Bücher, schnell gelesen: Teil 1.554

Felicity McLean – Cordie (Polar Verlag, 2021)

Gelesen: 20. – 28.10.2021, netto 360 Seiten

Wow, das ist ein cleveres Buch. Über weite Strecken ein “Kinderbuch”, erzählt aus der unschuldigen (aber auch für ihr Alter sehr aufmerksamen) Sicht einer 11-Jährigen und für kurze Momente ein Krimi im hier und jetzt, aus der Sicht der erwachsenen Frau.

Die Erwachsene Tikka kommt aus Amerika zurück zu ihren Eltern, da bei ihrer Schwester Krebs festgestellt wurde. Sie sieht überall ihre verschwundene Freundin Crodie, die vor 20 Jahren aus ihrem kleinen Dorf verschwunden ist.

Die 11-jährige Tikka und ihre Schwester leben unbeschwert irgendwo in Australien, genießen die Tage mit ihren Freundinnen am Pool und machen sich … Kindersorgen. Beobachten die Welt der Erwachsenen mit Kinderaugen.

Mit extrem geschickten Zeitschnitten bringt Felicity McLean ohne große Worte eine Dunkle Wolke in die Geschichte der 11-jährigen Tikka. Mit extrem feiner Sprache bringt Felicity dabei die Geschichte auf den Blickwinkel und auf den Verstandlevel einer 11-Järhigen. Sachen die sie sieht sind komisch, aber sie kann sich das nicht erklären.

Die Erwachsene Tikka kann das schon: Was sie sieht ist Gewalt durch den Vater im extrem christlich geprägten Elternhaus ihrer Freundinnen. Was sie mitbekommt ist eine Lehrer, der sich irgendwie komisch verhält. Was sie spürt ist Verlust. Was sie irritiert, ist das ihre Eltern vor 20 Jahren mehr wussten als sie ihren Kindern anvertraut haben.

Ein sehr geschickter Suspense Thriller, der harmlos wie ein Kinderbuch daherkommt und dieses auch durchhält. Kein Blut, aber zwei Leichen. Kaum Polizei. Aber ganz viel Raum für kindliche Wahrnehmung. Und ganz viel Unbehagen, das sich langsam ausbreitet und festsetzt.

Wow, das hat gesessen! Tolles Buch!

Soundtrack dazu: The Chats – Ross River, was sonst?

PS: Bei Polar erscheint dieses Buch in der Dark Places Reihe und im passenden schwarzen Design. Das S/W Bild zeigt aber schon das es eigentlich ein kindlich-sonniges Buch ist. Insofern ist die englische Cover Variante passender …. wenn auch fast zu verräterisch.

Felicity McLean – The Van Apfel Girls Are Gone (HarperCollins, 2019)

PPS: Und wieder ein “Trailer”

PPPS: Und Felicity so?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.551

Franck Bouysse – Rauer Himmel (Polar Verlag, 2021)

Gelesen: 10. – 14.10.2021, netto 176 Seiten

Ein Roman Noir ganz ohne Polizei, ohne einen Detektiv und mit ganz wenig Dialogen. Kann ein Buch in der Krimi Serie des Polar Verlages so funktionieren?

Ja, kann es. Es ist sogar extrem fesselnd!

Erzählt wird eine einfache Geschichte von einfachen Menschen … mit einem furiosen Finale.

In Les Doges, weit draussen in den Cévennen, leben nur noch 2 Bauern: Gus und Abel. Harte Arbeit auf kargem Boden und vor allem im Winter ohne viel Hoffnung.

Ganz langsam erzählt Franck Bouysse die Geschichte von Gus, von unerfüllten Sehnsüchten und von den wenigen Kontakten die er so hat. Sein Nachbar Abel ist älter und ebenso wortkarg und schräg. Beide leben in ihrer Welt und für ihre Einsamkeit. Beide sind großartige bärbeißige Charaktere, die vor allem mit Menschen von außerhalb wunderbar garstig umgehen.

Ganz langsam schleicht sich dann aber etwas in ihr einsames Leben, das sie so noch nicht kannten. Und am Ende gibt es etliche Überraschungen und nichts wird mehr so sein wie bisher, im wahrsten Sinne des Wortes.

Cooles Buch für die Einsamkeit, cooles Buch über die destillierte Essenz des bäuerlichen Lebens.

Spundtrack dazu: Youth Avoiders – Ghostland, was sonst?

PS: Und Franck Bouysse so?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.549

Ken Bruen – Saubermann (Polar Verlag, 2021)

Gelesen: 01. – 04.10.2021, netto 196 Seiten plus Nachwort von Alf Meyer

Die Serie um Detektive Sergeant Brant und seinen Boss Chief Inspektor Roberts umfasst 7 Bände, davon sind bisher 3 bei Polar erschienen, irgendwie in zufälliger Reihenfolge. Bei Polar Dark Places kommt mit Saubermann endlich der erste Band von 1998 in Deutsch auf den Markt.

Wobei Saubermann eine schwacher Übersetzung des englischen Titels A White Arrest ist: Roberts und Brant sind nämlich bei der MET (Metropolitan Police) auf dem absteigenden Ast: Ihre Methoden (Brutal), ihre Art (Korrupt) und ihre nicht existente Diversität (Brutal, Weiß) kommen nicht mehr so gut an. Also brauchen sie einen White Arrest, also einen aufregenden Fall den sie mit einer sauberen Verhaftung in Richtung einer sicheren Verurteilung bringen.

Und ab geht es ins Chaos: Eine Gang minderbemittelter beschließt Dealer zu killen. Ein Irrer, der schon lange weggesperrt gehörte, will eine ein paar alte Crikett-Helden umbringen. Roberts verliert seine Frau, Brant verliert seinen Hunde. Und jede Menge Nebendarsteller ihr Leben.

Ein herrlich durchgeknallter und anarchistischer Ritt durch London. Gemein. Böse. Brutal. Und am Ende lässt Roberts die Change auf den White Arrest sausen und Brant bekommt ein Messer in die Rippen.

Ganz großes Kino! Jetzt bitte zügig die fehlenden Bände: Taming the Alien (1999), The McDead (2000) und Ammunition (2007). Danke.

Soundtrack dazu: Violent Arrest – Time To Conform, was sonst?

PS; Ach, der Ken ist einfach cool …