Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.852

    Bücher, schnell gelesen: 1.852

    Horst Evers – Der König von Berlin (Rowohlt, 2012)

    Gelesen: 14. – 19.08.2026 (netto 372 Seiten)

    Da mir Hope Joanna ziemlich gut gefallen hat bin ich bei Horst Evers nochmal zurück zum Anfang: Der König von Berlin erschien 2012, in meinem Exemplar steht “15. Auflage Mai 2026”. Scheint also ziemlich erfolgreich zu sein.

    Kommissar Lanner aus der niedersächsischen Provinz hat das große Los gezogen: Versetzt nach Berlin. Mordkommission. Die Berliner Kollegen haben allerdings nicht auf ihn gewartet, er wird als Dorfsheriff durch den Kakao gezogen. Und immer wieder verarscht.

    Aus einem Mord in seinem Bereich wird eine ziemlich krude Story, in der er rumstümpert und mit einer Kollegin aus einem anderen Resort irgendwie die Lösung findet. Der große Fall allerdings, in den er sich ebenso verbeißt wie sein Vorgänger, ist der Tod des Berliner Rattenkönigs Erwin Machallik.

    Erwin war mit allen vernetzt, kannte alle Geheimnisse und hielt die Ratten von Berlin in Schach. Jetzt ist er tot und die Ratten werden immer mehr. Greifen an.

    Aus einem lustigen Krimi wird schnell ein durchgeknalltes Panoptikum an typischen Berliner Knallchargen: Sei es Politiker, Polizeipräsidenten, Erben oder Spurensicherer. Alle einen Hau, alle Gaga.

    Die Story ist am Ende mehr lustig als spannend, leider nicht wirklich blutig. Und irgendwie kommt mir das vor, als ob viel zu viel in dieses Buch gepackt wurde. dazu kommt, das viele der Lösungen resp. Überraschungen vorhersehbar sind.

    Hope Joanna ist tatsächlich um Längen besser.

    Gute Unterhaltung ist es aber schon, aber nicht mehr.

    Soundtrack dazu: Napalm – Killer Rats, was sonst?

    PS: 2017 als Komodie verfilmt…

    PPS: Wer wirklich zum Thema Ratten einsteigen will dem empfehle ich dringend Rattus Rex von Colin McLaren (Original von 1978, in Deutschland 1981 bei Hobbit-Presse / Klett-Cotta erschienen)

    Colin McLaren – Rattus Rex (Klett-Cotta, 1981)

    PPPS: Eine Illustration aus dem Buch habe ich mir sogar vor vielen Jahren tätowieren lassen, so sehr mag ich das Buch.

  • Bücher, schnell gelesen: 1.851

    Bücher, schnell gelesen: 1.851

    Johannes Groschupf – Berlin Prepper (Suhrkamp, 2019)

    Gelesen: 09. – 13.08.2026 (netto 228 Seiten)

    Endlich bin ich beim ersten Berlin Krimi von Johannes Groschupf angekommen, ich ärger mich immer wieder wenn ich eine Serie (hier: Berlin Noir) nicht in der richtigen Reihenfolge lese. Hier war es … 3, 4, 2 und dann 1. Damn.

    Walter Noack ist ein schräger Vogel, dabei will er doch nur vorbereitet sein auf das, was unausweichlich auf uns zukommt. Chaos, Zusammenbruch der Ordnung und “alle gegen alle”.

    Darum hält er sich fit, lebt alleine (Frau und Sohn sind ob seiner etwas schrägen Vorstellungen eh weg) und macht einen Job der ohne viel Anstrengung Geld bringt. Lebt seine Routine.

    Der Job allerdings frisst sich in seine Gehirn und verdirbt seinen Geist: Content Moderator bei der größten Zeitung des Landes. Die menschliche Delete Taste. Aber vor dem Löschen kommt das Lesen und das Einordnen. Und damit ist das Gift schon in seinem Kopf.

    Es Bedarf nicht mehr als einen Überfall auf ihn nach Schichtende und das ganze gerät aus den Fugen. Lebensmittel hat er schon genug, jetzt braucht er noch eine Waffe. Und als auch eine Kollegin überfallen wird …

    … geht er ganz fokussiert auf die Suche nach dem Warum. Das sich dabei immer tiefer in die echte Welt derjenigen begibt, deren Kommentare er täglich löscht, merkt er nicht.

    Waffennarren, Fake-News Verbreiter, Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger – der ganze Kanon wird durchschritten.

    Unbeirrt findet er den Grund für den Überfall und lässt sich auch durch den Preis dafür (sein Sohn wird ermordet, sein Job ist weg) nicht beirren.

    Und findet einen Freund fürs restliche Leben: Nero, Kampfund.

    Hart, realistisch und ohne Happy End. Klasse!

    Soundtrack dazu: Berlin Blackouts – Slay The Demons, was sonst?

    … bitte von rechts nach links lesen!
  • Bücher, schnell gelesen: 1.850

    Bücher, schnell gelesen: 1.850

    Kim Koplin – Die Toten von Morgen (Suhrkamp, 2026)

    Gelesen: 01. – 08.08.2026 (netto 263 Seiten)

    Die Fortsetzung von Die Guten und die Toten, schließt inhaltlich direkt an das erste Buch an. Kommissarin Nihil Khigrian ist aus Hamburg zurück, wohin sie sich am Ende des ersten Bandes der Berliner Schattenwelt Serie zusammen mit Saad und Leila geflüchtet hatte.

    Und stolpert direkt in einen Toten: Offensichtlich hingerichtet. Keine Papiere. Kein Schlüssel. Kein Handy. Teure Klamotten, teure Uhr. Offensichtlich kein Raubmord.

    Und Nihil verbeißt sich in diesen Fall, kommt über einen e-Roller auf die Spur des Toten und identifiziert ihn. Offensichtlich Dealer. Beifang in einem aufkommendem Bandenkrieg zwischen dem Berliner Platzhirsch Charlie und neuen Playern in der Stadt, die ihm das Wasser abgraben wollen.

    Wer im ersten Band aufgepasst hat, ahnt woher der Mistral weht – nämlich aus Marseille. Und das Saad durchaus der Magnet sein kann, der diesen angezogen hat.

    Mit nur wenig Beiwerk steuert das Buch gezielt auf den großen Crash zu, wieder gibt es ordentlich Gewalt und wieder kommen Saad, Leila und Nihil beinahe unter die Räder. Aber die Liebe, die alle drei verbindet, ist stärker als die Gewalt.

    Und Saad muss Nihil endlich alles erzählen: Wer er ist, was er in Marseille gemacht hat und …

    … da kommt hoffentlich noch mehr.

    Cooles Buch, wenn auch die Story ein wenig vorherbar läuft und selbst ein korrupter Ermittler vom LKA diese nicht wirklich aus der Spur bringt.

    Ich mag sowas, es hat viel Tempo, viel Realität und letztendlich streetcredibility. Bin gespannt ob und wie das weitergeht.

    Soundtrack dazu: Terrorgruppe – Küsse Töten, was sonst?

    PS: Das Rätzel um den Autor hat dieser selbst gelöst, Kim Koplin ist ein Pseudonym von Edgar Rai:

    (Podcast beim Deutschlandfunk Kultur)