Bücher, schnell gelesen: Teil 1.431

Gelesen: 01. – 08.01.2020, netto 405 Seiten.

Das ist das 15te Buch aus einer in Norwegen ziemlich berühmten Reihe um den Privatdetektiv Varg Veum. Gibt es auch als Serie für den geneigten Binge-Watcher.

Das ganze ist sehr nordisch (langsam, behäbig, viel Landschaft, viele kleine Zirkel von Menschen) und ein so gar nicht typischer norwegischer Krimi. 

Es ist sowohl eine Rückblende auf das Leben von Varg vor seiner Zeit als Privatdetektiv als auch eine Verzahnung mit heute. Vorher war er Sozialarbeiter und hatte mehr als einmal mit Jon Egil zu tun. Immer gab es dabei Tote. Jetzt ist Jon Egil aus dem Knast entlassen und sinnt angeblich auf Rache, u.a. auch an Varg.

Viele Rückblenden, ganz viel Norwegen in den 70ern und 80ern und ganz viel Norwegen hinten am Arsch der Welt, ganz am Ende des Fjordes. Wo die Uhren definitiv anders gehen als in der großen Stadt.

Kein klassisches „Finde den Mörder“ Spiel sondern ehr eine ziemlich breit angelegte Sozialstudie. Drogen, Alkohol, Kindesmißbrauch und noch mehr in einer eigentlich als Wohlstandsgesellschaft angelegten Umgebung.

Der Flow ist entsprechend langsam, tief und verliebt in Details. Und das passt perfekt. Als allein stehendes Buch mit einem für mich perfektem Ende (das hier aber garantiert ein Cliffhänger ist).

Soundtrack dazu: The Abusers – Death Wish, was sonst?

PS: Das Umschlagfoto passt perfekt, das Filmposter ist viel zu sehr auf den norwegischen Hauptdarsteller abgestellt…

Varg Veum - Dødens drabanter  (2011)
Varg Veum – Dødens drabanter (2011)

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.428

Estelle Surbranche - Nimm mich mit ins Paradies (Polar Verlag, 2019)
Estelle Surbranche – Nimm mich mit ins Paradies (Polar Verlag, 2019)

Gelesen: 13. – 18.12.2019, netto 316 Seiten.

Zwei Jahre ist es her, das ich den ersten Krimi von Estelle Surbranche („So kam die Nacht„) gelesen habe. Zwei Jahre habe ich auf den Nachfolger gewartet. Voller Spannung, den die Story über den Schneefall an der Küste war großartig.

Auch diesmal geht es um Sucht, aber anders. Capitaine Levasseur ist aus Biarritz geflüchtet und versucht in Toulouse einen Neustart. Die Begegnung mit der Killerin der Drogenmafia hängt aber noch schwer an ihr. Dennoch wirst sie sich in eine Serie von Selbstmorden junger Frauen…

… und geht sowas von unter. Die Süchte, die Surbranche in diesem Buch seziert sind die Sucht nach Liebe, die Sucht nach Anerkennung und die Sucht nach Rache. Das ganze als Dreieck und einem schwarzen Loch in der Mitte. 

Und dieses schwarze Loch zieht sowohl die Kommissarin, als auch die Killerin und den Rest der Spielfiguren aufeinander zu. 3 Geschichten verschmelzen zu einer und am Ende implodiert das ganze. Wow – echt cool gemacht.

Dazu noch eine Überraschung (auch Polizisten können rachsüchtige Killer sein) und eine Kommissarin die am Ende keine mehr ist.

Schöner Schlusssatz:

Zum ersten Mal in ihrem Leben fragte sie sich nicht, was ihr nächste Ziel war. Es interessierte sie nicht. Sie fand ihr Glück im Alltag, in jedem einzelnen Moment.

Kaufen!

Soundtrack dazu: Youth Avoiders – On The Run, was sonst?

PS: Warum ich Estelle Surbranche liebe – WE ARE ALL A MINOR THREAT!

Estelle Surbranche ( (c) Polar Verlag 2019)
Estelle Surbranche ( (c) Polar Verlag 2019)

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.427

William Boyle - Einsame Zeugin (Polar Verlag, 2019)
William Boyle – Einsame Zeugin (Polar Verlag, 2019)

Gelesen: 11. – 12.12.2019, netto 289 Seiten. 

Das zweite Buch von William Boyle im Polar Verlag. Amy, die in Gravesend eine ehr begleitende Rolle spielte, rückt hier in den Vordergrund.

Ihre Zeit als Barkeeper ist vorbei, ihre Zeit als Punk Rockerin ist vorbei und ihre große Liebe Allesandra ist nach Los Angeles zurückgekehrt um als Schauspielerin Erfolge zu feiern.

Und was macht Amy nach all den Jahren im Underground, in der Szene?

( (c) Polar Verlag 2019)
( (c) Polar Verlag 2019)

Amy landet bei der Kirche. Kümmert sich nicht mehr um Säufer und Szenegänger sondern um alte Leute. Leute die niemanden mehr haben.

Und wird komisch. Bieder. Versteht die Welt nicht mehr. Und stolpert mitten in einen Mord hinein, den sie aber nicht der Polizei meldet. Spielt Detektiv. Und ihre selbst gewählte, einfache und fromme Welt explodiert in 1000 Scherben, die sie nie wieder zusammenbekommt.

Ihr Vater taucht auf, wieder ab und wird von ihr benutzt. Alte Freunde tauchen auf und werden von ihr benutzt. Ihre große Liebe Alessandra taucht auf … und bleibt. Doch nicht. Und am Ende müssen Leute sterben damit sie erkennt das Kirche nicht das richtige ist.

Der Cliffhänger am Ende ist dann eine wunderbare Parabel – ich bin sehr gespannt wie diese Geschichte weitergeht. Run Amy, run!

Soundtrack dazu: The Mahones – Streets Of New York, was sonst?