Bücher, schnell gelesen: Teil 1.363

Chris Walter - Personality Crisis: Warm Beer & Wild Times (GFY Press, 2008)
Chris Walter – Personality Crisis: Warm Beer & Wild Times (GFY Press, 2008)

Gelesen: 23.12.2018 – 04.01.2019, netto 215 Seiten (In Englisch, gibt es nicht auf Deutsch)

Personality Crisis sind eine frühe kanadische Punk Band, genau aus der Zweit des Übergangs von Punk Rock zu Hardcore. Ihr Nachlass ist klein: 5 Jahre, eine Single und eine LP. Dazu ein paar Beiträge auf Samplern.

Zu ihrer Zeit waren sie eine Band von wenigen, heute sind sie Legenden. Das liegt sicher auch daran das sie zum einen Vollblutmusiker waren, die durchaus ihre Instrumente beherrschten, und zum anderen daran das sie was von Spinal Tab hatten.

Das Buch nimmt uns mit auf eine Reise die sich im Grunde mehrfach wiederholt. Personality Crisis kamen aus Winnipeg, CA und das liegt sprichwörtlich in der Mitte von Nichts:

Selbst für kanadische Verhältnisse ist das am Arsch der Welt. Und die meiste Zeit im Jahr ehr kalt und voller Schnee und Eis. Und wenig Jobs. In dieser Welt entsteht Personality Crisis aus der Asche einer der ersten Punk Bands und dank ihres Arbeitseifers (10 Stunden am Tag proben), ihrer Lautstärke (Marshalls, immer auf 12) und ihres rücksichtslosem Bier- und Drogengebrauches werden sie die lokalen Helden.

Doch das lokale Heldentum ist ihnen zu wenig, sie wollen auf Tour. Davon haben sie leider keine Ahnung und die nächsten Auftrittsmöglichkeiten sind eh mehr als 1.000 KM entfernt. Sie machen sich trotzdem auf den Weg, ohne Geld, ohne Ahnung und mit schrottreifen Vans, die sie am Ende das letzte Geld kosten. Der Traum in Kalifornien zu landen bringt sie dann letztendlich nach San Franzisco, lächerliche 3.800 KM per Auto …

Dort ist es warm und die passionierten Biervernichter können das billige Bier in Strömen trinken. Und Drogen gibt es auch – alles was im Angebot ist wird genommen. Aber sie waren hungrig, letztendlich nach allem.

(c) GFY Press 2008
(c) GFY Press 2008

Was nicht auf die Reihe bekamen war Management – von sich selbst, von ihren Tourträumen und von ihren Plattenträumen. Letztendlich spielten sie überall wo sie sich auf die Bühne laber konnten, vor allem mit dem Ziel lauter als alle anderen zu sein (und Bier und Essen im Backstagebereich zu vernichten). Und dazu kam dann irgendwann das Gerät das schon so viele Bands vernichtet hat: Die Nadel!

(c) GFY Press 2008

Und das war dann letztendlich das Ende von Personality Crisis. Einer konnte noch im Schlepptau von Duff McKagan (der ja eine Punk Historie hat) ein wenig am Rockstar Traum riechen, aber letztendlich landeten alle wieder auf dem harten Boden der Realität. Und sperren sich beharrlich gegen eine (sowieso sinnlose) Reunion.

Das Buch ist sicherlich spannend und extrem realitätsnah aber auch sehr zäh zu lesen, nicht wirklich flüssig geschrieben. Es fehlt auch irgendwie der Hook. Der Schluss dagegen ist flott, je ein Kapitel ist den Überlebenden und ihrem „hier & jetzt“ gegönnt.

Eine große Band, ohne Bier und Drogen und mit Management wäre da sicher mehr drin gewesen. DOA. SNFU und andere aus CA haben es ja auch halbwegs geschafft. Wer sich die LP und die retrospektive Doppel-CD anhört ahnt was für eine Perle da im Nirgendwo das Licht der Welt erblickt hat. Poision Idea zum Beispiel klangen erst in den 90ern so wie Pesonbality Crisis schon 1983!

Soundtrack dazu: New York Dolls – Personality Crisis, was sonst?

Mehr zu Personality Crisis hier. Und wie waren die Live? So:

PS: Ich habe das Buch von meinem Kumpel Frosch bekommen, der es im Vancouver Urlaub aufgelesen hat. Der Rest muss versuchen es über www.punkbooks.com zu bekommen…

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