Bücher, schnell gelesen: 1.621

Kevin Barry – Nachtfähre Nach Tanger (Rowohlt, 2022)

Gelesen: 05.01. – 08.01.2023 (netto 196 Seiten)

Aus dem Englischen von Thomas Überhoff.

Ach, zu schön. Das erste Buch 2023 ist ein schmaler Band mit ehr abschreckendem Titel und abschreckendem Umschlgasbild. Aber dafür hat es dieses Buch – ebenso wie die Hauptdarsteller – fist thick behind the ears.

Der Aufbau des Buches ist dabei extrem hilfreich, es wechselt zwischen banter (Charlie und Maurice, die Hauptpersonen) und Rückschau (quasi Background zum banter).

Du kennst BANTER nicht?

Oxford Dictionary: Banter is the playful and friendly exchange of teasing remarks.

Oder:

The magnificent art of using word play, opinions, exaggeration, irony, sarcasm, and other comedic themes to (playfully) humiliate, make fun of, and laugh at your friends. This word is most commonly used in Britain, but 'Banter' is used around the world.

Tom: Your dick is so small!
Dick: Your mum didn't seem to mind it last night!
Harry: (absent)

Charlie und Maurice sind in die Jahre gekommene irische Gangster aus der Berufsgattung Drogenhändler. Waren ganz oben, jetzt ist das Geld ist weg (die eigene Drogenabhängigkeit zum Glück auch), die Frau die beide liebten ist Tot und die Tochter von Maurice ist auch auf und davon.

Im Fährhafen von Algecrias warten sie auf die Fähre aus Tanger … denn die Straße erzählt das die Tochter von dort übersetzen könnte. Und street smart sind die beiden immer noch.

Und während Maurice und Charlie einander frozzeln und versuchen aus Dreadlock Hippies mit räudigen Kötern informationen herauszubekommen erzählen uns die Rückschauen das gesamte Grauen das mit diesen beiden einhergeht.

(c) Rowohlt Verlag Hamburg

Der Humor ist in den Dialogen, das Grauen in der Rückschau. Das ganze ist eine detaillierte und ziemlich eindringliche Darstellung von Verbrechen (vor allem im Sektor Drogen) und den wahren Folgen: Verschwendung, die wahnsinnigen Risiken (für einen Selbst und für die Liebsten), die latente Bedrohungslage, die Paranoia und die dubiosen Geldwäsche- und Immobiliendeals.

Und natürlich den Tribut an die eigenen Seele (“Angst essen Seele auf”).

Großes Kopfkino, immer humorvoll und mit einem überraschendem Ende. Verraten will ich nur das Maurice und Charlie offensichtlich auf ewig in diesem Fährterminal (als Vorort zur Hölle) gefangen sind.

Klasse Buch, guter Einstieg in 2023!

Soundtrack dazu: Wat Tyler – Visions Of The Daughters Of Albion, was sonst?

PS: Und Kevin Barry so?

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