Bücher, schnell gelesen: 1.620

Attica Locke – Pleasantville (Polar Verlag, 2022)

Gelesen: 26.12.2022 – 04.01.2023 (netto 431 Seiten)

Aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf.

Pleasantville spielt inhaltlich 15 Jahre nach Black Water Rising und funktioniert wahrscheinlich am besten wenn es im Zusammenhang gelesen wird.

Jay, der Anwalt aus Black Water Rising, hat Cole Oil in die Knie gezwungen – allerdings nur vor Gericht. Gezahlt haben sie bisher nicht. Dazu ist noch seine Frau verstorben, so dass ein ehr verbitterter und müder Jay – mit zwei Kindern an der Backe – irgendwie versucht einen Burn-Out zu vermeiden.

Als eine junge Schwarze verschwindet rutscht Jay in eine Geschichte die Vordergründig eine Krimi ist aber Attica Locke ehr dazu dient eine historische Anklage zu schreiben: Aufstieg und Niedergang der schwarzen Mittelschicht in Pleasantville (es lohnt sich die Geschichte dieser Siedlung nachzulesen).

Locke seziert förmlich den Konflikt zwischen Alteingesessenen und den Jüngeren und legt offen wie das Weiße Amerika (hier in Form der Republikaner) es schaft das Wahlsystem so zu pervertieren das eine Wahl so oder so zu ihren Gunsten ausgeht. Und dabei eben gewachsene Communities wie Plesantville zerstört.

Der Krimi-Plot beschert Jay und seiner Familie jede Menge Ärger, die politische Geschichte zeigt auf warum die US of A heute eine derart verhunzte Demokratie sind und warum das Land so tief gespalten ist.

Kein Krimi, sondern großartige politische Literatur.

Soundtrack dazu: Bozos – Echo Chamber, was sonst?

PS: Und Attica so?

PPS: Ein guter Abriss über die Geschichte von Pleasantville

Bücher, schnell gelesen: 1.619

Chris Harding Thornton – Pickard County (Polar Verlag, 2022)

Gelesen: 20.12. – 25.12.2022 (netto 293 Seiten)

Aus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt.

Der Polar Verlag hat ja bei mir mehr als einen Stein im Brett und trotzdem schafft er es immer wieder kleine Überraschungen zu setzen.

Pickard County (im Original Pickard Couny Atlas) ist so ein Buch: Kein Krimi im direkten Sinn (denn es gibt für den Cop kein wirkliches Verbrechen zu klären) sondern eine extrem detailierte Ansicht des Lebens in den Sandhills von Nebraska.

Harley Jensen ist die Nachtschicht des County Sheriff und verbringt seine ruhelosen Nächte auf den Straßen des Counties. Und in den verlassenen Farmen. Ebenso ruhelos ist Pam Reddick, eine junge Frau und irgndwie Trailer-Trash. Und sie möchte nur weg. Wärend Harley ihren Schwager – den lokalen Bösewicht – festsetzen möchte.

Das ganze Buch ist wunderbar dunkel (wie die Nachtschicht von Harley), die Menschen sind einsam und auf der Suche und jeder schleppt eine Tragödie mit sich rum.

Alles deutet auf eine tödliche Kollision der Charactäre hin – aber Chris Harding Thornton hat das ganze viel cleverer angelegt.

If Pickard County Atlas taught me anything, it’s that writing, for me, is method acting. I’ve accepted that, so that’s something different. People give method actors a tough time, and I get it, but I had to be Pam and Paul and Harley and Virginia and Rick and Babe and the rest. I had to live in their heads to be able to write them.

Chris Harding Thornton in einem Interview.

Ein fast schon ungewöhnliches Buch – trotz mangels an Mord, Todschlag sowie Blut und Tränen extrem spannend. Und das stimmig hinzubekommen ist schon eine Leistung!

Soundtrack dazu: Levi Bradis – Sandhill Plains, was sonst?

PS: Und Chris Harding Thornton so?

Bücher, schnell gelesen: 1.618

Gunnar Staalesen – Kalte Herzen (Polar Verlag, 2022)

Gelesen: 15.11. – 19.12.2022 (netto 311 Seiten)

Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs und Nils Schulz

Mit Todesmörder brachte der Polar Verlag Band 15 aus der Varg Veum Reihe heraus, in der Dark Places Reihe von Polar kommt jetzt Band 16 (im Original 2008 erschienen).

Und für diesen Band sind die Dark Places ziemlich genau die kalten Herzen der Norweger: Drogen, Sexhandwerk und die Kombination von beiden werden ehr als geschäftliche Transaktionen gesehen und ausgeblendet.

Aber Var, der ex-Sozialarbeiter, guckt nicht weg als eine Sexarbeiterin ihn beauftragt eine Freundin zu finden. Und als Privatdetektiv macht er das was er als Sozialarbeiter bereits gelernt hat – zuhören. Beobachten. Nicht locker lassen.

Und Schicht für Schicht der Geschichte aufpulen. Und das schlägt dann voll auf die ach-so-guten Norweger zurück.

Am Ende 2 Jahre Knast für die Geschäftemacher, länger für die Mörder und der Tot für die Opfer. Irgendwas läuft falsch in Norwegen, oder?

Im Nachwort von Carsten Germis wird Var mit Ross MacDonals Lew Archer verglichen – ein sehr passender Vergleich. Und damit ein auch ein ehr un-norwegischer Krimi. Und das gefällt mir!

Soundtrack dazu: The Abusers – On Dope And Broke, was sonst?

PS: Die norwegische Verfilmung gab es auch im Deutschen TV