Bücher, schnell gelesen: Teil 1.501

JC Carroll – (Still) Annoying the Neighbours (Anglo Centric Books, 2020)

Gelesen: 09. – 16.01.2021, netto 219 Seiten (in Englisch, gibt es nicht auf Deutsch).

The Members, eine meine Liebsten. Eine der Band, sagen wir mal aus der 1,5ten Punk Generation in London, die ich definitiv verehre. Gleich neben den Ruts. Und JC Carroll, der Gitarrist, hat in einer echten DIY Aktion eine ganz wunderbare Biographie geschrieben.

Der Untertitel „From the Surrey Suburbs to the World & back“ trifft es dann auch. Während ich und viele meiner Freunde die Band und ihre frühen Songs gaaaanz hoch halten waren sie doch sowas wie ein One-Hit-Wonder.

JC ist relativ arm im Nachkriegsengland (dem es lange schlechter als Deutschland ging) aufgewachsen und die Musik war seine kleine Flucht, auch wenn er (1956 geboren) am Anfang der Punk Zeit noch bei einer Bank gearbeitet hat. Aber das hat er bald sausen lassen, den die Members hatten von 0 auf 100 Erfolg, vor allem mit „Sound of the Suburbs“, einem der größten Sing-A-Longs aller Zeiten:

1977 auf dem Streets Sampler, 1978 mit Solidary Confinement eine großartige (und oft gecoverte) Single und 1979/1980 sage und schreibe 5 Singles und 2 LPs bei Virgin. Die meisten Hits von JC geschrieben. Während seiner Bank Zeit auch das großartige und vorausschauende Offshore Banking Business:

Angezündet und verbrannt. Und davon erzählt JC auch – die Members waren auf Tour, einmal rund um die Welt mit allem was an Alkohol und Drogen dazugehört und kamen tatsächlich mit nix (JC mit 20 US Dollar) in der Tasche zurück. Während in England andere Bands großen Erfolg hatten.

Und nach einer erfolglosen LP 1982 war dann 1983 Schluss. Und für JC war es dann das auch – er kümmerte sich um andere Dinge, heiratete und wurde … ein erfolgreicher Klamottenverkäufer. Vintage. Filmausstatter. Sound Designer für Filme. Aber keine Band mehr. Bis er sich mit seiner Frau überwarf. Pleite ging.

Im Buch spricht er offen über sein Ups und Downs und auch davon das die Royalty-Schecks von Sound of the Suburbs ihm durch einige Pleiten geholfen haben. One Hit Wonder Luck.

Ab 2007 hatte er dann wieder Bock und übernahm den Namen The Members (da Nick Tesco keinen Bock mehr auf Musik hatte) und führte sie mit wechselnden Musikern fort. Unter anderem auch mit Rat Scabies, der ihn dann vor Gericht noch um lächerliche 1.200 GBP erleichterte. Aber JC wurschtelt sich durch, nimmt die harte Route der kleinen Touren durch Europe: Mit 3-4 Musikern in einem Auto, die kleinen Clubs und manchmal vielen und manchmal wenigen Zuschauern. Aber sehr oft glücklichen Fans vor der Bühne.

Und von Blackpool (Rebellion) ist er ein ganz großer Freund:

(c) JC Carroll 2020

Ein klasse Buch von einem, der in einer meiner Lieblingsbands gespielt hat. Von einem, der durch Punk gelernt hat das es keine Grenzen gibt und das DIY kein Spruch ist. Und der mit sich Ehrlich und im Reinen ist.

Schön auch, das Thema „Plattenfirma“ und „Schulden für eine LP“ genauso wie im großartigem Ruts Buch vorkommt – Danke Virgin. Nicht.

Fun Fact am Rande: JC Carroll ist auch in diesem Clash LP Cover:

Black Market Clash LP Cover (1980)

Die Riots fanden nämlich vor seiner Bude statt, er guckt oben links aus dem Fenster.

Soundtrack dazu: Mein Lieblingssong von meiner Lieblings LP – „1980 – The Choice Is yours“ hat auf A5 diese Hit mit einem großartigen Text versteckt…

PS: Das Buch bestellt ihr am besten direkt bei JC, dann gibt es eine Widmung.

… at least JC did not attempt to write „Dick“ (like some others do)

PPS: Und wie sehen die heutigen Members aus? So!

The Members 2020

PPPS: Und das Buch?

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