Bücher, schnell gelesen: Teil 1.477

Max Annas – Der Fall Melchior Nikoleit (Rowohlt, 2020)

Gelesen: 10. – 13.09.2020, netto 322 Seiten

Ein Krimi der im realen Sozialismus der DDR spielt, im Jahr 1985. Max Annas hat bereits ein Buch über die Morduntersuchungskommission geschrieben, das habe ich nicht gelesen.

Hier bin ich dem läppischen Kommentar einer Vertrauensperson gefolgt „da geht es auch um Punk in der DRR, Punk ist doch dein Ding“ und habe zugegriffen.

Das Buch passt zum Setting: Die DDR war grau, trist, voller kleiner Fluchten (bei den Polizisten in Alkohol, bei der Jugend in westliche Jugendkulturen wie zB Punk) und überhaus straff organisiert. Welcome back Abschnittsbevollmächtigter!

Ein junger Punk ist Tod und sein Tod war kein Unfall. Da die sozialistische Gesellschaft der DDR ja nur den guten Menschen herausbringt sind Mörder natürlich eine schreckliche Ausnahme – ein Makel. Da muss schnell eine Lösung her.

Was Max Annas gut hinbekommt ist eine passende Atmosphäre zu schaffen: Sei es bei den entweder desillusionierten oder demotivierten oder stamm sozialistischen Polizisten eine beklemmendes Gefühl zu schaffen (das sie nämlich nicht frei untersuchen können) oder bei den Punker, die Punk Musik aus dem West-Radio analysieren (großartig: die Deduktion von Richard Hell – Blank Generation über 4 Seiten, sowas haben wir bei unser Punk Entdeckung 1979 auch gemacht):

I was sayin‘ let me out of here before I was even born,
it’s such a gamble when you get a face
It’s fascinatin‘ to observe what the mirror does
But when I dine it’s for the wall that I set a place

I belong to the blank generation and I can take it or leave it each time
I belong to the generation but I can take it or leave it each time

Das Ding ist spannend aber ohne Spannung zu erzeugen. Die gelegten Fährten sind zu einfach (und zu plakativ). Und es hat letztendlich keinen Pfiff, keine Überraschung. Zutiefst DDR, oder?

Ich glaube mehr mag ich davon nicht lesen. Lieber ein pass MfS Akten.

Soundtrack dazu: Richard Hell – Blank Generation, was sonst?

PS: Das Buch ist Matthias Domaschk gewidmet – ein Stasi Opfer. In diesem Kontext hat das Buch allerdings durchaus Sinn.

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