Bücher, schnell gelesen: Teil 1.456

Jérôme Leroy – Der Schutzengel (Edition Nautilus, 2020)

Gelesen: 14. – 18.06.2020, netto 338 Seiten

Jérôme Leroy schreibt gerne über den rechten Rand (der in Frankreich ja auch schon ziemlich fett ist) – hier nimmt er sich des Themas „Deep State“ auf eine sehr französische Weise an – nennt es „état profond“ wenn ihr wollt.

3 Protagonisten teilen sich dieses Buch, auf 3 Sichten wird die Geschichte Stück für Stück erzählt: Da ist Berthet und die Kapitel mit Berthet beginnen alle mit:

Berthet soll getötet werden.
Das ist eine ziemlich schlechte Idee.

Und so ist das eben: Berthet ist der Mann fürs Grobe bei der Unité, einer geheimen Geheimpolizei, die für die französischen Eliten den Staat im Staate spielt (damit diese nicht so von der Politik abhängig sind). Er hat ein Hobby, seit vielen Jahren, und das ist Kardiatou Diop (eine wunderschöbne Senegalesin). Sie zu schützen, sie voranzubringen – das gönnt er sich als Ausgleich für seinen mörderischen Job.

Als er merkt das er zwischen die Fronten gerät nimmt er sich mit Martin Joubert einen Schriftsteller ohne Fortune und erzählt ihm die ganze Geschichte der Unité, damit nach seinem wahrscheinlichen Tod einen Gegengewicht Kardiatou schützt.

Kardiatou ist inzwischen Kulturstaatssekretärin und kämpft in einem Wahlkampf gegen die „Front“ (ziemlich deutlich die Front Nationale und ihre Nachfolger). Sie ahnt das irgendeine Macht sie beschützt, kann diese aber nicht festmachen.

Drei Menschen, drei Geschichten und am Ende ein cooler Showdown: Berthet stirbt und gewinnt. Und der wahrscheinlich coolste letzte Satz in einem Krimi.

Ein ganz wunderbares Buch mit ganz viel Lehrstoff: Jede Menge Sex & Machismo, jede Menge Gutes über Wein und gutes Essen, schöne Reflexionen über die Rolle eines Schriftstellers in Zeiten von „Alternativen Fakten“, jede Menge Verschwörungstheorien und dazu ordentlich Action.

Und es wird ordentlich ausgeteilt, im Prinzip gegen die gesamte französische Gesellschaft.

Jérôme Leroy – Der Schutzengel ( (c) Edition Nautilus 2020)

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Soundtrack dazu: Les Thugs – Immigrés Clandestins, was sonst?

PS: Und was sagt Jérôme?

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