Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.498

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.498

    Pat Blasheill – Texas Is The Reason (Bazallion Points, 2020)

    Gelesen: 31.12.2020, netto 241 Seiten

    Noch schnell im alten Jahr habe ich mir auch das wunderbare Fotobuch “Texas Is The Reason” zur Brust genommen.

    Es ist ein echtes Fotobuch, daher ist es schnell gelesen. Zwischen den Fotos gibt es kurze und prägnante Statements einzelner Protagonisten, die auf eine Zeit zurückschauen die ich ähnlich erlebt habe – zum Teil benutzen sie auch die gleichen Sprachbilder die ich benutzen würde.

    In jedem Fall fühle ich mich in der Szene die beschrieben (und bebildert) wird ganz wie zuhause:

    Gary Floyd (Dicks) and Cristi Delgado (screaming).
    Voltaire’s Basement in Austin, April 1984
    (c) 2020 Pat Blashill

    S/W, irgendein Keller, ein Sänger nah dran, mitsingende Zuschauer in Reihe 1, überraschend viele Frauen (und Cristi mit einer ganz wunderbaren Pose).

    Die Bandbreite ist dabei schmal – alles Austin und alles so 1982-1986. Aber so ist das eben, denn 1987 ging Pat nach NYC um dort für SPIN und Rolling Stone zu arbeiten. Heute – fun fact – lebt Pat in Wien und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe.

    Was sagt Pat?

    
    Blashill told Texas Standard the scene that emerged in the university town was a rebuke of the racism, religious conservatism and the conservative Greek culture dominant on the University of Texas campus at the time.
    
    "Some of the bands, they were kind of playing with the idea that Texans are these kind of backwards, slack-jawed yokels," Blashill said.
    
    He said Austin's punk scene, which included bands like Butthole Surfers and Poison 13, was a collection of artists looking for creative ways to express angst and dissatisfaction toward mainstream culture. The scene thrived in a way unlike in any other mayor city because Austin was off the beaten path.
    
    "There wasn't this intense media, news or Hollywood or advertising industries in our town ... so it had a chance to kind of fester and grow on its own," Blashill said. "That was an advantage because then, I think, the scene was much more unusual, and it became much more unique and diverse."
    
    See: https://www.kut.org/texas/2020-10-23/austins-rule-breaking-80s-punk-scene-on-full-display-in-texas-is-the-reason
    

    Und der klügste Satz:

    The thing that amazed me about punk music in Austin was how creative and passionate everyone was. Most everyone who wasn't a musician either had a zine, took photos, dressed in an interesting and inspring way, or simply supported and loved the bands. (Donna Rich)

    Eines der besseren Fotobücher, da die Bilder durchgehend eine individuelle Qualität von “Nähe” haben und der Standpunkt des Fotographen immer ganz nah an oder auf der Bühne war.

    Lohnt sich, da es das im guten Fachhandel in DE gibt und das unfassbar teure Porto aus den US of A entfällt.

    Soundtrack dazu: The Offenders – Endless Struggles (Full LP), was sonst?

    PS: Pat in einem Interview …

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.497

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.497

    James Ellroy – Jener Sturm (Ullstein, 2020)

    Gelesen: 22. – 30.12.2020, netto 959 Seiten

    Ein echtes Monster. 900+ Seiten Wahnsinn von Januar bis Mai 1942. Einmal LA, runter zur Baja California und wieder zurück. Einmal Nigger, Japsen, Mexen, Nazis, Priesterschänder und Kommunisten killen. Auf der Suche nach Gold. Auf der Suche nach Erlösung. Auf der Suche nach Liebe. Auf der Suche nach Rache.

    Das Buch knüpft direkt an Perfidia an, und die wilde Hatz geht noch schneller und noch überdrehter weiter. Allerdings sind wir auch 5 Jahre weiter und James Ellroy ist inzwischen über 70. Und überdreht. Leider.

    Für das Buch hätten auch 450 Seiten gereicht und die ausufernde Geschichte (mit ca. 4 Plots) hätte ein wenig mehr Struktur gebraucht.

    Perfidia war ja sehr nah an der historischen Realität, in Jener Sturm benutzt Ellroy zwar jede Menge realer Personen aber lässt diese frei rotieren: Faschisten und Kommunisten treffen sich in Mexiko (nachdem sie sich in den 30ern in Deutschland an der TH Dresden getroffen hatten) und machen einen Deal mit den Mexikanern.

    Gold für eine Chance nach dem Krieg, egal wie er ausgeht. Der Golfschatz wurde dabei vor Jahren in den US of A geklaut. Von einem KommunistenNazi. Mit einem schwarzen Helfer. Und … und … und …

    Ich hab das Buch verschlungen und in das Ellroy Universum einzutauchen ist schon Klasse, aber hier und in diesem Buch sind Ellroys Jugendphantasien (“I want to transport readers back in time and make them live history as intensely as I live it and as intensely as I put it on the page. I want to give readers the gift that was first given to me as a young boy discovering the world, and that gift was the past. “) eine Nummer zu dick auf- und vorgetragen.

    Zumal am Ende nichts als zynischer oder auch manischer Nihilismus übrig bleibt. Und den Goldschatz, den gibt es natürlich nicht.

    Schade – mal sehen ob der nächste Band des zweiten L.A. Quartetts wieder so schwer im Kopf liegt. Ein Kritiker vergleich dieses Buch mit dem Auge eines Sturm, der sich um sich selbst dreht und in dem nichts wirklich passiert. Das passt irgendwie.

    Ich bleibe zwar eine treue Seele als Ellroy Leser aber auf den nächsten Band kann ich mich nicht freuen.

    Soundtrack dazu: The Eleminators – Punta Baja, was sonst?

    PS: Das US Cover ist ein wenig deutlicher als das Deutsche, das völlig sinnfrei James Ellroy zum Cover Model macht.

    James Ellroy – This Storm (Alfred A. Knopf, 2019)

    PPS: Und was sagt James?

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.496

    Michael Farris Smith – Desperation Road (Ars Vivendi, 2018)

    Gelesen: 19. – 21.12.2020, netto 269 Seiten

    Schuld und Sühne, diesmal auf eine etwas andere Art. Eine kleine Geschichte über Menschen die etwas hinter sich lassen wollen und einfach nur nach einer zweiten oder einer weiteren (oder letzten?) Chance suchen.

    Russel hat 11 Jahre im Knast gesessen weil er im Suff jemanden totgefahren hat. Er kommt nach Hause zurück und wird erstmal von den Verwandten, deren Bruder er getötet hat, in die Mangel genommen – nix mit Schuld abgesessen.

    Mabel und ihre Tochter irren über den Interstate und wollen nur weg – weg von den Drogen, weg von den Männern. Irgendwie sind auch sie auf dem Weg nach Hause und geraten … an einen Mann. In Uniform. Mabel erduldet den Missbrauch, so wie immer. Aber der Cop will nochmal, da greift Mabel seine Knarre und knallt ihn ab.

    Und natürlich kreuzt sich die Bahn von Russel und Mabel. Und als Russel rausbekommt das sie a) die Knarre hat, die die Polizei sucht, und b) einen Cop abgeknallt hat da wird ihm klar das er mit ihr an seiner Seite direkt wieder in den Knast kommt.

    Am Ende ist einer von Russels Peinigern Tod, Mabel und ihre Tochter am Leben und Russel … mit seinem besten Freund, einem Cop, im Reinen.

    Schuld und Sühne, aber beim wen bzw. für wen? Da Michael Ferris Smith diesen Teil überraschend fein in die lakonisch erzählte Geschichte verwoben hat verrate ich das nicht.

    Schnell, hart und direkt. Und es ist für mich keine Überraschung das die Filmrechte bereits vergeben sind – bei mir hat das Kopfkino gezündet.

    Perfektes Urlaubsbuch für einen Besuch im Mississippi Delta. Oder eine lange Bahnfahrt in den Süden. Auf jeden Fall ein gutes Buch.

    Soundtrack dazu: Monster Magnet – Sin’s A Good Mans Brother, was sonst?

    PS: Oh .. auch Bücher haben Trailer. Ich würde ja gerne den Filmtrailer sehen…