Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.808

    Bücher, schnell gelesen: 1.808

    James Lee Burke – Clete (Pendragon, 2025)

    Gelesen: 06. – 08.01.2026 (netto 339 Seiten)

    Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger.

    Band 24 der Dave Robicheaux Reihe und diesmal hat sich James Lee Burke einen kleinen Spass erlaubt:

    Der unberechenbare Sidekick von Dave, ehemaliger Partner im NOPD und irgendwie Privatdetektiv Clete Purcel erzählt die Geschichte aus seiner Sicht.

    Allerdings ist Clete alles andere als ein zuverlässiger Erzähler: Er ist alkoholkrank, psychisch labil, depressiv. Die Sünden und Teufel der Vergangenheit sind tief in seinem Gehirn.

    Mehr als einmal fantasiert er sich Dinge herbei die einfach nicht real sein können (und es wahrscheinlich so auch nicht waren). Trotzdem bleibt es ein typisches Dave Robicheaux Buch voller Gewalt. Verstörend, explizit und mitunter sinnlos. Warum manche Figuren verletzt werden und warum so brutal bleibt irgendwie, genauso wie das Ende, halbwegs im Dunkeln.

    Drogen. Nazis. Gangster. FBI. Korrupte Cops. Racheengel. Frauen, die gerettet werden müssen.

    All-in, und ziemlich crazy. Wie Clete eben so ist.

    Der Running Gag des Buches ist das Clete irgendwie immer wieder im Krankhaus landet und sich immer wieder selbst entlässt.

    Das Buch ist ein getarnter Krimi: Ein Actionthriller, der das nicht fehlerfreie Gute gegen das immer unerbittliche Böse antreten lässt. Und ist dazu noch durchdrungen von Traurigkeit und Sehnsucht nach all den vergangenen Sonnenuntergängen. Also ehr … Poesie?

    Als Einzelstück ist die Sicht von Clete spannend, die Geschichten aus Sicht von Dave sind … besser. Weniger fantasierend.

    Trotzdem ein fesselndes Buch, das eben zur Serie gehört.

    Soundtrack dazu: Didjits – Gold Eldorado, was sonst?

    PS: Und James Lee Burke so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.807

    Bücher, schnell gelesen: 1.807

    Joseph Cox – Dark Wire (Public Affairs Books, 2024)

    Gelesen: 31.12.2025 – 05.01.2026 (netto 319 Seiten, auf Englisch gelesen, bin nicht sicher ob das jeh in Deutsch erscheint)

    Das ist dann wohl True Crime, andersrum.

    Data Privacy, Verschlüsselung etc – alles Dinge die mir am Herzen liegen. Verschlüsselung als Mittel zum Zweck liegt aber auch anderen am Herzen. Und das sind dann Leute denen ich das garnicht gönne: Verbrecher. Mörder. Terroristen.

    Vorhang auf für das Rennen “Verschlüsselte Gangster” vs. Strafverfolger.

    Kriminille haben einen Job, der es in der Regel erfordert keine Spuren zu hinterlassen. Physisch, aber auch digitaler Art. Daher waren sie – nach Geheimdiensten und Politik – die ersten die den Sinn verschlüsselter (und nicht entschlüsselbarer) Kommunikation erkannten. Am besten im Gewand von einen Smartphone.

    Und lästige Dinge wie Kamera und GPS auf dem Motherboard tot gemacht. Reden. Messenger. Und sonst nix.

    Dafür gab es irgendwann Spezialisten, die entweder direkt aus der Kriminiellen Ecke kamen oder aber Privacy Advokaten waren (und es kümmerte sie nicht was mit den Geräten gemacht wurde).

    Eine Zeitlang waren die Strafverfolger blind, dann haben sie sich darauf fokusiert das zu knacken. Und wie bei so vielen Dingen war der erste Ansatz … den Provider zu hacken. Denn die hatten keine Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Und ihre Server in Europa.

    Nach und nach konnten die Strafverfolger vor allem in AUS, SE, NL und den US of A das ganze aufdröseln und dahinterkommen. Und dann hatte jemand vom FBI eine echte Idee:

    Warum nicht ein kriminelles Startup in dem Marktsegment übernehmen, die weiter verschlüsselte Telefone an Gangster vertreiben lassen und … eine Backdoor einbauen. Jedes Telefon kopiert alle Nachrichten an einen Server in … Litauen. Und dort hat ein freundlicher Richter eine Weitergabe-Verfügung an das FBI abgezeichnet.

    Nach einigen Wiederständen kommen sie mit der Idee dann wirklich durch und voila, sie können mitlesen.

    Und je mehr andere Systeme (EncroChat zb) gehackt werden, je mehr wechseln Gangster zum Startup Anom.

    Joseph Cox, ein investigativer Journalist, erzählt die ganze Story mit ordentlich Schwung, fast nur O-Tönen und mit dem notwenigen Fachwissen (allerdings ärgert mich dann schon das ein Frachter in der Nordsee vor der Schwedischen Küste ankert, doh!).

    Am Ende bleibt die Frage: Wenn ich Verschlüsselung, sicher und für alle will, will ich dann auch das die Bösen eine Chance haben?

    Puh, Dilemma!

    Spannend und eine lustige Fußnote der Kriminalgeschichte.

    Soundtrack dazu: Anti-Feds – Failed System, was sonst?

    PS: Nur echt mit Book Trailer!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.806

    Bücher, schnell gelesen: 1.806

    Anne Hillerman – Tony Hillerman’s Landscapes (HarperCollins, 2009)

    Gelesen: 31.12.2025 (netto 182 Seiten)

    Im englischen Original gelesen, wird sicher nie auf Deutsch erscheinen.

    Manchmal ist die naheliegendste Idee auch die Beste.

    Tony Hillerman, dessen großartige Navajo Krimiserie im Unionsverlag erscheint, beschreibt in seinen Büchern absolut plastisch die Landschaft der Dinétah (“Land Of The Diné”), so plastisch das zumindest bei mir das Kopfkino zuverlässig zündet.

    Seine Tochter Anne hat 2009 dieses Vermächtnis kreiert, die Idee entstand noch zusammen mit Tony in 2007, leider ist Tony vor Vollendung 2008 verstorben.

    Ziemlich gut nimmt Anne Szenen aus den Büchern ihres Vaters, der die Gegend im Detail kannte und eben als perfekten Hintergrund benutzte, und stellt sie in den historischen Kontext und liefert großartige Farbfotos der Schauplätze.

    Die Fotos haben bei eine perfekte Distanz, in vielerlei Hinsicht. Vor allem aber, weil es meist Panoramafotos sind. Und die Landschaft ist … Episch!

    Die Idee ist so gut, das ich sowas gerne auch für James Ellroy, Jo Nesbø, James Lee Burke und … Simone Buchholz hätte. Wer machts!

    Perfekter Companion für ein perfektes Lesevergnügen. Und ein mehr als würdige Ehrung für einen großartigen Schriftsteller und Bewahrer von Navajo-Kultur.

    Soundtrack dazu: The Copyrights – Part Of The Landscape, was sonst?

    PS: Und Anne so?