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  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.517

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.517

    Ulf Torreck – Escape Zone (Piper, 2021)

    Gelesen: 15. – 21.04.2021, netto 325 Seiten.

    Ulf Torreck ist das Premium-Ich von David Gray, von dem zwei hervorragenden Hamburg-Hard-Boiled Krimis im Pendragon Verlag erschienen sind. Seine historischen Krimis und/oder Mystery-Thriller habe ich links liegen gelassen, da mir dieses Genre nicht so liegt.

    Escape Zone spielt dagegen im Hier- und Jetzt, im Zeitalter von RTL und Dschungelcamp, RTL2 und Scripted Reality und all den verrückten Dingen die sich Influencer und Digital Content Creatures auf Youtube, Instagram, TikTok, Twitsch und was ich für Plattformen so einfallen lassen.

    Und Escape Zone ist von vorne bis hinten Gemein, Böse und sehr Real. Und voller perfekt sitzender Dialoge:

    “Wissen Sie, wovor mein Anwalt wirklich Angst hat, Wachtmeister? … Vor großen Hunden. Aber sonst vor gar nichts. Da kommt was auf Sie und Ihre Behörde zu, sobald sich rausstellt, das Sie zu feige waren, in einer Notsituation Hilfe zu leisten” …

    “… meine Anwaltskosten übernimmt der Staat, und zwar mithilfe Ihrer Steuern. Falls Sie denn überhaupt welche zahlen”. Bäng, dem wunderbar arrogantem Produzenten (=Ausbeuter von Praktikanten) einen mitgegeben.

    Das Szenario (Reality TV mit Script, Zurschaustellung von C-Promis und Trotteln in einem Escape Room) ist so wunderbar real, perfekt platziert in der Pampa von MeckPom und bebildert mit Abziehbildern, die perfekt passen. Eben direkt aus dem Fundus von RTL/RTL2 etc pp.

    Dazu ist das ganze mit ordentlich Blut gewürzt und auch vermeintliche Sympathieträger kommen dabei unter die Räder.

    Kurzweilig, Lustig und Böse. Passt!

    Soundtrack dazu: PCV – No Escape, was sonst?

    PS: Lange vor all diesem Reality TV Scheiß gab es schon dieses Trash Juwel aus den US of A. Lange Jahre unser absoluter Billig-Videotheken Hit! Unbedingt ansehen, die deutsche Version ist auch schön ins trashig/lustige synchronisiert.

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.516

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.516

    Nancy Barile – I’m Not Holding Your Coat (Bazalion Points, 2020)

    Gelesen: 13. – 14.04.2021, netto 180 Seiten. In Englisch, eine Übersetzung wird sicher nicht erscheinen.

    Wow – das Buch ist eine einzige Überraschung. Nancy Barile ist mit Al Barile (SSD oder SS Decontrol, alter Boston H/C) verheiratet. Das wusste ich.

    Was ich nicht wusste ist das sie heute eine herausragende Lehrerin ist:

    Nancy Barile is a National Board Certified Teacher, who has been teaching English Language Arts at a low-income, urban high school near Boston, MA for 22 years.

    Wow. Aber sonst? Kurzer Auftritt in American Hardcore. Und dann noch?

    Fuck, da ist so viel mehr: Aufgewachsen in Philadelphia, Erz-Katholische Eltern und gequält durch Nonnen an eine Katholischen Schule. Sie hat früh Musik entdeckt und auch früh den Spass an Live Musik. Im Buch ist eine großartige Liste ihrer Live-Konzerte:

    1 . Rod Steward 2. Alice Cooper & Suzie Quatro 3. Kiss & Ted Nugent 4. Roxy Music

    34. Iggy Pop 35. Manfred Mann 36. Ramones 37. M Murphy 38. Bay City Rollers 39. Patty Smith

    und hat dann Ende der 70er vollständig ihr Herz an Punk verloren. Und dann an Hardcore. Und dann an Al – und ist zu ihm nach Boston gezogen. Aber das ist nicht die Geschichte des Buches. Nancy beschreibt lang und ausführlich ihre Kindheit, ihr Aufwachsen mit Musik und den Spagat zwischen Eltern, Arbeit und der Liebe zu Punk.

    Und dann ihr eintauchen in den Punk, als aktiver Teil einer in Philly wohl stark weiblich und durch starke Frauen geprägte Szene. Und diesen Blick behält sie in einer doch sehr männlichen, maskulinen und vermakerten Szene bei.

    Und neben den persönlichen Dingen (ich lese zu und zu gerne welchen Lebensweg, welche Karriere alte Punks gemacht haben) kommen hier dann starke Geschichten von Konzerten, von Chaos (Boston vs. DC vs. Philly vs. NYC vs. Assis vs. all) und von echten Erweckungserlebnissen:

    Nancy war immer in der ersten Reihe, hier bei den Bad Brains 1981 ((c) Bazallion Points)

    Das Buch ist tatsächlich ähnlich gut wie die Biographie von Alice Bag, es war eine echte Freude das in kurzer Zeit zu verschlingen. Wie so oft habe ich mich an vielen Stellen wiedergefunden, hab Sachen gelesen die ich schon mal in alten Fanzines gesehen hatte oder aber Zusammenhänge verstanden, die mir lange unklar waren.

    Klasse, ich bin beeindruckt!

    Nancy im CBGB, 1981 ((c) Bazallion Points)

    Einen Soundtrack dazu? Ok, dann Sadistic Exploits, die Band die von Nancy gemanaged wurde und wo Nancy die Liner Notes zur EP geschrieben hat.

    PS: Nancy heute selbst …

    PPS: Nancy bonus …

    PPPS: SSD at it’s H/C High – die Show kommt auch im Buch vor …

    PPPPS: Philly 1982 … risky area!

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.515

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.515

    Jon Bassoff – Factory Town (Polar Verlag, 2021)

    Gelesen: 12. – 13.04.2021, netto 237 Seiten.

    Von Jon Bassoff ist bei Polar schon ein Buch erschienen, nämlich Zerrüttung (2016). Das war ein echtes Horror Buch (Schublade Horror-Noir) und vor allem extrem clever geschrieben: Die gleiche Geschichte, von einer Person, aus 3 Perspektiven.

    Factory Town ist das ganze potenziert, keine Ahnung in welcher Potenz. Horror auf Speed? Auf Meth? Im Vorhof zu Hölle?

    Das ganze Buch ist eine einzige Verstörung, lediglich im Prolog und Epilog herrschen für wenige Momente Klarheit. Dazwischen aber geht es ohne Stop, ohne Schlaf und ohne Halt in den Irrsinn.

    Die Geschichte ist auch hier absolut einzigartig angelegt, erzählt und hat einen dermaßen großen Aha-Effekt das ich ums verrecken nichts verraten möchte. Das sollte jeder selber erlesen und erleben. Aber Vorsicht: Das Buch ist eine echte Qual, das durchhalten fällt schwer. So tief sitzt der Irrsinn. So derbe geht es zu.

    Großartig. Und auf den zweiten Blick sogar verfilmbar. Wenn sich nur jemand traut.

    Wahnsinn, aber ganz fette Beute. Nur für Hardcore-Connoisseure!

    Soundtrack dazu: Factory Minds – Better Days, was sonst?

    PS: Jan Bassoff ist garnicht so schräg wie seine Bücher…