Tag: Jake Hinkson

  • Bücher, schnell gelesen: 1.822

    Bücher, schnell gelesen: 1.822

    Jake Hinkson – Verdorrtes Land (Polar Verlag, 2021)

    Gelesen: 18. – 20.03.2026 (netto 354 Seiten)

    Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger.

    Boah, wie konnte mir dieses Buch 2021 nur durchrutschen. Zum Glück hat mich Die Tochter Des Predigers daran erinnert das ich das in der kleinen Buchhandlung meiner Wahl nachbestellen muss.

    Und ich wurde nicht enttäuscht!

    Es geht wieder mal gaaaanz nach hinten, in die Wälder und in die Ozarks von Arkansas. Da wo die Kirchen Dry Countys halten.

    Richard Weatherford ist ein erfolgreicher Prediger im Van Buren County, sowohl in der Kirche, in der Gemeinde und in der Familie: Frau, 5 Kinder.

    Und mit einem Geheimnis: Er hat was mit … einem jungen Mann. Und der droht das öffentlich zu machen. Und alles was jetzt passiert ist wie das abschälen von Borke auf einer fiesen Wunde. Und es wird kräftig eitern. Und weh tun.

    Und der Grund ist einfach: Der Prediger tut alles (wirklich alles) um seine Kirche, seine Familie und seinen Ruf zu schützen. Und, wie immer in so kleinen Gemeinschaften, machen das auch andere, aus anderen Gründen.

    Und so kommen sich langsam aber sicher viele Interessen in die Quere, werden Schicksalsgemeinschaften gebildet und zerbrechen und jeder verfolgt – gnadenlos – seine eigenen Ziele.

    Und während die Hauptfiguren abwechselnd ihre nächsten Schritte planen, gerät die Situation erwartungsgemäß völlig außer Kontrolle. Mit einer der erschreckend nüchternen Wucht. Ohne Chance auf ein “Stop”.

    Jake Hinkson führt seinen Helden Schritt für Schritt in einen immer kräftiger brodelnden Sumpf aus Korrumpierung und Korruption. Und gönnt dem ganzen Spektakel dann ein geradezu unvergessliches, blutiges und tödliches Ende.

    Perfekt angesiedelt im hinterwäldlerischen Arkansas werden in diesem herrlich düsteren Noir schonungslos die Auswirkungen existenzieller und spiritueller Verzweiflung in einer wirtschaftlich angeschlagenen Stadt, in der der Einfluss religiösen Fundamentalismus erdrückend ist, auf eine perfekte down hill Spirale geschickt.

    Ganz viel rohe Emotionen und eine verstörend realistische Darstellung des amerikanischen Kleinstadtlebens.

    Und, SPOILER, natürlich rettet der Prediger seinen Arsch. Um den Preis seine Frau lecken zu müssen.

    Mega!

    Soundtrack dazu: Mark Lind and The Unloved – Mr. Preacher (Hanging On/Better Days), was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.810

    Bücher, schnell gelesen: 1.810

    Jake Hinkson – Die Tochter Des Predigers (Polar Verlag, 2025)

    Gelesen: 15. – 18.01.2026 (netto 325 Seiten)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Bürger.

    So früh im Jahr und ich muss schon meine interne Shortlist für das beste Buch des Jahres aufmachen. Danke, Polar Verlag!

    Es ist ein Buch voller Kontraste und es fängt ganz wunderbar blutig an. Und in diesen Anfang hat Jake Hinkson auch schon einen ganzen wunderbaren Kniff eingebaut (den ich natürlich nicht verrate).

    Und schwenkt dann auf Lily, einem jungen Mädchen aus einer archaischen Kirche: Sie ist Mitglied bei den Oneness Pentecostals, eine Strömung innerhalb der Pfingstbewegung. Für die gibt es keine Dreifaltigkeit sondern ein ungeteiltes Wesen, das sich in verschiedenen Formen offenbart und Jesus ist.

    Und, klar, die haben einen Hau: Keine Handys, keine Fernseher, kein Make-Up, die Frauen schneiden ihre Haare nicht und … die Gemeinde spricht bei ihren Gottesdiensten in Zungen.

    Lily ist 18, schwanger und ihre Freund Peter ist verschwunden. Helfen will ihr keiner, weder die Polizei noch die Familie. Noch Peters Familie. Alle sind ehr damit beschäftigt, die Schande der Schwangerschaft zu bespielen.

    Die Kirchengemeinde ist klein und hält zusammen, nach sehr archaischen Vorstellungen. Im Laufe des Buches kostet das Lilys Vater auch den Job als Pastor der Gemeinde.

    Lily aber ist mit dem einfachen aber klaren Kompass der Kirche aufgewachsen und folgt diesem: Sie kann nicht glauben, das Peter sie und sein Kind verlassen hat. Und stellt Fragen. Und folgt Spuren.

    Und trifft auf einen Onkel, der eine Persona non-grata in der Familie ist: Eigentlich der Bruder ihrer Mutter, aber entstanden aus eine Affäre ihrer Großmutter. Ein Berg von einem Mann. Schwul. Atheist. Aber er hat mit Peter in einem Hotel zusammengearbeitet.

    Die absolute Unschuld von Lily bringt sie natürlich in Gefahr, denn das Hotel wird auch benutzt um Geld aus Zwangsprostitution zu schlagen. Und da Lily einfach nicht locker läßt und die Gefahr nicht kennt auf die sie zusteuert, hilft ihr Onkel ihr.

    Am Ende finden sie Peter, aber der Kniff vom Anfang des Buches kommt quer. Und statt eines Happy Ends gibt es ein Blutbad und eine Lily, die sich die Haare abschneidet.

    Denn Jesus hat ihr am Ende auf ihre Fragen nicht geantwortet. Und die Kirchgänger entpuppen sich nicht nur als brave Irre.

    Wow, was für ein klasse Buch und was für eine coole Noir-Story. Das Setting im ländlichen Arkansas und im Dunstkreis einer aus meiner Sicht durchgeknallten Kirchengemeinde ist nahezu perfekt.

    Das beste aber ist, das Lily ihrem Kompass folgt. Der ist einfach, aber das ist das einzige was sie hat. Und der führt sie mit Hilfe ihres Onkels durch das ländliche Arkansas, heruntergekommene Motels, zu Kleinkriminellen und plötzlicher, brutaler Gewalt.

    Ähnlich wie S.A. Cosbys „Die Rache Der Väter“ zwingt er zwei gebrochene Menschen, Fragen zu ihrem eigenen Leben zu stellen. Nur das es hier bei den Fragen bleibt. Das Blut, das bekommen die anderen schon hin.

    Großartig. Einzige Kritik: Der Originaltitel ist “Find Him” und spiegelt die Quintessenz des Buches viel besser wieder. Das ist nämlich der Ansporn für Lily, der nie versiegt.

    Soundtrack dazu: Off With Their Heads – Come Find Me, was sonst?

    PS: Bereits 2021 erschien Verdorrtes Land von Jake Hinkson bei Polar. Und irgendwie ist mir das durchgerutscht, obwohl ich immer alles vom Polar Verlag blind kaufe. Damn!

    PPS: Und Conway, Arkansas?