Bücher, schnell gelesen: Teil 1.566

Ivy Pochoda – Diese Frauen (Ars Vivendi, 2021)

Gelesen: 01. – 04.01.2022, netto 347 Seiten

Besser kann das Jahr nicht beginnen:

Nach Weihnachten die Batterien aufgeladen mit Blick auf die Nordsee (wenn nicht grad der Nebel des Grauens über die Dünen zog), zurück noch eine Woche Resturlaub und die erste Platte, die durch die Tür kommt, ist die großartige The Chisel LP.

Und wegelesen ein Buch das sich direkt für den Titel Buch des Jahres anstellt. Ganz vorne.

Ivy Pochoda hat mit ihrem Debüt direkt mein Buch des Jahres 2019 hingelegt. Und nach einem kleinen Ausflug nach NYC kommt sie mit Diese Frauen nach L.A. zurück.

Und genauso wie in Wonder Valley gibt es wieder die magische Zahl 5: Das Buch ist nicht weniger als der mehr als gelungene Versuch Serienmorde nicht aus der Sicht der Ermittler oder des Täters zu beschreiben, sondern aus der Sicht von 5 Frauen.

Einer Tänzerin (die ihr Geld mit körpernahen Dienstleistungen verdient).
Einer Mutter (die ihre Tochter an den Serienkiller verloren hat).
Einer Polizistin (die im wahrsten Sinne des Wortes zu kurz gekommen ist).
Einer Künstlerin (die vor ihrer Familie flieht).
Einer Ehefrau (die Regeln braucht um am Leben zu bleiben).

Dazu gibt es O-Ton von dem einzigen Opfer, das überlebt hat.

Und natürlich überkreuzen sich die Koordinaten der 5+1 Frauen: Alle leben entlang der Western Avenue, in Jefferson Park.

In einem Interview sagte Ivy Pochoda das der ganze Fetisch rund um Serienkiller sie genervt hat und sie daher eine neue Perspektive auf das Thema gesucht hat. Und die hat sie gefunden: Unglaublich coole Frauen mit jeder Menge street smartness … wo auf den zweiten Blick klar wird das diese smartness (und die coolen Worte) nicht weniger als ihr Überlebenselixier bzw. Schutzschild ist.

Und dazu jede Menge unausgesprochener Regeln: Wo darf ich was machen, wo darf ich wie lang … alles um Das Böse (das in vielen Formen kommen kann) zu vermeiden. Um zu überleben.

Und wie ein Hohn steht ihnen das LAPD mit seinem Slogan “To Protect and To Serve” gegenüber. Eine Mordserie über 17 Jahre – ignoriert. Der Hilfeschrei einer Überlebenden? Nicht gehört. Der verzweifelte Hinweis ein Ehefrau auf ihren Mann … in den Akten verstaubt. Und der einzige Cop der es merkt? Ist ein 1,40 große Latina die beim LAPD abgeschoben ist und ganz offensichtlich einen Hau hat.

Großartige Frauen, großartiger Rhythmus in der Geschichte und ein spannendes Ende ohne Happy End. Und ganz ohne Männer in einer Hauptrolle.

Ganz stark.

Und für mich als LA Crime Fetischist natürlich ein gelungenes Fressen.

Mehr davon. Bitte!

Soundtrack dazu: Futura – Amigo Policía No Existe, was sonst?

was sonst?

PS: Und Ars Videndi gebührt der Dank für das unveränderte Cover…

PPS: Und sie teilt ihre Lieblingsbücher mit ihrer Tochert (und vice-versa), definitiv eine großartige Frau.

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