Bücher, schnell gelesen: Teil 1.459

Jeanine Cummins – American Dirt (Rowohlt, 2020)

Gelesen: 30.06. – 04.07.2020, netto 539 Seiten

Was ist das für ein Buch? Ein Krimi? Ein Road-Movie? Ein Versuch den Menschen in den US of A („El Norte„) klar zu machen unter welchen Umständen und warum Menschen aus dem Süden unbedingt in den Norden wollen?

Schwierig. Sehr schwierig. Das Buch beginnt mit dem „Warum“ und mit einem Knall: 16 Tote, eine komplette Familie in Acapulco wird ausgelöscht. Nur die Frau und ihr Sohn entkommen dem Todeskommando eines Kartelles.

Und Lydia, Frau eines Journalisten der über das Kartell geschrieben hat, macht sich mit Luca auf den Weg in die US of A, nach El Norte. Da sie aber ungewollt eine persönliche Beziehung zum Chef des Kartells hatte (er war Kunde in ihrem Buchladen, sie hatte ja keine Ahnung), muss diese Flucht in der Anonymität der zentralamerikanischen Migranten als blinder Passagier auf einem Güterzug erfolgen. Denn in Hotels, Bussen oder Flugzeugen gibt es immer einen, der sie an das Kartell verrät.

Und damit ist Lydia ganz unten, wird all ihr Geld verlieren und schreckliche Dinge auf „La Bestia“ (wie der Zug in den Norden genannt wird) erleben.

Was als Krimi anfängt wird dann ehr Road Movie und am Ende ein etwas dick aufgetragenes Buch über Flucht, Migration und Mutterliebe. Und es wird klar das es ein Buch wohl ehr für Weiße als für Latinos ist. In den US of A hat das auch zu einer ziemlichen Diskussion geführt:

And that’s why so many of us are upset about this book. We’re not jealous of the money. We’re not demanding our own million-dollar book deals as acts of literary reparations. We don’t want Cummins marched through the streets of the barrio while we throw stale conchas at her. 

We want stories about ourselves that aren’t written for someone else. We want to be taken seriously by the major publishers and the media. We want stories about our experiences that aren’t the equivalent of tear-jerking after-school specials. [...] In order to write this piece I read the book that wasn’t meant for me and, through sheer exploitative force of brutal emotion, I saw myself in it. But the industry gatekeepers who promoted American Dirt didn’t think about recent immigrants, or second-generation Americans, or fifteenth-generation Americans. They didn’t think about us at all. At the end of the day, the publishing industry turned us — my us, not Jeanine Cummins’s us—into the faceless brown masses that it so desperately wanted to humanize. RICHARD Z. SANTOS (Link)

Das Buch ist schon spannend, wenn auch ohne echte Spannung: Das am Ende ein mehr-oder-weniger Happy-End steht ist klar.

Das bessere Buch zum gleichen Thema hat der Polar Verlag rausgebracht: Sam Hawken – Kojoten (Polar Verlag, 2015) beschreibt den letzten Teil der Reise von American Dirt (den Übergang nach El Norte mit Hilfe eines Kojoten) um so viel besser. Und für mich mit mehr Empathie.

Soundtrack dazu: Manic Hispanic – Get Them Immegrated, was sonst?

Und Jeanine Cummins? Die könnt ihr hier hören …

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