Bücher, schnell gelesen: Teil 1.527

Giancarlo De Cataldo – Alba Nera (Folio Verlag, 2021)

Gelesen: 01. – 02.06.2021, netto 245 Seiten

Giancarlo De Cataldo ist Richter in Rom und schreibt großartige politische Thriller. Alba Nera passt dazu ist aber eine ehr kleine, leise und tiefe Geschichte.

Eine Geschichte über Freundschaft und Aufstieg in den Sicherheitskreisen in Italien: Ein bärbeißiger Bulle von einem Cop, seine FBI gestählte ex-Freundin als “CSI Roma” und der dritte im Bunde, der in einer Behörde ohne Namen gelandet ist.

Alle drei verbindet ein Fall vor 10 Jahren, bei dem der Hauptverdächtige vom Bullen erschossen wurde – ohne wirkliche Not. Das haben die drei Freunde vertuscht, Schwamm drüber.

Aber jetzt taucht wieder eine totes Mädchen auf, wieder gefoltert – gleiche Spurenlage. Und ihre Freundschaft holt sie wieder ein.

Kurz, knapp und extrem spannend erzählt De Cataldo die Geschichte. Lücken werden mit Rückblenden gefüllt, Spannung durch Vorsprünge erzeugt. Was ein einfacher Kriminalfall war wird innerhalb kürzester Zeit zu einer Kampf gegen Windmühlen.

Am Ende hilft nur Verrat der Freundschaft, zu Verrat des Landes reicht es aber nicht.

Zwänge, Freiheiten, Skepsis – und jede Menge Entscheidungen zu treffen. Und durch diese schifft uns De Cataldo mit eine großartig erzählten Geschichte.

Klasse Buch, ganz großer Autor!

Soundtrack dazu: Cospira – 29 Torture, was sonst?

PS: Und De Cataldo so?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.441

Giancarlo De Cataldo - Der Agent Des Chaos (Folio Verlag, 2019)
Giancarlo De Cataldo – Der Agent Des Chaos (Folio Verlag, 2019)

Gelesen: 26. – 30.03.2020, netto 261 Seiten

Das ist ein lustiges Buch. Giancarlo De Cataldo schreibt sehr reale Krimis bzw. Politthriller und hat hier die Realität kurz mal in eine Matrjoschka-Puppe verpackt. 

Und das ganze so konsequent, das es eigentlich keine richtige Handlung gibt, sonder 2 Geschichten eigentlich das gleiche erzählen. 

In der einen versucht ein Alt-68er Schriftsteller einen erfolgreichen Krimi zu schreiben, was ihm aber nicht so richtig gelingt … sein Verleger will das ganze verkaufbar verdrehen. Dieser Krimi fußt in der italienischen Vergangenheit. In den … 60ern. In der anderen Geschichte erzählt angeblich echte Person aus dieser Vergangenheit … die wahre Geschichte der 60er. 

Sex, Drugs und Rock’n’Roll? Rebellion? Woodstock? Black Panther? Weatherman? LSD? Alles das Ergebniss von MK-Ultra. Und MK Ultra? Ein Programm der CIA. Und wer bei der CIA? Ein alter Nazi. Und warum? Um Chaos zu sähen und so die Gegner der US of A zu schwächen.

Und wie so oft bei Giancarlo De Cataldo … alles was er schreibt ist ganz eng an der Realität: MK Ultra und LSD? Stimmt!

Mkultra-lsd-doc 

Der Ritt durch die 60er entpuppt sich dabei als äußerst lustig, vor allem wenn der Leser wie ich zwar die Details kennt aber für die Hippies so wenig wie möglich übrig hat. Und der CIA? Der kann man eh alles zutrauen!

Und die Quintessenz? In dieser Welt überlebt nur wer sich anpasst. Und exakt das machen alle. Freiwillig oder durch die Umstände gezwungen.

Kein echter Thriller aber spannend genug. Und lustig, weil die Hippies weltweit verarscht wurden. Oder etwa nicht?

Soundtrack dazu: Deadbeats – Kill Hippies, was sonst?

PS: Der perfekt Einstieg in mein nächstes Buch

Tom O'Neill - Chaos (Little, Brown and Company, 2019)
Tom O’Neill – Chaos (Little, Brown and Company, 2019)

Chaos: Charles Manson, the CIA and the Secret History of the Sixties by Tom O’Neill with Dan Piepenbring

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.330

Carlo Bonini - ACAB (Folio Verlag, 2018)
Carlo Bonini – ACAB (Folio Verlag, 2018)

Gelesen: 04. – 07.07.2018, netto 211 Seiten

Ein kluges und gewalttätiges Buch. Schon älter (2009) und in 2012 in Italien verfilmt. Vordergründig gibt es vor Cops vs. Ultras zum Thema zu haben. In Wirklichkeit ist der Kern aber der G20 Gipfel in Genua und alle Gewalt in diesem Buch geht letztendlich davon aus.

In Genua hat eine Einheit der Bereitschaftspolizei in einer Schule ein Blutbad angerichtet. Eine verschworene Truppe voller Rechtsextremer, die danach aber ins Fadenkreuz der Justiz kommt. Ihr Tagewerk inzwischen ist aber der Kampf gegen gewalttätige Fußballfans – Hooligans und Ultras.

Das ganze ist wie eine Tagebuchdoku, schnelle und harte Wechsel und viel Gewalt. Das echte Leben also. Am Ende bietet es keine Lösung, nur die Feststellung das Gewalt keine Lösung ist sondern immer nur kurzfristig Einzelne befriedigt. Und das im Hintergrund, schön abgeschirmt durch die Gewalt im Vordergrund, andere politische und wirtschaftlich Kräfte ihren Nutzen ziehen.

So oder so ein schonungsloser Blick auf ein verlorenes Italien.

Soundtrack dazu: Antirassia Grop – Lettera a genova, was sonst?

Hier der Trailer der italienischen Verfilmung von 2012: