
Gelesen: 25. – 26.05.2026 (netto 418 Seiten)
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Peter Hammans.
Warum haben so viele Amerikaner Donald Trump gewählt? Warum so viele Weiße Frauen? Weil sie verdammt nochmal das Recht haben auf der Gewinnerseite zu bleiben!
Megan Abott ist eine Meisterin darin, die amerikanische Alltagswelt den Bach runterzuschicken. In El Dorado Drive macht sie das in Detroit und vor dem Hintergrund der Finanzkriese 2008.
Und wie in ihren anderen Büchern gibt Megan die Dirigentin für ein langsames Crescendo eines Weltuntergangsorchesters. Das einfach nicht aufhört.
Während die US Regierung fieberhaft darum ringt, GM und Chrysler zu retten, sehen sich die Ehemänner der Bishop-Schwestern Pam und Debra mit Entlassungen, Abfindungsangeboten und dem langsamen Zerfließen ihrer einst so sicheren Zukunft konfrontiert. Und Arztrechnungen, für die es keine Versicherung mehr gibt.
Der Zusammenbruch der Autoindustrie ist dabei nicht bloß Hintergrundrauschen – er ist der Dampfkochtopf der das Orchester antreibt.
Die Bishop Schwestern Pam, Debra und Harper ringen verzweifelt darum, ihren Status zu wahren – während Ehen, Ersparnisse und die amerikanische Autoindustrie zusammenbrechen. Aus der Villa in die gemietete Bruchbude.
Und vor diesem Szenario taucht eine Rettung auf: Harper ist am ärgsten dran, sie braucht dringend Geld. Da kommen ihre Schwestern mit einem Vorschlag…
… Das Rad!
Frauen helfen Frauen. Mit Geschenken. Mit $5000 bist du dabei! Die Grafik mit der Debra und Pam das erklären sieht zwar aus wie eine Pyramide aber nein, das ist kein Pyramidenspiel.
Das ist ein Dreieck!
Das es auf zwei Seiten des Dreicks nur bergab geht – drauf geschissen. Die Schwestern legen die Hand ins Feuer. Passt schon.
Tja, passt eben nicht. Zumal Pam ermordet wird. Und ihr geldgeiler und betrügerischer Ex-Eheman der Hauptverdächtige ist. Und das ganze so richtig den Bach runtergeht.
Für alle. Für alle Frauen. Jung oder Alt.
Irgendwie läuft die Handlung geradlinig und es steht scheinbar nicht viel auf dem Spiel. Aber es geht halt down-hill und das teibt die Geschichte ihrem unvermeidlichen, aber keineswegs weniger befriedigendem Ende entgegen.
Doch dann ist da noch die Sache mit dem Rad: Wenn wir zB ein Video sehen, das Menschen in einem Boot zeigt – wie sie trinken, ausgelassen feiern etc –, empfinden wir kein Mitleid für sie, wenn sie schlussendlich im Wasser landen. Ganz gleich, wie spektakulär der Unfall auch ausfällt, sie haben sich ihr Schicksal selbst zuzuschreiben.
Dieselbe Logik gilt für die Teilnehmerinnen am Rad. Wir mögen zwar Mitgefühl für ihr Schicksal empfinden, das diese Frauen dazu triebt törichte Risiken einzugehen – doch wir selbst würden doch niemals derartige Entscheidungen treffen.
Oder etwa doch?
Aus meiner Sicht säht Megan Abott perfekte Zweifel am American Dream und verbindet diesen mit den fragwürdigen Entscheidungen der politischen Elite in den US of A (und denen Menschen, die diese gewählt haben).
Eine Wette darauf, dass sich die meist Weiße & Männliche Spirale aus politischer und wirtschaftlicher Scharlatanerie, Gier und Korruption unaufhörlich weiterdrehen wird, ist ja immer eine sichere Bank.
Siehe Donald Trump heute. Aber das braucht Megan Abott nicht mal anzudeuten. Der Leser bekommt das entlang dieser Story ganz alleine hin.
Eines der besten weiblichen down-hill-galore Bücher, die es gibt. Herrlich!
Soundtrack dazu: Ducky Boys – ‘Till the wheels fall off, was sonst?
PS: Das ganze hat echte parallelen- 2013 wurden zwei Frauen in Connecticut verurteilt, die eine Geschenktischpyramide durchgezogen haben.

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