Bücher, schnell gelesen: Teil 1.513

Tom Franklin – Wilderer (Pulp Master, 2020)

Gelesen: 05. – 08.04.2021, netto 237 Seiten.

Und noch einmal ein herrlich positiver Kontrast zu den 2.600 Seiten Natchez: 10 Kurzgeschichten von Tom Franklin, jemand der in seiner Heimat ganz tief verwurzelt ist.

Diese 10 Geschichten sind vor seinen andere Büchern entstanden, es ist aber wohl völlig egal ob ihr zuerst den Gore-Western Smonk oder den Schuld & Sühne Krimi Krumme Type, Krumme Type lest. Wenn dir Joe R. Lansdale oder James Lee Burke gefällt dann sollte die diese etwas derbere Sicht auf eine ganz andere Welt auch gefallen.

Die 10 Geschichten sind kurz, weniger kurz und lang. Es geht um Landschaft, es geht um Jagd und es geht um Gauner. Mein Liebling ist die Story aus dem Kieswerk die hat alles was eine coole Kurzgeschichte braucht. Und ein cooles Ende.

Die Welt von Tom Franklin ist eine Welt voller Vergessener, voller Verlierer und einer Umwelt, die von der Welt vergessen wurde. Am Ende geht es aus meiner Sicht immer um Freiheit und Tom Franklin legt diesen Begriff ehr maximal aus.

Klasse Teaser, ich möchte aber mehr – vollständige Bücher.

Soundtrack dazu: Flagbearer -Southern Hostility, was sonst?

PS: Netter Kerl, der Tom. Aber er will kein Southern Writer sein…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.512

Ted Lewis – Schwere Körperverletzung (Pulp Master, 2020)

Gelesen: 01. – 04.04.2021, netto 318 Seiten.

Bäng – nach 2.600 amerikanische Südstaaten kommen 318 Seiten erfrischendes England aus den 70ern. Erschienen 1980 und sowas wie das Vermächtnis von Ted Lewis – er hat es nämlich vorgezogen sich tot zu saufen (was er mit 42 Jahren 1982 dann auch geschafft hat).

Bester britischer Noir sagen Experten, ich bin keiner aber ich erkenne inzwischen eine Perle wenn ich sie lese. Zwei einfache Handlungsstränge (“Der Rauch” und “Die See”) wechseln sich in kurzer Folge ab und schnell erkennt der Leser das beide irgendwie zusammengehören.

George Fowler ist ein echter englischer Gangster und er verdient sein Geld vor allem mit einer Sache die England schon immer verpönt war: Sex. Er dreht und verkauft 8mm und 16mm Pornofilme, alles unter der Hand, alles gegen viel Bargeld.

Aber dann realisieren seine Frau und er das ihn seine Leute betrügen. Wo viel Geld, da viel Gier. Und das kann er nicht auf sich sitzen lassen. Und das einzige Mittel das er kennt um für Ordnung zu Sorgen ist schwere Körperverletzung (im englischen grievous bodily harm):

Whosoever shall unlawfully and maliciously by any means whatsoever wound or cause any grievous bodily harm to any person, ... with intent, ... to do some ... grievous bodily harm to any person, or with intent to resist or prevent the lawful apprehension or detainer of any person, shall be guilty of felony, and being convicted thereof shall be liable ... to be kept in penal servitude for life ...

Offences against the Person Act 1861

Und damit gleiten wir von “Rauch” zur “See” – denn an der See versteckt sich Fowler unter falschen Namen bis Gras über “Die Sache” gewachsen ist. Und hier wird aus einem hard-boiled noir dann auch ein intelligenter hard-boiled noir: Fowler wird nämlich ganz offensichtlich verrückt. Der ständige Wechsel von “Rauch” zu “See” und zurück wirft dem Leser dabei immer wieder kleine Brocken zu die mehr und mehr erklären.

Am Ende ein klassischer Showdown ala “Der König ist tot, es lebe der König“. Und, fun fact am Rande, der Rechtsanwalt bleibt auf der Seite der Macht (wen wundert das). Ach ja, die Polizei ist nur korruptes Beiwerk.

Ein großartiges Buch, hart, realistisch und mit überraschend feiner (cleverer) Nadel gestrickt. Bonus: Immer schön aus der “Ich” perspektive erzählt.

Soundtrack dazu: Charged G.B.H. – See The Man Run, was sonst?

PS: Ted Lewis hat auch Jack’s Return Home geschrieben, das als Get Carter gleich mehrfach erfolgreich verfilmt wurde. Schade das Ted Lewis sein Talent im Glas versenkt hat.

1971 ganz klassisch mit Michael Caine …

… und 2000 ganz scheiße mit Sylvester Stallone:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.421

Garry Disher - Hitze (Pulp Master, 2019)
Garry Disher – Hitze (Pulp Master, 2019)

Gelesen: 13. – 14.11.2019, netto 277 Seiten.

Wyatt ist zurück! Nachdem ich (fast) alle Bücher der Serie in einem Rutsch gelesen hatte fehlte mir noch Band 8 – und endlich ist dank dem großartigen Pulp Master Verlag da.

Wyatt hatte ja irgendwie gefühlt das seine Welt aus professionellen Überfällen irgendwie vorbei ist, also hatte er sich aus Australien abgesetzt. Doch Geldnot treibt ihn zurück und in die Arme von Amateuren.

Zum Glück erkennt er das und lässt die Gelegenheit sausen. Stattdessen nimmt er einen Profi-Auftrag von einem Profivermittler an: Ein altes Bild, das im zweiten Weltkrieg verschollen ist, soll an die jüdische Besitzerfamilie zurückgegeben werden. Wyatt nimmt den Auftrag mit der gebotenen Professionalität an und geht wie gewohnt professionell an die Arbeit…

… nur um von Amateuren betrogen zu werden. Aber Wyatt ist Wyatt und kennt nur eine Ehre: Ein Auftrag wird erledigt. Und damit legt die Geschichte eine Blutspur an die ansonsten ruhige und sonnige Gold Coast. Betrug und Sühne würde ich sagen!

Sagte ich schon das ich Garry Disher liebe?

Soundtrack dazu: The Eastern Dark – Stay Alone, was sonst?