Tag: Polar Verlag

  • Bücher, schnell gelesen: 1.637

    Bücher, schnell gelesen: 1.637

    J. Todd Scott – Weisse Sonne (Polar Verlag, 2023)

    Gelesen: 06. –14.05.2023 (netto 479 Seiten).

    Aus dem Amerikanischen von Harriet Fricke.

    Wenn man nach dem Lesen eines Buches erstmal auf der Website des Autors checkt ob die Story weitergeht, dann war das Buch schlicht und einfach fesselnd.

    Und genau das ist mir mit dem 2ten Teil von J. Todd Scotts Western Serie geschehen. Die Gute Nachricht: Es folgt mit “This Side Of The Night” noch ein dritter Teil!

    Der erste Teil, “Die Weite Leere” war ein unfassbar guter Western aus dem hier-und-jetzt. Die Planetenkollision hat ein neues Sonnensystem hinterlassen, in dem sich – sprichwörtlich – eine Weisse Sonne breitgemacht hat.

    Kleiner Exkurs:

    Ein Weißer Zwerg ist ein kleiner, sehr kompakter alter Stern. Er besteht im Normalfall aus einem Kern aus heißer entarteter Materie von extrem hoher Dichte, umgeben von einer dünnen, leuchtenden Photosphäre.

    Der entartete Weiße Zwerg ist John Wesley Earl, ein Schwergewicht der ABT (Aryan Brotherhood Of Texas), der sich im Big Bend breit gemacht hat. Er und seine Familie samt Anhängern träumen im mehr oder weniger verlassenen Dorf “Killings” vom Nukleus eines rein weißen Staates.

    Solche Helden sind das:

    ( (c) Polar Verlag 2023)

    Der ehemalige Deputy Chris Cherry ist inzwischen Sheriff und gerät zwangsläufig mit ihnen aneinander. Allerdings wird es weniger eine ideologische Auseinandersetzung sondern … eine Geschichte bei der die Gummibänder, die Familien zusammenhalten, nacheinander auseinanderknallen. Bei den Nazis. Bei Earls Familie. Bei Deputy America Reynose und bei Sheriff Chris Cherry selbst.

    Und trotzdem geht es um Liebe und wie Menschen ihre Liebsten beschützen bzw. glauben beschützen zu müssen. Oder eben auch nicht. Ach ja, Rache ist da auch ein Mittel. Fragt Danny!

    Große Geschichte in einer großartigen Landschaft.

    Wer überlebt? Diejenigen, die das Geld sausen lassen. Die Anstifter. Die Narco Bosse südlich der Grenze. Die Strippenzieher in den konkurrierenden Sicherheitsbehörden.

    Wer stirbt? Die Unschuldigen, die Einsamen und die Unbedarften.

    Ein ganz wunderbarer Roman, kundig verfasst von einem ex-DEA Agenten. Dem man anmerkt das er den “War On Drugs” da unten ander Grenze eigentlich für einen ganz großen Quark hät.

    Absolut großartiges Kopfkino. Hart und Brutal, ohne Abstriche. Wann kommt “This Side Of The Night“?

    Soundtrack dazu: Crime Wave – Death And Texas, was sonst?

    Oder gleich die ganze Nazi Sex EP:

    PS: J. Todd Scott so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.635

    Bücher, schnell gelesen: 1.635

    Melissa Ginsburg – Sunset City (Polar Verlag, 2023)

    Gelesen: 27. –30.04.2023 (netto 196 Seiten).

    Aus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt.

    Wow, ein Krimi der im Gewand einer Alltagsgeschichte daherkommt. Charlotte hatte ihre beste Freundin Danielle an Drogen und das Gefängnis verloren – nur um sie danach wieder zu treffen und ihre Freundschaft von 0 auf 100 wieder zu beleben.

    Aber dann klingelt es bei Charlotte an der Tür und ein Detektiv befragt sie zum brutalen Tod von Danielle.

    Aus der Bahn geworfen fängt sie an Danielle nachzuspüren und findet Drogen, Pornos und Gewalt. Und in diese Welt steigt sie ein und spürt ihrer besten Freundin nach, immer mit einem Glimmer – entweder durch Drogen oder durch Alkohol. Weil sie sich Danielle ganz nah fühlen will.

    Und während die Cops den ersten Verdächtigen, der dankbarer Weise auch noch Tot in seiner Wohnung liegt, als Täter ausmachen lässt Charlotte sich weitertreiben. Und geht eine Affäre mit Danielles Porno-Partnerin ein. Und geht Danielle Mutter auf den Sack. Und spült lange versteckte Wahrheiten raus.

    Und, so ganz nebenbei und im Rausch, löst sie den Fall. Und bekommt ein Date mit dem Detektive.

    Eine wirklich ganz wunderbare kleine Geschichte, clever erzählt und kenntnisreich in Szene gesetzt. Realität pur, ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger.

    Perfekt.

    Soundtrack dazu: Really Red – Personal Hell, was sonst?

    PS: Und Melissa so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.634

    Bücher, schnell gelesen: 1.634

    Adam LeBor – District VIII (Polar Verlag, 2023)

    Gelesen: 19. – 26.04.2023 (netto 381 Seiten).

    Aus dem Englischen von Jürgen Bürger.

    Adam Lebor ist ein englischer Journalist der seit 1991 als Auslandskorrespondent in Budapest lebt und schreibt: Für Zeitungen aber auch Bücher. Beim Lesen des Buches merkt man ziemlich schnell das er sowohl die Ungarische Politik (und deren Machtzentren) als auch die Stadt und ihre Bewohner im Detail kennt und in Szene setzen kann.

    Das Setting ist 2015, zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise, als Ungarn versuchte … ja was eigentlich? Die westlichen EU Länder zu erpressen? Die Syrischen Flüchtlinge zu instrumentalisieren? Europa vor den Flüchtlingshorden zu schützen?

    Ne, ganz bestimmt nicht. Ungarn dachte zuerst an sich selbst und das in der Form einer korrupten Regierungskaste. Alte Linien, bis zurück zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. in den zweiten Weltkrieg.

    Die Hauptfigur ist wie die Flüchtlinge ein Aussenseiter: Balthazar Kovác, Kommissar bei der Mordkommission, ist Rom. Gypsy. Zigeuner. Aus Sicht des gemeinen Ungarns ein mit hoher Wahrscheinlichkeit Krimineller (was tatsächlich für seinen Bruder zutrifft). Über einen toten Syrer stolpert er in eine sehr banale Geschichte, die aber immer höher geht und am Ende ein System aufdeckt bei dem die Mächtigen so richtig absahnen.

    Mit relativ wenig Tempo geht die Geschichte voran, unter anderem auch weil Adam Lebor sehr viel Wert darauf legt die Stadt, ihre Bewohner, die Historie und die Minderheiten (Roma, Juden, Flüchtlinge aus dem Balkankrieg) zu beschrieben.

    Zum Ende hin nimmt die Geschichte Tempo auf und bekommt auch ein wenig mehr Härte: Eine Ministerin, die einen Killer mit dem Absatz ihrer Stilettos um die Ecke bringt ist schon eine echte Show. Obendrauf kommt dann sogar noch etwas von einem internationalem Spionagethriller.

    Spannend, interessant im Blick auf Budapest und Ungarn – das manchmal mangelnde Tempo ist zu verschmerzen.

    Soundtrack dazu: Stiletto Boys – Throw Me To The Wolves, was sonst?

    PS: Das war Budapest 2015…

    PPS: Unrealistischer Killer Plot? Nope!