Liza Cody – Die Schnellimbissdetektivin (Ariadne Krimi, 2024)
Gelesen: 24. – 27.08.2024 (netto 346 Seiten)
Deutsch von Iris Konopik.
Liza Cody schreibt einfach klasse Bücher mit weiblichen Helden, voller Humor. Und mit einfachen, realen und sehr weltlichen Themen.
Hannah Abram war Cop und ist bei der MET rausgeflogen. Weil sie sich gegen ihren Ex, auch Cop, gewehrt hat. War obdachlos. Und arbeitet jetzt in einem Schnellimbiss im Volkspark.
Und nebenbei hilft sie ihren Kunden mit kleinen Diensten. Verlorener Hund? Hannah fragen. Fahrrad geklaut? Kann Hannah wieder besorgen. Alles cash, alles ohne Detektivlizenz. Aber immer mit Herz, Bauerschläue und viel bissigem Humor.
Aus kleinen Fällen werden große – verschwundene Verwandte, untergetauchte Ehefrauen, durchgeknallte Stalkerinen und am Ende eine Tote.
Dazu private Probleme und nie eine ruhige Minute. Aber Hannah beißt sich durch, weibliche Intuition siegt – wenn auch zäh und mühselig. Zum Glück lässt Liza Cody dabei das Happy End konsequent klein oder gleich ganz weg. Kompromisse können auch Siege sein. Selbstironie stärkt.
Und am Ende kommt dann auch ein Hauch privates Glück zu Hannah. Aber ob das bleibt?
Echter Rassismus, echter Frauenhass, echter Missbrauch und echtes Prekariat.
England, post-Corona. Durchwursteln. Überleben.
Ganz wunderbar und Hannah ist eine würdige Nachfolgerin von Lady Bag! Definitiv mehr davon!
Denise Mina – Fester Glaube (Argument Verlag, 2023)
Gelesen: 08. – 14.03.2024 (netto 290 Seiten)
Deutsch von Karen Gerwig.
Die Fortsetzung von Klare Sache (und im Universum von Denise Mina ist das die “C” Serie: Conviction (Klare Sache) gefolgt von Confidence (Fester Glaube)) und wieder mit dem Backdrop “Podcast”, insofern ein ziemlich modernes Buch.
Während Anna mit ihrem Sidekick in Klare Sache ein wenig Slapstick-Anti-Helden waren ist der Road Movie Backdrop in Fester Glaube weniger Slapstick, mehr Wahrheitssuche. Und eben Glaube, fester Glaube.
Anna flieht aus einem verkackten Familienurlaub in eine temporeiche Suche nach einer verschollenen You Tuberin aus North Berwick (of all places). Lisa Lee ist eine erfolglose Influenzerin die sich in Frankreich als Urban Explorer (aka Videos über das eigene rumstolpern in Lost Places zu drehen) versucht hat. Und irgendwas in einem verlassenen Chateau entdeckt hat. Und … verschwunden ist.
Die Story hat was für Anna und daher machen sie und Fin sich im Rahmen ihres True-Crime Podcasts auf die Suche. Und ab da wird das ganze dann fast schon eine Parodie auf Dan Brown und Umberto Eco. Plus eine ordentliche Portion Geschichte (Kirche hinter dem Eisernen Vorhang sowie der Gardner Museum heist).
Plus ordentliches Essen:
( (c) Argument Verlag 2023)
Das allerdings gibt es nur weil Anna und Fin einen Süd-Afrikanischen Millionär als Gönner gefunden haben, der sie mit Privatjet und Helikopter auf Tempo hält. Und auch auf der Suche nach Lisa Lee (bzw. dem was sie in dem Chatau gefunden hat.
Und dieser Teil der Story ist dann doch zu konstruiert und nimmt den anderen Geschichten (Pfaffen, Boston, Mafia, Vatikan) den Raum sich zu entfalten. Ich habe fast das Gefühl das Denise Mina hier den Aufmerksamkeitsstil der heutigen Zeit imitiert: Kurz anlesen, weiterklicken.
Im Grunde ist das Buch ein Spiegel dafür: Eine Zeit, in der niemand etwas wissen muss, außer wo und wie er fast sofort alles herausfinden kann, was er wissen möchte.
Letztendlich eine Zeit in der man nie allein ist, nie unter dem Radar fliegen will (und kann). Und in der Nachrichten aufgeblasen werden um zählbaren Kontent zu generieren und Schlagzeilen so schnell wie möglich online gehen müssen – aus gleichem Grund.
Clickbait.
Und deswegen ist die Auflösung am Ende mehr eine ausgestreckte Zunge für diese Zeit als die Lösung eines Thrillers. Und lässt den Leser dann doch etwas enttäuscht und mit einem Fragezeichen zurück.
PS: Ich müsste mir mal das englische Original angucken, aber ich vermute mal ins Blaue hinein das hier mal wieder eine gute Idee der Autorin ins Deutsche verkackt wurde. Ich bin bei solchen Dingen echt anal!
Los geht es:
( (c) Argument Verlag 2023)
Denise Mina hat also eine Idee, und zwar auf dieser Seite:
( (c) Argument Verlag 2023)
Damit sollte das Buch dann auf Seite 226+70=296 enden, oder? Nein, es endet auf dieser Seite:
( (c) Argument Verlag 2023)
In meiner Welt gibt es da nur eine Meinung: Verkackt!
V.I. Warshawski diesmal unterwegs in Familienangelegenheiten. Ihren eigenen und denen von Freunden. Und das ganze nicht nur in Chicago sondern auch rauf bis nach Kanada. Und irgendwie auch nach Syrien. Und Moskau.
Für eine gute Freundin versucht sie den jungen kanadischen Studenten Felix aus den Fängen der Polizei zu bekommen: Ein Toter hatte seine Telefonnummer in der Tasche.
Und für die Nichte ihres Ex-Mannes sucht sie die in Chicago verschwundene Schwester, die sich wohl mit den falschen Wirtschaftsbossen angelegt hat.
Und natürlich überschneiden sich die Fälle und aus den Familienfällen wird eine ziemlich große Geschichte. Wirtschaftsbossen, die die kleinen Leute ausnehmen und den Hals nicht voll bekommen können, doppelt geklauten historischen Artefakten aus Syrien und russichen Mafia-Killern, die für ihre Bosse das Geld eintreiben sollen. Dazu noch ignorate Kleinstadt Cops und wahnhafte ICE Agenten.
Mittendrin die aufrechte Tante Vi, immer tough und immer auf der Seite von Frauen. Und immer stark, wenn es darum geht dem Gesetz die Stirn zu bieten (ohne dabei selber das Gesetz zu brechen, maximal zu deeeehnen).
Die Geschichte ist komplex ohne dabei zu vielschichtig zu sein, mit Tempo erzählt aber leider am Ende nicht wirklich spannend: Das große Bild zeigt sich schnell und obwohl das Ende nochmal zulegt ist doch ziemlich klar welcher Arsch am Ende in den sprichwörtlichen Bach fällt (ok, es ist der eiskalte Pigeon River).
Trotzdem für mich ein gutes Lesevergnügen, ich mag diese Geschichten um V.I. Warshawski.