Bücher, schnell gelesen: Teil 1.425

Ivy Pochoda - Wonder Valley (Ars Videndi, 2019)
Ivy Pochoda – Wonder Valley (Ars Videndi, 2019)

Gelesen: 30.11. – 06.12.2019, netto 384 Seiten.

Wow, das ist ein sehr überzeugendes Buch. Tatsächlich mit das beste was ich seit langer Zeit über L.A. gelesen habe.

Fünf verlorene Seelen, fünf Schicksale, die unter der gnadenlose Sonne Kaliforniens aufeinanderprallen. Ein grandioses und schockierendes L.A.-Porträt von einer der vielversprechendsten jungen literarischen stimmen Amerikas" (Klappentext)

"Ein atemberaubender kaleidoskopischer Roman (Los Angeles Times)"

Eigentlich sind Klappentexte ja immer so eine Sache, hier passen sie wie die Faust aufs Auge, wie die Nadel in die Vene, wie die Droge ins Gehirn. 

Aus vielen kleinen Dingen, Ereignissen und Interaktionen zwischen den handelnden Personen formt sich tatsächlich kaleidoskopartig ein Bild von L.A. (und den US of A) und das ist … Hell on Earth. 

Denn am Ende treffen wir allen entlang der Skid Row in L.A. wieder. Und nicht alle überleben die Skid Row, was wahrlich nicht verwunderlich ist. Drogen. Gewalt. Obdachlosigkeit. Geldsorgen. Polizei. You name it.

Auftakt und Ende des Romanes ist dermaßen gelungen, das mein Kopfkino direkt in einem großen Saal mit Techniscope zündet. Im Grunde eine einzige Kamerafahrt in das buch hinein (und am Ende wieder heraus). Wow – großartiger Scheiß!

Fun Fact: Ivy Pochoda ist 1977 (sic!) geboren und war Profi -Squasch-Spielerin. Was für ein verschwendetes Talent! Ich habe selten eine so gnadenlos harte Darstellung des realen Lebens und der Kollision von Menschen außerhalb eines Hard-boiled Krimis gelesen. Kriminelle kommen hier auch vor, sind aber nur Realität.

Für mich eines der Top 10 Bücher 2019 – bitte unbedingt lesen.

Soundtrack dazu: X – We’re Desperate, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.422

George Pelecanos - Prisoners (Ars Vivendi, 2019)
George Pelecanos – Prisoners (Ars Vivendi, 2019)

Gelesen: 15. – 21.11.2019, netto 220 Seiten.

Hui, das ist eine schönes kleines Buch. Gewidmet ist es Charles Willeford und Elmore Leonard (zwei meiner ewigen Helden), im Buch selbst kommen dann noch viele weitere Autoren (und Bücher) vor. Was soll sowas in einem Krimi?

Das passt schon, den es ist ein Krimi der vor allem die Freiheit die einem das lesen von Büchern verschafft in den Vordergrund stellt.

Michael Hudson, ehr so aus der Mittelschicht, hat es gerade und so eben geschafft für einen Überfall nicht einzufahren. Während der Untersuchungshaft lernt er über die Gefängnisbibliothekarin Anna das Lesen kennen und verliebt sich in Bücher.

Entlang dieser Büche muss er draußen das richtige tun, um nicht wieder einzufahren. Das richtige tun ist aber schwer, da er gezwungen wird an verbrechen teilzunehmen.

Ein ganz wunderschönes kleines Buch über die Macht von Büchern und die Schwierigkeit, das richtige zu machen. Und zu überleben. Denn am Ende gibt es auch Tote.

Und ja, für soviel DC Street Credibility kann mann George nur lieben. Wenn du Bücher liebst, dann ist das was für dich!

Soundtrack dazu: Government Issue – Man In A Trap, was sonst?

PS: Das englische Original hat den smarteren Titel, ohne Frage.

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.262

George Pelecanos - Hard Revolution (Ars Vivendi, 2017)
George Pelecanos – Hard Revolution (Ars Vivendi, 2017)

Gelesen: 23.08. – 27.08.2017, netto 389 Seiten.

George P. Pelecanos ist ja sowas wie der Geschichtsschreiber von D.C. (wie in Washington D.C.) und hier breitet er ganz großes Epos aus – von 1957 geht es bis 1968. Von den unschuldigen Spielen weißer und schwarzer Jungs bis zu den Riots, die D.C. für fast eine Woche lahmlegten (nachdem Martin Luther King JR am 04.04.1968 ermordet wurde).

Geschickt erzählt er dabei im Vordergrund die Geschichte des jungen Cops Derek Strange und im Hintergrund von den vielen Ungerechtigkeiten, die schwarze damals ertragen mussten. Und die verhindern sollten, das sie aufsteigen. Schwarze Cops waren die Ausnahme und wenn dann nur in einfachen Dienstgraden und korrupte Weiße Cops die Norm. Dazu packt Pelecanos jede Menge Musik und zeigt wie wichtig Musik für die Identität von Generationen (und Kulturen) war.

Die Geschichte wird breit und langsam erzählt und am Ende muss der langsame und träge Fluss durch ein immer engeres Tal: Die Geschwindigkeit nimmt zu, der Wasserstand wird höher und irgendwann brechen alle Deiche. Und die Musik verschwindet und wird durch den Lärm von Waffen und Feuer ersetzt.

Happy End? There ain’t no fuckin‘ happy end! Großes Kopfkino, wenn auch manchmal mit einem moralischen Zeigefinger (etwas, was bei mir immer Ekel auslöst). Ansonsten ein perfektes Buch mit einem Einblick in eine tief rassistische Gesellschaft!

Soundtrack dazu:  Listen to the youth, what else? Oder dem von George zusammengestellten Soundtrack.

PS: Das amerikanische Cover ist irgendwie stimmiger…

George Pelecanos - Hard Revolution (Little, Brown and Company , 2004)
George Pelecanos – Hard Revolution (Little, Brown and Company , 2004)