Bücher, schnell gelesen: 1.605

Ken Bruen – Aliens Bändigung (Polar Verlag, 2022)

Gelesen: 30. – 31.08.2022 (netto 165 Seiten)

Herrlich, ein neuer (alter, im Original aus 1999) Ken Bruen. Mehr von Detective Sergeant Brant, dem Bösewicht auf der Seiten der Cops. Das Buch folgt inhaltlich Sauberman und schließt nahtlos an die Story an.

DS Brant gerät dabei unter Druck und bekommt es mit dem Alien zu tun, einem Killer der Londoner Gangsterbosse. Nachem der Alien Brant ein Drohung nicht nur überbracht, sondern sehr persönlich nahe gebracht hat, macht sich Brant auf Rache zu üben.

Und dabei bleiben etliche handelnde Personen auf der Strecke, manche zufällig, andere geplant. Manche in London, andere in NYC oder Seattle … einer sogar in Mexiko. Manche Cops, manche Bösewichte.

Und keiner schreibt trockener über das echte Leben als Ken Bruen!

Ken Bruen über .. Raubtiere ( (c) Polar Verlag 2022)

Vor allem der Ausflug von DS Brant in die US of A ist dabei zu komisch – er passt genau nicht dahin.

DS Brant in Dialog mit der amerikanischen Bevölkerung ( (c) Polar Verlag 2022)

Ganz ehrlich? Ich kann von Ken Bruen nicht genug bekommen, er ist neben Elmore Leonhard einer der coolsten überhaupt.

Hardboiled at it’s best!

Soundtrack dazu: Wire – Ex Lion Tamer, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.601

Peter Farris – Letzter Aufruf Für Die Lebenden (Polar Verlag, 2022)

Gelesen: 09. – 17.08.2022 (netto 403 Seiten plus Nachwort von Jon Bassoff)

Spannend – das Buch ist 10 Jahre alt und kommt “erst” jetzt in Deutsch auf den Markt, sehr passend in der Dark Places Serie des großartigen Polar Verlages.

Das Buch beginnt als Bankräuber Story (mit dem ersten lakonischen Mord auf Seite 35), geht dann über in einen Hinterwäldler-Meth-Aryan Brotherhood-Knaller und zielt dann ehr in die Richtung Stockholm-Syndrome.

Etliche unappetitliche Tote weiter ist es dann ehr eine Vater-Sohn-Geschichte um dann am Ende in ein zugeggeben großartiges Bankräuber Shoot Out abzubiegen.

White Trash, Meth, Suff, schmutziger Sex, Südstaaten-Rassismus aka Southern Pride, durchgeknallte Irre in einer Klapperschlangenanbeterkirche, der klassische geschiedene Säufer als Dorfsheriff, die Feds, Knastgangs und ihre Hirachien und jede Menge lakonische Gewalt.

Ist schon eine ganze Menge was hier zusammenkommt. An manchen Stellen ist das schon ein wenig überbordend (bzw. unsortiert) an anderen Stellen ziemlich spannend: Wie Hinklin (der Bankräuber) und Charlie (die Geisel) die extrem fiesen Jungs des Brotherhood fertigmachen ist absolut großartig beschrieben.

Was ich so gar nicht verstanden habe sind die Passagen in kursiv im Buch, sind das Flashbacks oder Fieberträume? Was soll das? Ohne diese Passagen wäre das Buch ein wenig mehr hard-boiled, ein wenig mehr stringent. Würde mir besser gefallen.

Am Ende gewinnt das Buch mich aber doch: Eine perfekte downward spiral an lakonischer Gewalt mit wirklich fiesen Burschen. Sehr real und wahrscheinlich aus dem echten Leben der US of A gegriffen.

Soundtrack dazu: Cable – Failure Comin’ Down, was sonst?

Das ganze Buch hat Kapitelreferenzen zu dieser LP, passt perfekt. Warum? Weil Peter Farris der Sänger der Band ist/war und die LP ein Konzeptalbum für einen imaginären Film. Das Buch passt da nicht 100% zur Story aber das ist egal. Spannend!

Daddy was a bad man from a bad land
Gave him twenty years – served them like a man
Momma was a southern belle from a southern hell
Had a bad leg and trouble with the pills

They were married in the month of July
It was a shotgun wedding
Bought everything that the lord ever sold
Except the happy ending

PS: Der passende Buchtrailer…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.591

Eryk Pruitt – Das Schnelle Leben (Polar Verlag, 2022)

Gelesen: 31.05. – 04.06.2022 (netto 360 Seiten plus Nachwort)

Herrlich – ein weiterer Kandidat für das beste Anti-Drogen Buch für Jungerwachsene. Warum? Weil die Helden der Story ganz unten sind und es schaffen sich immer tiefer in den Drogensumpf zu arbeiten. Profis halt.

Ihre Namen sind Schall und Rauch, da sie nach jedem Ding, jedem Deal und jedes mal wenn der alte Name verbrannt ist einen neuen annehmen.

Jack ist eigentlich eine Wurst die nix hinbekommt, aber ausreichend brutal und ziemlich clever. Ein guter Hochstapler. Summer ist das Gegenteil, hauptsächlich dicht (was immer knallt wirft sie ein) aber eine geborene Einschmeichler- und Überrederin.

Wenn Leute nicht high genug waren, um nach ihrer Pfeife zu tanzen oder sie interessant zu finden, stopfte Summer einfach ein neues Pfeifchen. Drehte einen weiteren Joint. Endlos immer so weiter, bis sie schließlich ihren Willen bekam.

( (c) Polar Verlag 2022)

Die Story entwickelt sich dabei vom Ausgangsort (Jack & Summer haben ein Kilo Koks geklaut und versuchen das in einem texanischen Collegeort an die Kids zu bekommen) genauso erratisch wie die Tage eines Drogenabhängigen. Sie sind selbst ihre besten Kunden und reißen jeden anderen mit in den Abgrund. Und wenn es irgendwann keinen mehr gibt, dann nehmen sie halt sich selbst.

Eigentlich eine lineare Geschichte, aber Eryk Pruitt nutzt einen kleinen Kniff um dem ganzen die Krone aufzusetzen: Sowie Summer und Jack ihre Namen ändern, wenn sie die Lokation ändern, ändert er auch den Plot. Und von und mit den Drogen kommen wir zur Religion. Und von da zu einer Sekte. Und weiter tief in den Abgrund von Lügen und Abhängigkeiten.

Leichen? Viele! Die beste? Mit einem Bleistift im Hals verreckt. Humor? Schwarz! Tempo? Hoch! Und das beste: Ebenso wie seine Helden hat Eryk Pruitt offensichtlich keine moralischen Bedenken bei der Entwicklung seiner teilweise ganz wunderbar lakonisch und zynischen Geschichte.

Ach ja, passend zu den US of A (und Texas inbesondere) gibt es auch noch eine ordentliche Portion Bigotterie. Und mit religiösen Wahrheiten kehren seine Helden auch mal das Blut eines Jüngers auf.

Ganz großes Kopf-Kino, ich hoffe die anderen beiden Bücher des Autors kommen auch noch in Deutsch. In jedem Fall ein herzliches “Kuck mal, so sieht eine Drogenkarriere aus” Statement.

Da könnt ihr euch dann entscheiden.

Soundtrack dazu: DeRita Sisters – School Free Drug Zone, was sonst? OK, evtl. noch DeRita Sisters – Girls On Drugs!

PS: Und Eryk Pruitt? Dreht auch Kurzfilme mit sich selbst.