Bücher, schnell gelesen: Teil 1.487

George Pelecanos – Das Dunkle Herz Der Stadt (Ars Vivendi, 2020)

Gelesen: 09. – 11.11.2020, netto 238 Seiten

George Pelecanos hat es drauf. Er schreibt Geschichten über das echte Amerika. Das Amerika, das sein dunkles Herz in Washington, DC hat.

So oder so.

Im Original ist der Titel „Down By The River Where The Dead Men Go“ und ist damit ein klein wenig smarter als der deutsche Titel. Denn da unten am Fluss, da wacht Nick Stefanos nach einem weiteren Alkohol Blackout auf und er innert sich Dunkel, das er wohl einen Mord mitbekommen hat.

Pelecanos erzählt den Abstieg in die Blackouts mit viel Street Credibility, vor allem für mich der DC/HC zu einem sehr lieb gewonnenem Genre zählt…

George Pelecanos ( (c) Ars Vivendi 2020)

Irgendwas an diesem Mord an einem schwarzen Teenager berührt Nick und irgendwie spornt ihn die Einschätzung der Polizei (Drogenmord) an, der Sache auf den Grund zu gehen.

Als Barkeeper und Alkoholiker nicht einfach, als Alkoholiker mit einer Freundin die ein Alkoholproblem hat noch schwerer – also schießt er die Beziehung in den Wind und verbeißt sich an dem Fall. Und ab hier wird das eine wunderbar stringente Story, bei der Nick nicht aufgibt bevor er nicht vor dem Schuldigen steht. Und dieser zur Rechenschaft gezogen wird. Und das führt zu … noch mehr Toten.

Drogen, Gewalt, Rassismus und Schwulenpornos verspricht der Klappentext. Alles wird gehalten, mit einer ordentlichen Portion Street Credibility. Und das beste: Wo andere 500 Seiten brauchen, packt Pelecanos das in ganze präzise Sprache und in ganz Präzise Darstellungen … und wenig mehr als 200 Seiten.

Ein ganz großer Autor, ein ganz feines Buch. Immer mehr davon bitte!

Soundtrack dazu: Minor Threat – In My Eyes, was sonst?

PS: Und warum? Darum:

You tell me that nothing matters
You’re just fucking scared
You tell me that I’m better
You just hate yourself
You tell me that you like her
You just wish you did
You tell me that I make no difference
Well at least I’m fucking trying
What the fuck have you done?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.479

Ivy Pochoda – Visitation Street (Ars Videndi, 2020)

Gelesen: 16. – 24.09.2020, netto 299 Seiten

Das erste Buch von Ivy Pochoda war mein Buch des Jahres 2019:

Ich habe selten eine so gnadenlos harte Darstellung des realen Lebens und der Kollision von Menschen außerhalb eines Hard-boiled Krimis gelesen. Kriminelle kommen hier auch vor, sind aber nur Realität.

Visitation Street ist ihr zweiter Streich, diesmal auf der gaaaaanz anderen Seite der US of A: Red Hook, Brooklyn, NYC ist die Location. Ein eigentlich vergessener Ort, der kurz vor der Gentrifizierung steht.

Wie auch bei Wonder Valley schafft Ivy Pochoda ein unfassbar dichtes Geflecht von Menschen, Motivationen und menschlichen als auch örtlichen Lebenslinien.

Das ganze betrachten wir wie durch ein Kaleidoskop und drehen dabei die Zeit langsam nach vorne. Lebenslinien streben aufeinander zu und von einander weg. Kreuzen sich friedlich oder mit Gewalt. Haben Wurzeln, in Red Hook oder woanders.

Ivy und die Übersetzerin ins Deutsche, Barbara Heller, schaffen eine tolle Atmosphäre: Zerbrechlichkeit vs. Widerstandskraft, dunkle Geheimnisse die sich als noch schlimmer herausstellen, Zukunftshoffnung vs. Gentrifizierung.

Dazu noch eine clever versteckte Lehrstunde in Sachen „Social Media 1.0“.

Kein Krimi aber wieder durchsetzt mit kriminellen Personen. Die einfach zur Realität gehören. Und das ganze damit so stark machen.

Ganz stark. Definitiv lesen. Bei mir zündet diese Art Bücher das ganz große Kopfkino, dann muss ich nach Bildern suchen um das zu befriedigen. Und, quelle surprise, die Bilder die das Buch erzeugt stimmen mit der Realität überein. Das schaffen nur wenige Autoren so gut – Chapeau Ivy!

Ich glaube für ihre Bücher muss eine eigene Kategorie geschaffen werden, die sind wirklich ganz einzig.

Soundtrack dazu: Zeke – Horror at Red Hook, was sonst?

PS: Was sagt Ivy?

PPS: Wie sind die Menschen in Red Hook so?

PPPS: Und die Läden?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.425

Ivy Pochoda - Wonder Valley (Ars Videndi, 2019)
Ivy Pochoda – Wonder Valley (Ars Videndi, 2019)

Gelesen: 30.11. – 06.12.2019, netto 384 Seiten.

Wow, das ist ein sehr überzeugendes Buch. Tatsächlich mit das beste was ich seit langer Zeit über L.A. gelesen habe.

Fünf verlorene Seelen, fünf Schicksale, die unter der gnadenlose Sonne Kaliforniens aufeinanderprallen. Ein grandioses und schockierendes L.A.-Porträt von einer der vielversprechendsten jungen literarischen stimmen Amerikas" (Klappentext)

"Ein atemberaubender kaleidoskopischer Roman (Los Angeles Times)"

Eigentlich sind Klappentexte ja immer so eine Sache, hier passen sie wie die Faust aufs Auge, wie die Nadel in die Vene, wie die Droge ins Gehirn. 

Aus vielen kleinen Dingen, Ereignissen und Interaktionen zwischen den handelnden Personen formt sich tatsächlich kaleidoskopartig ein Bild von L.A. (und den US of A) und das ist … Hell on Earth. 

Denn am Ende treffen wir allen entlang der Skid Row in L.A. wieder. Und nicht alle überleben die Skid Row, was wahrlich nicht verwunderlich ist. Drogen. Gewalt. Obdachlosigkeit. Geldsorgen. Polizei. You name it.

Auftakt und Ende des Romanes ist dermaßen gelungen, das mein Kopfkino direkt in einem großen Saal mit Techniscope zündet. Im Grunde eine einzige Kamerafahrt in das buch hinein (und am Ende wieder heraus). Wow – großartiger Scheiß!

Fun Fact: Ivy Pochoda ist 1977 (sic!) geboren und war Profi -Squasch-Spielerin. Was für ein verschwendetes Talent! Ich habe selten eine so gnadenlos harte Darstellung des realen Lebens und der Kollision von Menschen außerhalb eines Hard-boiled Krimis gelesen. Kriminelle kommen hier auch vor, sind aber nur Realität.

Für mich eines der Top 10 Bücher 2019 – bitte unbedingt lesen.

Soundtrack dazu: X – We’re Desperate, was sonst?