Bücher, schnell gelesen: Teil 1.366

Simone Buchholz - Mexikoring (Suhrkamp Nova, 2018)
Simone Buchholz – Mexikoring (Suhrkamp Nova, 2018)

Gelesen: 08.- 10.01.2019, netto 239 Seiten

Ach, das ist ein herrlicher Einstieg in das Lesejahr 2019 – neben Robert Brack bekommt keiner so gute Lokalkolorit-Krimis hin die dabei sowohl ernst als auch luftig leicht lustig sind.

Waren bisher nur Spielernamen des FCSP und des HSV auf dem literarischen Tablett so kommen diesmal Spieler des SVW dazu: Chasity Riley und das Ermittlungsteam der Pauzilei Hamburg verschlägt es nach Bremen.

Und das Thema ist aktuell und konfliktgeladen:  Bremer Familienclans, außerhalb der bundesdeutschen Gesellschaftsordnung – roh, archaisch und gewalttätig.  Ein verstoßener Sohn ist in Hamburg verbrannt und eine verstoßene Tochter war in der Nähe. Wer hat da Rache genommen?

Gewohnt locker nimmt Simone Buchholz das Thema auf und verliert dabei nie den notwendig klaren Blick auf die beinharte (und brutale Realität – der Clans und der Polizei). Und einen klaren Blick hat sie auch auf die Flora (die einen spannende Nebenrolle spielt):

(c) Suhrkamp Verlag Berlin 2018
(c) Suhrkamp Verlag Berlin 2018

Auf den Punkt – Danke! Und im Laufe des Falles kommt so einiges durcheinander und aus einer Geschichte werden drei. Und zwei davon finden ein großartiges Ende (mit einem Happy End voller street credibility) und eine ist ein Cliffhänger.

Beste Unterhaltung mit einer intelligenten Botschaft, direkt aus dem Viertel. Was kann ich mehr wollen?

Bitte alle Bücher mit dem Team der Nachtschicht verfilmen!

Soundtrack dazu: Bärbel – Strohhalm, was sonst?

Mehr kluge Worte von Simone Buchholz hier!

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.316

Adrian McKinty - Dirty Cops (Suhrkamp Nova, 2018)
Adrian McKinty – Dirty Cops (Suhrkamp Nova, 2018)

Gelesen: 16. – 17.04.2018, netto 383 Seiten

Da ich zur Zeit in den Dünen lese bleib ich einfach in Irland bzw. Nordirland. Und nach einem Buch in dem die Cops böse sind passt daher „Dirty Cops“ – das im englischen einfach noch viel besser „Police at the Station and They Dont Look Friendly“ (nach einem Tom Waits Song) heißt.

Und diesmal hat Sean Duffy ein echtes Problem: Zum einen ein Mord der so gar nicht passt und zum anderen seine Freundin und die gemeinsame Tochter, die weder nach Carrickfergus noch zu Duffy passen (und doch seine große Liebe sind).

Und weil Duffy einfach nicht locker lassen kann und er es als seinen Job sieht den Mord aufzuklären … wird er und seine Familie zur Zielscheibe. Und zwar zu einer Zielscheibe von ganz oben. Und damit ist die Botschaft „Rette sich wer kann“ – Duffy, sein Team und seine kleine Familie. Doch Duffy wäre nicht Duffy wenn er nicht a) dem Tod von der Schippe springen würde und b) nicht doch den kleinen Punkt der Wahrheit findet der dann ein großes Finale heraufbeschwört.

Ganz ganze ganz großes Kino und einfach das Beste über die die Zeit der Troubles. Besser geht ein im echten Leben verwurzelter Polizeikrimi nicht. Punkt.

Soundtrack dazu: Ausnahmsweise mal vom Autor ausgewählt … Tom Waits – Cold Water, was sonst?

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.297

Lisa Sandlin - Ein Job für Daphne (Suhrkamp Nova. 2017)
Lisa Sandlin – Ein Job für Daphne (Suhrkamp Nova. 2017)

Gelesen: 13. – 20.01.2018, netto 344 Seiten

Hui – 61 Jahre musste Lisa Sandlin werden um ihr Debut rauszuhauen. Und das sitzt. Eigentlich ein Roman den ich bei Hard Case Crime erwartet hätte, es ist bester Retro-Pulp der 1973 im tiefsten Texas angesiedelt ist. Und das beste: Eine neuer Typ Held betritt die Bühne. Nicht der Privatdetektiv ist der Held und die treibende Kraft sondern seine Sekretärin.

Und die hört auf den großartigen Namen Delpha Wade und kommt gerade nach 14 Jahren Knast zurück in ihre Gegend. Die 14 Jahre hat sie abgesessen weil sie als Jugendliche einen Totschlag begangen hat. Das dieser an einem Kerl erfolgte der sie vergewaltigt hat zählte in Texas nicht. Zumal der Vater des Kerl, der dabei war, sich verpisste und gegen sie aussagte.

Und so lernen wir viel über das einfache Leben von jemanden der 14 Jahre nichts hatte und sich über ein ganze einfaches Zimmer freut in dem es a) ruhig ist (der Knast ist niemals ruhig) und wo b) Privatsphäre herrscht. Und dazu ist Delpha auch noch Lebensklug bzw. 14x so klug ist wie die anderen.

Klug ist auch junge Privatdetektiv Tom Phelan, so klug das er nicht nur Delpha als Sekretärin einstellt sondern auch noch seine Fälle löst. Und was so gemächlich dahin mäandert nimmt Fahrt auf und aus einem kleinen etwas wird ein ziemlich großes und fieses ganzes. Und es gibt Rache mit einem großen R.

Eine tolle Geschichte, gute Dialoge und eine hervorragende Umsetzung der Stimmung (Texas, 1973). Und spannend. Und echt ein kluger Kniff diese Heldin.

Kaufen!

Soundtrack dazu: The Rabble – The Wade Hotel, was sonst?

PS:

Und weil das Buch so viele Preise gewonnen hat (Kirkus Reviews’ Best Mysteries and Thrillers of 2015Kirkus Reviews’ Best Debut NovelKirkus Reviews’ Best Books of 2015Best First Private Eye Novel @ Shamus Awards und der Hammett Prize) ist es bei Suhrkamp Nova rausgekommen.

Und dort wurde dann zuerst der Titel verkackt (Lisa Sandlin: „“The do-right”—that’s old Southern talk for prison. Delpha Wade doesn’t want to go back there. Fourteen years is enough.„) und danach das Titelbild so richtig in die Scheiße gesetzt. Mal ab davon das es kaum Beaumont, Texas, im Jahre 1973 zeigt ist es auch noch ein modernes Auto was wir da sehen.

Und noch viel Schlimmer – es hat nichts aber auch gar nichts mit dem Buch zu tun. Das englische Original ist dagegen perfekt, spot-on (bis hin zu Delphas Narbe im Nacken) und zeigt exakt das Entscheidende in Delphas neuem Leben.

Wie kann man sowas nur so verkacken?

Lisa Sandlin - The Do-Right (Cinco Puntos Press, 2015)
Lisa Sandlin – The Do-Right (Cinco Puntos Press, 2015)