu den großen Gewinnern aus alten IRA Tagen, die heute mit Schmuggel Millionen verdienen. Und doch wieder zu den kleinen Dingen im kleinen Grenzverkehr. Auch zwischen der PSNI und der Garda.

Ein extrem vielschichtiges und spannendes Buch, in dem der arme Celsius Daley weit außerhalb seiner – ehr schmalen – Komfortzone ermitteln muss. Und voller wunderbarer Beschreibungen der Landschaft, die so wunderbar mit dem vorherrschenden Thema Verrat verheiratet wird.

Troubles? Yes Sire, loads of Troubles!

Soundtrack dazu: The Doubt – Contrast Disorder, was sonst?

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.431

Gelesen: 01. – 08.01.2020, netto 405 Seiten.

Das ist das 15te Buch aus einer in Norwegen ziemlich berühmten Reihe um den Privatdetektiv Varg Veum. Gibt es auch als Serie für den geneigten Binge-Watcher.

Das ganze ist sehr nordisch (langsam, behäbig, viel Landschaft, viele kleine Zirkel von Menschen) und ein so gar nicht typischer norwegischer Krimi. 

Es ist sowohl eine Rückblende auf das Leben von Varg vor seiner Zeit als Privatdetektiv als auch eine Verzahnung mit heute. Vorher war er Sozialarbeiter und hatte mehr als einmal mit Jon Egil zu tun. Immer gab es dabei Tote. Jetzt ist Jon Egil aus dem Knast entlassen und sinnt angeblich auf Rache, u.a. auch an Varg.

Viele Rückblenden, ganz viel Norwegen in den 70ern und 80ern und ganz viel Norwegen hinten am Arsch der Welt, ganz am Ende des Fjordes. Wo die Uhren definitiv anders gehen als in der großen Stadt.

Kein klassisches „Finde den Mörder“ Spiel sondern ehr eine ziemlich breit angelegte Sozialstudie. Drogen, Alkohol, Kindesmißbrauch und noch mehr in einer eigentlich als Wohlstandsgesellschaft angelegten Umgebung.

Der Flow ist entsprechend langsam, tief und verliebt in Details. Und das passt perfekt. Als allein stehendes Buch mit einem für mich perfektem Ende (das hier aber garantiert ein Cliffhänger ist).

Soundtrack dazu: The Abusers – Death Wish, was sonst?

PS: Das Umschlagfoto passt perfekt, das Filmposter ist viel zu sehr auf den norwegischen Hauptdarsteller abgestellt…

Varg Veum - Dødens drabanter  (2011)
Varg Veum – Dødens drabanter (2011)