Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.806

    Bücher, schnell gelesen: 1.806

    Anne Hillerman – Tony Hillerman’s Landscapes (HarperCollins, 2009)

    Gelesen: 31.12.2025 (netto 182 Seiten)

    Im englischen Original gelesen, wird sicher nie auf Deutsch erscheinen.

    Manchmal ist die naheliegendste Idee auch die Beste.

    Tony Hillerman, dessen großartige Navajo Krimiserie im Unionsverlag erscheint, beschreibt in seinen Büchern absolut plastisch die Landschaft der Dinétah (“Land Of The Diné”), so plastisch das zumindest bei mir das Kopfkino zuverlässig zündet.

    Seine Tochter Anne hat 2009 dieses Vermächtnis kreiert, die Idee entstand noch zusammen mit Tony in 2007, leider ist Tony vor Vollendung 2008 verstorben.

    Ziemlich gut nimmt Anne Szenen aus den Büchern ihres Vaters, der die Gegend im Detail kannte und eben als perfekten Hintergrund benutzte, und stellt sie in den historischen Kontext und liefert großartige Farbfotos der Schauplätze.

    Die Fotos haben bei eine perfekte Distanz, in vielerlei Hinsicht. Vor allem aber, weil es meist Panoramafotos sind. Und die Landschaft ist … Episch!

    Die Idee ist so gut, das ich sowas gerne auch für James Ellroy, Jo Nesbø, James Lee Burke und … Simone Buchholz hätte. Wer machts!

    Perfekter Companion für ein perfektes Lesevergnügen. Und ein mehr als würdige Ehrung für einen großartigen Schriftsteller und Bewahrer von Navajo-Kultur.

    Soundtrack dazu: The Copyrights – Part Of The Landscape, was sonst?

    PS: Und Anne so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.805

    Bücher, schnell gelesen: 1.805

    Felicity McLean – Red (Polar Verlag, 2025)

    Gelesen: 29. – 30.12.2025 (netto 243 Seiten plus ein Nachwort von Nachwort von Günther Grosser)

    Aus dem australischen Englisch von Kathrin Bielfeldt.

    Das Jahr 2025 ist fast um und ich glaube ich habe gerade eines meiner Lieblingsbücher 2025 gelesen.

    Bei Polar ist 2021 bereits Cordie erschienen, ein großartiges Kinderbuch. Ok, ein großartig dunkles Kinderbuch. Nur nicht unbedingt für Kindern.

    Red knüpft an das Kinderbuch-Setting an, aber nicht inhaltlich. Nachweislich des Nachwortes (mir hätte sich das so nicht ergeben) hat Felicity McLean die Ur-Australische Geschichte von Ned Kelly einfach in die 1990er geschoben und als Helden ein 15 Jähriges Mädchen genommen.

    Ned Kelly hat seine Geschichte damals einem Mitglied seiner Bande 1879 in die Feder diktiert, bevor er 1880 dann gefasst und gehängt wurde. Es ist eine beeindruckende Oral History.

    Ruby Sherrin McCoy aka Red erzählt uns ihre Geschichte ins Gesicht. Und die Geschichte ihrer Familie. Aus dem Knast. Dort sitzt sie und wartet auf ein Urteil. Denn sie hat auf einen Polizisten eingestochen.

    Das “warum” ist kompliziert und doch einfach – für die Familie von Red gilt nämlich:

    They fought the law. The law won. Such is life.

    Die Story, die Red erzählt, ist durch und durch mit Tragik behaftet. Der Leser ist irgendwie nicht von ihrem Schicksal überrascht. Ihre väterlichen Bezugspersonen Sid und Chook verkörpern abgebrühte australische Working Class, immer auf der Suche nach einem zwielichtigen Geschäft.

    Ihre (und die ihrer Familie) Nemesis Healy ist der lokale Polizeisergeant, ein typischer Dorf-Sheriff mit quasi unkontrollierter Macht. Piesackt Sid und Red. Nutzt Sid aus. Verarscht ihn und Chook und bringt sie mit einem Trick in den Knast.

    Fast alle von Red erwähnten Personen fühlen sich dabei sowas von real an. Und das liegt auch am Hauptkniff des Buches:

    Die Story wird vollständig aus Reds Perspektive erzählt, in einem hektischen, umgangssprachlichen Stil, gespickt mit vielen „Ja“s und meist ohne Interpunktion. So wie junge und vermeindlich ungebildete Menschen eben sprechen.

    Dieser Trick erfüllt dabei mehr als einen Zweck: Felicity McLean versetzt den Leser direkt in Reds Sichtweise und unterstreicht dabei dass die Wahrheit einer Geschichte davon abhängt, wessen Perspektive wir hören. Und das ist die Verbindung zu Ned Kellys eigenem Manifest, in dem er seine Sicht der Übel in der Australischen Kronkolonie darlegt.

    Ich habs verschlungen. Und mehr als einmal hab ich mich auf die Seite von Red geschlagen. Aber wer Arm ist, muss Arm bleiben. Wer nicht mitspielt, ist draußen. Wer aufmuckt, wird kleingemacht.

    Boah, das ist sowas von heute!

    Soundtrack dazu: Stranglehold – Knock Me Down, was sonst?

    PS: Und Felicity so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.804

    Ross Thomas – Stimmenfang (Alexander Verlag, 2025)

    Gelesen: 21. – 28.12.2025 (netto 404 Seiten)

    Aus dem Amerikanischen von Gisbert Haefs.

    Der Schlusspunkt der Ross Thomas Neuedition beim Alexander Verlag und mit Stimmenfang (im Original The Seersucker Whipsaw) geht es zurück an den Anfang von Ross Thomas. Und in die 1960er Jahre.

    Und zurück in die eigene Historie: Ross Thomas hat tatsächlich mal in den 1960ern in Nigeria als strategischer Politberater gearbeitet.

    Hier geht es um Albertia, eine britische Kolonie. Und dort stehen die ersten freien Wahlen an, die englische Krone will die Kolonie in die Unabhängigkeit entlassen.

    Einer der Kandidaten, Chief Akomoloa, heuert eine PR Agentur in London an und die schickt ihre besten: 2 Amerikaner, PR Profi Peter Upshaw und den Politstrategen Clinton Shartelle.

    Gestopft mit Geld nehmen sie einen modernen Wahlkampf in einem Land auf, wo die zukünftige Elite modern ist und der Rest des Landes … Kolonie.

    Ross Thomas lullt den Leser dabei perfekt ein, großartige Ränke werden geschmiedet, die politischen Gegner von Chief Akomolo werden gekonnt in die Irre geführt und es bleibt auch noch Zeit für eine große Liebe.

    Ach ja, Kollateralschäden hat der Wahlkampf auch – sonst wäre es ja kein Ross Thomas Krimi.

    Ross Thomas ist schon ein cooler Geschichtenerzähler und diese hier ist eine perfekte Parabel auf den Kolonialismus: Der weiße Mann weis alles besser.

    Das Ende setzt Ross Thomas dann mit einem coolen Big Bäng. Geahnt, aber nicht gesehen!

    Perfekt. Und wieder völlig aus der Zeit gefallen (wenn auch völlig übertragbar auf heute – wie politische Strategen heute Wahlen dank Internet und Asozialer Medien manipulieren ist aus der gleichen Rumpelkammer).

    Kauf! Sie! Alle!

    Soundtrack dazu: Samiam – Too Many Buttons, was sonst?

    PS: Immer daran denken…