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  • Bücher, schnell gelesen: 1.837

    Bücher, schnell gelesen: 1.837

    Megan Abott – El Dorado Drive (Pulp Master, 2026)

    Gelesen: 25. – 26.05.2026 (netto 418 Seiten)

    Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Peter Hammans.

    Warum haben so viele Amerikaner Donald Trump gewählt? Warum so viele Weiße Frauen? Weil sie verdammt nochmal das Recht haben auf der Gewinnerseite zu bleiben!

    Megan Abott ist eine Meisterin darin, die amerikanische Alltagswelt den Bach runterzuschicken. In El Dorado Drive macht sie das in Detroit und vor dem Hintergrund der Finanzkriese 2008.

    Und wie in ihren anderen Büchern gibt Megan die Dirigentin für ein langsames Crescendo eines Weltuntergangsorchesters. Das einfach nicht aufhört.

    Während die US Regierung fieberhaft darum ringt, GM und Chrysler zu retten, sehen sich die Ehemänner der Bishop-Schwestern Pam und Debra mit Entlassungen, Abfindungsangeboten und dem langsamen Zerfließen ihrer einst so sicheren Zukunft konfrontiert. Und Arztrechnungen, für die es keine Versicherung mehr gibt.

    Der Zusammenbruch der Autoindustrie ist dabei nicht bloß Hintergrundrauschen – er ist der Dampfkochtopf der das Orchester antreibt.

    Die Bishop Schwestern Pam, Debra und Harper ringen verzweifelt darum, ihren Status zu wahren – während Ehen, Ersparnisse und die amerikanische Autoindustrie zusammenbrechen. Aus der Villa in die gemietete Bruchbude.

    Und vor diesem Szenario taucht eine Rettung auf: Harper ist am ärgsten dran, sie braucht dringend Geld. Da kommen ihre Schwestern mit einem Vorschlag…

    Das Rad!

    Frauen helfen Frauen. Mit Geschenken. Mit $5000 bist du dabei! Die Grafik mit der Debra und Pam das erklären sieht zwar aus wie eine Pyramide aber nein, das ist kein Pyramidenspiel.

    Das ist ein Dreieck!

    Das es auf zwei Seiten des Dreicks nur bergab geht – drauf geschissen. Die Schwestern legen die Hand ins Feuer. Passt schon.

    Tja, passt eben nicht. Zumal Pam ermordet wird. Und ihr geldgeiler und betrügerischer Ex-Eheman der Hauptverdächtige ist. Und das ganze so richtig den Bach runtergeht.

    Für alle. Für alle Frauen. Jung oder Alt.

    Irgendwie läuft die Handlung geradlinig und es steht scheinbar nicht viel auf dem Spiel. Aber es geht halt down-hill und das teibt die Geschichte ihrem unvermeidlichen, aber keineswegs weniger befriedigendem Ende entgegen.

    Doch dann ist da noch die Sache mit dem Rad: Wenn wir zB ein Video sehen, das Menschen in einem Boot zeigt – wie sie trinken, ausgelassen feiern etc –, empfinden wir kein Mitleid für sie, wenn sie schlussendlich im Wasser landen. Ganz gleich, wie spektakulär der Unfall auch ausfällt, sie haben sich ihr Schicksal selbst zuzuschreiben.

    Dieselbe Logik gilt für die Teilnehmerinnen am Rad. Wir mögen zwar Mitgefühl für ihr Schicksal empfinden, das diese Frauen dazu triebt törichte Risiken einzugehen – doch wir selbst würden doch niemals derartige Entscheidungen treffen.

    Oder etwa doch?

    Aus meiner Sicht säht Megan Abott perfekte Zweifel am American Dream und verbindet diesen mit den fragwürdigen Entscheidungen der politischen Elite in den US of A (und denen Menschen, die diese gewählt haben).

    Eine Wette darauf, dass sich die meist Weiße & Männliche Spirale aus politischer und wirtschaftlicher Scharlatanerie, Gier und Korruption unaufhörlich weiterdrehen wird, ist ja immer eine sichere Bank.

    Siehe Donald Trump heute. Aber das braucht Megan Abott nicht mal anzudeuten. Der Leser bekommt das entlang dieser Story ganz alleine hin.

    Eines der besten weiblichen down-hill-galore Bücher, die es gibt. Herrlich!

    Soundtrack dazu: Ducky Boys – ‘Till the wheels fall off, was sonst?

    PS: Das ganze hat echte parallelen- 2013 wurden zwei Frauen in Connecticut verurteilt, die eine Geschenktischpyramide durchgezogen haben.

  • Bücher, schnell gelesen: 1.824

    Bücher, schnell gelesen: 1.824

    Mark SaFranko – Dear Professor Romance (Pulp Master, 2026)

    Gelesen: 19. – 22.03.2026 (netto 232 Seiten)

    Übersetzt aus dem amerikanischen English von Sepp Leeb.

    Cool, wahrscheinlich der ruhigste Knaller den ich je gelesen habe. 3 Kerle, alle auf der Suche nach Liebe und alle irgendwie auf der falschen Bahn.

    Da ist Doug, er wohnt mit seiner dementen Mutter zusammen und hat seit Jahren schon keine Beziehung mehr. Sein Befriedigung holt er sich bei Escorts. Und er betreibt eine Website als “Professor Romance”, auf der einsame Männer bzw. Männer die nicht bei Frauen landen können Rat bekommen. Und er ihr Geld. Lohnt sich, er lebt wohlhabend in LA.

    Lance ist Autor und damit so gar nicht erfolgreich. Seine Frau verdient die Kohle. Er lebt an der Ostküste und ist Lohnschreiber für Doug. Für Lance der Brot & Butter Job, für Doug der perfekte Subkontraktor, der die Stimmungslage der Hilfesuchenden trifft. Ja, Lance ist unzufrieden mit Gesamtsituation.

    Dazu gesellt sich Norman, ein im wahrsten Sinne zu kurz gekommener junger Angestellter in einem Biotech Unternehmen. Er noch nie eine Freundin gehabt. Und ist wild entschlossen die wunderbare Cynthia Collingsworth aus der Finanzbuchhaltung zu erobern. Mehr als zufällig mit ihr zur gleichen Zeit in der Kantine zu sein ist aber nicht drin. Er wird einfach übersehen. Und ist wild entschlossen das zu ändern.

    Mark SaFranko nimmt diese 3 Luschen mit in eine Achterbahn, die aber mehr “Wilde Maus” als “Todeslooping” ist. Ganz langsam bringt er die Figuren sich näher, ganz langsam verflechten sich die Geschichten und ganz langsam bekommt der Leser ihre Naivität in Liebesdingen präsentiert.

    Doug verknallt sich in Sascha, ein exklusives Escort. Und wird hammerhart enttäuscht (auf äußerst lustige & listige Weise). Lance verknallt sich in eine MILF (Mutter eines Mitschülers seines Sohnes) und fängt eine Affäre an. Die seine Ehe ruiniert.

    Norman geht all-in basierend auf den Vorschlägen von Professor Romance, denen er sklavisch folgt und für die er ordentlich ablatzt. Er ist eine Mann, Cynthia muss in erhören!

    Am Ende haben alle drei Glück, aber ganz anders als der Leser erwarten würde. Lance bleibt Lohnschreiber aber rettet seine Ehe. Doug verliert seine Mutter aber verfällt nicht der Escort-Lady. Norman verliert seinen Job aber wird nicht von der Polizei geschnappt.

    Alle bleiben Unglücklich. Und einer ist Tod.

    Großartige Story, perfekt lakonisch erzählt und en passant die ganze moderne Liebesberatung für offensichtlich beziehungsunfähige Männer entlarvt.

    Ja, Pulp funktioniert auch ganz ohne Blut & Gewalt. Und zu meiner Überraschung fehlt es mir hier auch nicht.

    Soundtrack dazu: Pistol Grip – No Romance, was sonst?

    PS: Nur echt mit Buch Jingle!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.823

    Bücher, schnell gelesen: 1.823

    Dave Zeltserman – Alles Endet Hier (Pulp Master, 2026)

    Gelesen: 19. – 22.03.2026 (netto 277 Seiten)

    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Michael Grimm und Angelika Müller.

    #1.822 war Noir down hill galore, gleich das nächste Buch schließt sich nahtlos an: hard-boiled down hill galore!

    Das ganze ließt sich wie ein Film, den ich schonmal gesehen habe. Auftritt Dan, Software Entwickler in Boston in den 2010er Jahren. Er hat mit seiner Frau Rachel und seinem Kumpel Warren ein Start-Up gegründet – basierend auf einer guten Idee. Und auf Vertrauen.

    Ohne Verträge.

    Obwohl ihn alle vor Warren gewarnt haben. Den der – oft verheiratet und konsequent dreckig geschieden – verzeiht seinen Partnern nicht das kleinste. Und dreht bei Kleinigkeiten durch.

    Auch hier, als sein Name nicht wie gewünscht in einer Publikation auftaucht. Website? Still gelegt. Potentielle Kunden – angerufen, die Firma ist tot.

    Dan und Rachel stehen vor dem Aus. Alles Ersparte ist in dem Start-Up und Warren will alles. Für lau.

    Dan versucht mit ihm zu reden und landet dafür im Knast. Und erinnert sich an einen anderen Kumpel aus der Software Branche, der einen Russen kennt, der Problemlöser ins Land holt. Und Probleme endgültig löst. Und die Problemlöser wieder aus dem Land schaft.

    Dan, verzweifelt und ohne Aussicht auf eine Zukunft, greift den Strohhalm. Der als fairer Deal erscheint. Und, surprise, Wochen später hat Warren einen tödlichen Unfall und seine Witwe einigt sich mich Dan und Rachel über eine Neuaufstellung des Start-Ups inklusive echter Verträge.

    Geschäft gerettet.

    Und natürlich die Seele nicht.

    Der Russe entpuppt sich als Betreiber eines Murder Clubs, so auch der Original Titel, und Dan muss jetzt auch jemanden killen. Und ab da läuft alles zuverlässig und blutig aus dem Ruder. Und endet ohne jedes Happy End. Wirklich für niemanden.

    Also ein perfekter Schlusspunkt.

    Im Buch gehören Start und Ende zusammen, dazwischen 6 Monate down hill mit immer größerer Beschleunigung. Und dann das Ende, dass kein “Ein Mann Sieht Rot” Ende ist. Sondern Dan beschleicht die Erkenntnis das er genau wie Warren ein Arsch ist.

    Denn: Alle Sind Tot!

    Bei dem Frontalcrash mit ca. 6 Toten auf dem Beifahrersitz? Perfektes Lesevergnügen, das auch noch flott vom Blatt ging. Mehr davon! Immer mehr!

    Soundtrack dazu: Night Birds – Thrilling Murder, was sonst?

    PS: Nur echt mit Buch Jingle!