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  • Bücher, schnell gelesen: 1.856

    Bücher, schnell gelesen: 1.856

    Charles Willeford – Die Schwarze Messe (Pulp Master, 2005)

    Gelesen: 01.09.2026 (netto 270 Seiten)

    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Ango Laina und Angelika Müller.

    Und nochmal ein älteres Buch (#20) von Pulp Master, im Original von 1958. Und von Charles Willeford, ein Autor den ich schon früh angefangen habe zu lesen: Damals habe ich die Taschenbücher von RoRoRo, Ullstein und Knaur verschlungen.

    Sie waren billig, manchmal auch umsonst, gab es überall (Karstadt, Kaufhof etc) und ich hatte ja keine Ahnung von irgendwas, nur das ich gewissen Autoren total spannend fand. Und irgendwann auch – wie bei Platten – gemerkt habe, das gewisse Herausgeber oft richtig lagen.

    … im ältesten Teil meiner Bibliothek: Taschenbücher von Charles Willeford
    (c) 2026 gehkacken.de

    Die Schwarze Messe ist keine Spukgeschichte sondern schält die Zwiebel “Der amerikanische Traum” Schicht um Schicht. Und zeigt wie auch einfache Weiße sich ihren Traum auf Kosten von gläubigen Schwarzen erfüllen können.

    Nicht um sonst beendet der “Held” Sam Springer das Buch mit den treffenden Worten:

    Lieber Gott, ich danke dir für nichts.

    Sam ist eigentlich Buchhalter und nicht wirklich zufrieden mit seinem Job. Als er nebenbei ein Buch schreibt und dieses auch an einen Verlag verkauft bekommt, nimmt er mit seiner Frau nach Florida Reißaus.

    Dort kommt er als Schriftsteller aber nicht voran und verlässt lieber seine Frau, als sich seinen Problemen zu stellen. Auf der Suche nach einer Story, die er zu Geld machen kann, kommt er auf ein Kloster der ehr kleinen Kirche “Herde der Kirche Gottes” das zum Verkauf steht.

    Und reüssiert als Reverend Deuteronomius Springer in einer schwarzen Gemeinde in Jacksonville.

    Ohne auch nur eine Ahnung zu haben, wie man eine Gemeinde führt macht er es intuitiv richtig. Und erkennt, das so eine Gemeinde nicht nur einen Lohn zahlt, sondern eine Kollekte sammelt.

    Und als auch in Florida die ersten zarten Bus-Boykott Ideen Früchte tragen schlägt seine Stunde:

    Nicht nur kann er die äußerst attraktive Gattin (“Wie ein junges Rotkehlchen schien sie nur aus Beinen und Brust zu bestehen.“) eines Gemeindemitglieds überreden mit ihm durchzubrennen, er kassiert auch noch bei den Bus Unternehmen ab (mit dem Versprechen den Boykott zu beenden).

    Am Ende landet er in NYC, verlässt seine Gespielin und bricht zu neuen Ufern auf. Nur reicher.

    Eine perfekte Studie über die 50er in den US of A, ein Hauptmann von Köpenik in Schwarz-Weiß. Ein Schelmenroman der zeigt, wie wenig das religiöse Gehabe in den US of A mit echtem Glauben zu tun hat.

    Hätte auch von Ross Thomas sein können.

    Soundtrack dazu: Illiterates – Church It Up, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.855

    Bücher, schnell gelesen: 1.855

    Derek Raymond – Roter Nebel (Pulp Master, 1995)

    Gelesen: 31.08. – 01.09.2026 (netto 302 Seiten. Nachauflage (2. Auflage) 2026 mit Vorwort von Frank Nowatzki)

    Übersetzt aus dem Englischen von Angelika Müller.

    Pulp Master 1, dank einer Nachauflage endlich mein. Alle anderen mir noch fehlenden Bände dieser wunderbaren Reihe muss ich mir jetzt aber auch nach-und-nach noch zusammenkaufen.

    Das Buch ist ein perfekter Ken Bruen Roman aus dem Inspektor Brant und Chief Inspector James Roberts Panoptikum.

    Oder aber Ken Bruen hat perfekt bei Derek Raymond abgekupfert.

    In beiden Ecken gibt es wenig Hoffnung, viel gnadenlose Gewalt, sympathische Gangster und korrupte Cops. Und umgekehrt.

    In Roter Nebel begleiten wir Gust, beinharter Gangster und Anfang der 1990er nach 10 Jahren im Knast wieder draußen, bei seinem letzten Gig. Eine einfache Sache, ein paar Blankopässe klauen und Cash kassieren. Und dann weg vom Fenster. Ruhestand.

    Pustekuchen, er hat die Rechnung ohne die eigentlichen Auftraggeber gemacht:

    ( (c) Pulp Master, Berlin)

    Diese spielen das Motto voll aus, lassen sowohl Cops als auch Gust (und noch ne ganze Menge anderer Gestalten) im Regen stehen.

    Denn die Pässe, die hatten einen ganz anderen Zweck: Sie dienten eigentlich dazu ein paar ex-Militärs aus der UdSSR zu locken, die auf dem Weltmarkt Waffen und ggf. auch Atomwaffen vermarkten wollen.

    Und damit ist Gus ein einer Sache drin, in der er weder sein wollte noch aus der er sich je retten kann. Und das macht das Buch so ungemein spannend, den Gus – beinharter Junge – geht seinen Weg als Sieger bis zum bitteren Ende.

    Auf ihn angesetzte Killer: Bringt er nonchalant um die Ecke (Cocktailspieß ins Ohr anyone?). Die Mörder seiner großen Liebe? Erwischt er. Der, der ihm den Pass-Deal verkauft hat? Überlebt es nicht.

    Zwangsläufig allerdings steht er damit am Ende alleine da, auf einem Hochspannungsmast.

    ( (c) Pulp Master, Berlin)

    “Until the red fog rises” ist dann auch der unfassbar gut passende Originaltitel.

    Geiler Scheiß, ordentlich lakonische Gewalt, Blut und fast ohne Ausnahme Menschen, die anderen Menschen … nichts gönnen.

    Mehr davon, immer mehr!

    Soundtrack dazu: Arial Salad – Leave me alone, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.837

    Bücher, schnell gelesen: 1.837

    Megan Abott – El Dorado Drive (Pulp Master, 2026)

    Gelesen: 25. – 26.05.2026 (netto 418 Seiten)

    Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Peter Hammans.

    Warum haben so viele Amerikaner Donald Trump gewählt? Warum so viele Weiße Frauen? Weil sie verdammt nochmal das Recht haben auf der Gewinnerseite zu bleiben!

    Megan Abott ist eine Meisterin darin, die amerikanische Alltagswelt den Bach runterzuschicken. In El Dorado Drive macht sie das in Detroit und vor dem Hintergrund der Finanzkriese 2008.

    Und wie in ihren anderen Büchern gibt Megan die Dirigentin für ein langsames Crescendo eines Weltuntergangsorchesters. Das einfach nicht aufhört.

    Während die US Regierung fieberhaft darum ringt, GM und Chrysler zu retten, sehen sich die Ehemänner der Bishop-Schwestern Pam und Debra mit Entlassungen, Abfindungsangeboten und dem langsamen Zerfließen ihrer einst so sicheren Zukunft konfrontiert. Und Arztrechnungen, für die es keine Versicherung mehr gibt.

    Der Zusammenbruch der Autoindustrie ist dabei nicht bloß Hintergrundrauschen – er ist der Dampfkochtopf der das Orchester antreibt.

    Die Bishop Schwestern Pam, Debra und Harper ringen verzweifelt darum, ihren Status zu wahren – während Ehen, Ersparnisse und die amerikanische Autoindustrie zusammenbrechen. Aus der Villa in die gemietete Bruchbude.

    Und vor diesem Szenario taucht eine Rettung auf: Harper ist am ärgsten dran, sie braucht dringend Geld. Da kommen ihre Schwestern mit einem Vorschlag…

    … Das Rad!

    Frauen helfen Frauen. Mit Geschenken. Mit $5000 bist du dabei! Die Grafik mit der Debra und Pam das erklären sieht zwar aus wie eine Pyramide aber nein, das ist kein Pyramidenspiel.

    Das ist ein Dreieck!

    Das es auf zwei Seiten des Dreicks nur bergab geht – drauf geschissen. Die Schwestern legen die Hand ins Feuer. Passt schon.

    Tja, passt eben nicht. Zumal Pam ermordet wird. Und ihr geldgeiler und betrügerischer Ex-Eheman der Hauptverdächtige ist. Und das ganze so richtig den Bach runtergeht.

    Für alle. Für alle Frauen. Jung oder Alt.

    Irgendwie läuft die Handlung geradlinig und es steht scheinbar nicht viel auf dem Spiel. Aber es geht halt down-hill und das teibt die Geschichte ihrem unvermeidlichen, aber keineswegs weniger befriedigendem Ende entgegen.

    Doch dann ist da noch die Sache mit dem Rad: Wenn wir zB ein Video sehen, das Menschen in einem Boot zeigt – wie sie trinken, ausgelassen feiern etc –, empfinden wir kein Mitleid für sie, wenn sie schlussendlich im Wasser landen. Ganz gleich, wie spektakulär der Unfall auch ausfällt, sie haben sich ihr Schicksal selbst zuzuschreiben.

    Dieselbe Logik gilt für die Teilnehmerinnen am Rad. Wir mögen zwar Mitgefühl für ihr Schicksal empfinden, das diese Frauen dazu triebt törichte Risiken einzugehen – doch wir selbst würden doch niemals derartige Entscheidungen treffen.

    Oder etwa doch?

    Aus meiner Sicht säht Megan Abott perfekte Zweifel am American Dream und verbindet diesen mit den fragwürdigen Entscheidungen der politischen Elite in den US of A (und denen Menschen, die diese gewählt haben).

    Eine Wette darauf, dass sich die meist Weiße & Männliche Spirale aus politischer und wirtschaftlicher Scharlatanerie, Gier und Korruption unaufhörlich weiterdrehen wird, ist ja immer eine sichere Bank.

    Siehe Donald Trump heute. Aber das braucht Megan Abott nicht mal anzudeuten. Der Leser bekommt das entlang dieser Story ganz alleine hin.

    Eines der besten weiblichen down-hill-galore Bücher, die es gibt. Herrlich!

    Soundtrack dazu: Ducky Boys – ‘Till the wheels fall off, was sonst?

    PS: Das ganze hat echte parallelen- 2013 wurden zwei Frauen in Connecticut verurteilt, die eine Geschenktischpyramide durchgezogen haben.