Bücher, schnell gelesen: Teil 1.480

Cormac McCarthy – Die Abendröte Im Westen (Rowohlt, 2016)

Gelesen: 25.09. – 01.10.2020, netto 434 Seiten

Seit über 4 Jahren liegt mein Freund Stefan mir in den Ohren „…das mußt du jetzt aber auch lesen„. Spätestens seitdem ich Das Böse Im Blut gelesen hatte wurde er immer drängender.

Warum? Beide Bücher gucken in die gleiche Ecke und haben letztendlich den gleichen Ansatz: Die Eroberung des Westens war alles andere als eine saubere Sache. Alles andere als Ehrenhaft. Die US of A sind eine Nation die auf Krieg gebaut ist, eine Nation die mehr als eine Kultur ausgelöscht hat.

Wie auch in Das Böse Im Blut begleiten wir einen jungen Amerikaner in den Westen wo er sich einer Gruppe Freischärler anschließt die im noch mexikanischen Teil von Texas Indianer töten (und per Skalp bezahlt werden).

McCarthy trifft dabei den gleichen Level an lakonischer Brutalität (Skalpieren, lebend Häuten, Nekrophilie – you name it) legt aber seinen Focus viel weiter: Er erzählt diese Eroberung des Westens getrieben durch einen Visionär („Der Richter“) der nicht nur die Welt entdecken will sondern sie sich auch untertan machen will.

Ein wunderbares Buch ohne Hoffnung, ohne Mitleid und ohne Gnade. Und mit einem ganz lakonischen Rhytmus: Vertrag, Apachen suchen, kämpfen, skalpieren, Wüste und Apachen überleben, Vertrag einlösen, Geld verhuren und versaufen, neuen Vertrag machen …

Und das beste: McCarthy schafft eine fast poetische und malerische Beschreibung der Landschaften und der Welt, der sich diese Irren gegenüber sahen.

Und der Richter, ja Stefan, der ist tatsächlich eine Figur von biblischer Größe (und einem Verstand, der trotz allem Blutdurst über dem der gemeinen Bewohner und den noch gemeineren Gästen dieses Landstriches liegt).

Deswegen überlebt er auch.

Soundtrack dazu: The Penetrators – Guns Don’t Argue, was sonst?

PS: Das Buch gilt bis dato als unverfilmbar – selbst Ridley Scott hat es nicht gepackt.

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