Bücher, schnell gelesen: Teil 1.414

Tess Sharpe - River of Violence (DTV Bold, 2019)
Tess Sharpe – River of Violence (DTV Bold, 2019)

Gelesen: 11. – 12.09.2019, netto 496 Seiten

Wow – was für ein Debüt? Thematisch und vom Stil her hätte ich das beim Polar-Verlag erwartet, aber wer das rausbringt ist ja fast egal.

Tess Sharpe setzt mit Harley McKenna eine 22 jährige Heldin in eine Welt aus (Crystal) Meth und Wahnsinn, aus maskuliner Gewalt und generationenübergreifenden Fehden. Familienfehden irgendwo in den Bergen zwischen Portland und San Francisco, im „North County“.

Und sie ist mittendrin. Ihr Vater ist der lokale Druglord, läßt Meth kochen, schmuggelt Waffen, packtiert mit der lokalen Biker-Gang und schmiert die lokale Polizei. Und zerquetscht jeden Wiederstand mit roher Gewalt. Nachdem seine Frau bei der absichtlichen Explosion einer Meth Küche verbrannt ist trainiert er seine Tochter … auf seine Art.

Mit 8 sieht sie zum ersten Mal wie ihr Vater jemanden umbringt. Mit 9 zeugt er ihr wie man tötet. Mit 12 bedroht sie das erste mal jemanden mit einer Waffe. Sie ist 16, als sie zum ersten Mal verantwörtlich ist für den Tot eines Menschen. Mit 17 entsorgt sie zum ersten Mal eine Leiche.

Die Geschichte von Harley wird cool erzählt, es wechseln sich Rückblicke auf ihre Erziehung bzw. auf ihr Aufwachsen unter Hinterwäldlergängstern mit aktuellem Geschehen ab. Und dann wird klar das wir 3 Tage Wahnsinn in Echtzeit erleben dürfen: Ihr Dad, angeblich auf Geschäften im Süden, liegt in einem Hospitz. Sie hat nur wenig Zeit um zu verhindern das sein Tod eine Vakuum erzeugt das die Kartelle, Nazis und andere Gangster in ihr County bringt.

Vor diesem Krieg, der ihre Welt zu zerstören droht, ist Harley gezwungen, sich der Wahrheit zu stellen: Dass die gewalttätige Welt ihres Vaters sie zerstören wird. Er zog sie auf, um tödlich zu sein – er zählte nie darauf, dass sie illoyal sein würde. Aber wenn Harley überleben und die Menschen beschützen will, die sie liebt, muss sie die Gangster besiegen oder ihnen einen Ausweg zeigen.

Ein wahnsinnig gutes Buch, vor allem weil eine starke junge Frau den alten Säcken, für die sie nur eine Tittenträgerin ist, nicht nur Paroli bietet sondern auch weil sie schlauer ist. Und darum kümmert sie sich auch um Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden.

Ein durch und durch politisches Buch in dem der Racheengel eine Ausweg aus Gewalt, Drogen und Machismo aufzeigt. Aber bis zum Ende bleibt die Frage – in welchem Alter hat Harley das erste Mal selbst einen Menschen getötet?

Eindringliche Leseempfehlung!

Soundtrack dazu: Blank Stare – Fuck Drugs, Fuck You, was sonst?

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