Tag: Polar Verlag

  • Bücher, schnell gelesen: 1.699

    Bücher, schnell gelesen: 1.699

    John Galligan – Bad Axe County (Polar Verlag, 2024)

    Gelesen: 22. – 23.04.2024 (netto 404 Seiten)

    Aus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt.

    … und gleich ein weiteres Top Buch aus der Dark Places Reihe vom Polar Verlag. Wow!

    Bad Axe County ist da ganz hinten in Wisconsin. Dem US Staat der als Milch bzw. Käse-Staat bekannt ist. Hinterland. Bauern. Derbe. Patriarchalisch.

    Mit 18 ist Heidi White die Milchkönigin ihres County und wird vom Tod ihrer Eltern überrascht. Die lokale Polizei sagt “erweiterter Selbstmord”, für Heidi stimmt so gar nichts an der Story. Trotzdem oder gerade deshalb verfolgt sie ihren Wunschjob Polizistin.

    Und 12 Jahre später ist sie Interims-Sheriff in ihrem County. Und Mutter. Und verheiratet mit einer lokalen Baseball-Legende. In Mitten einer Macho-Welt. Nachfolger eines faulen und korrupten Cops. Einziger weiblicher Sheriff in Wisconsin. Gestraft mit Cops, die dem alten Sheriff nachhängen und Heidi hängen lassen.

    Und während sie versucht die einfachen Dinge in den Griff zu bekommen (und sich zu entscheiden, ob sie für das Amt der Sheriff kandidieren will) stolpert sie über die Spur eines vermissten Teenagers. Und merkt, das sie ermitteln kann.

    Und nimmt den dünnen Faden rund um den Tod ihrer Eltern wieder auf.

    Und taucht tief in die Macho-Welt ein, voller böser Männer, voller nachlässiger Jungs, voller Meth-Zombies und mit Hilfe von … wenigen Frauen. Wie Denise, die als Nachtschicht-Dispatcher im Sheriff Büro arbeitet und Heidi immer wieder den richtigen Schubs bzw. die richtige Info gibt.

    Zusammen mit großartigen Landschafts- und Wetterbeschreibungen erzeugt das ganze Buch eine nasse und dunkle Atmosphäre. Stellt Männerbunde (aus dem Sport) auf die Klippe … und schubst sie runter. Auch Heidi geht mehrfach unter bevor …

    … wird nicht verraten.

    Das Buch ist sehr spannend, vor allem auch weil eine Teil aus der Sicht des Opfers (der vermisste Teenager ist 13 und treibt mit gewalttätigen Männern mit, natürlich sexuell ausgenutzt) erzählt wird und der Leser so einen kleinen Vorsprung hat (der aber nicht zu viel verrät). Ich hab die 400+ Seiten in einem durchgelesen.

    Ein extrem weiblicher Noir, der alles andere als Weich ist. Heidi ist abgehärtet und bleibt hart. Sie stellt sich dem akzeptierten Bösen entgegen, ohne Gnade.

    Perfekt.

    Und mit einem perfektem Cliffhänger. Wird sich Heidi zur Wahl stellen?

    John Galligan hat inzwischen drei weitere Bücher in der Bad Axe County Serie geschrieben, her damit!

    Soundtrack dazu: Unnatural Axe – The Man I Don’t Wanna Be, was sonst?

    PS: Und John Galligan so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.698

    Bücher, schnell gelesen: 1.698

    Ron Corbett – Cape Diamond (Polar Verlag, 2024)

    Gelesen: 20. – 21.04.2024 (netto 299 Seiten)

    Aus dem kanadischen Englisch von Harriet Fricke.

    April und schon ein Kandidat für das Buch des Jahres. Das erste Buch der Frank „Yak“ Yakabuski Reihe war schon ein richtiger Knaller, dieses Buch setzt da nahtlos noch einen drauf.

    Frank ist Senior Detective der Springfield Regional Police Force im einst französischen Norden Kanadas, oben in der Great Devide.

    Im ersten Band war das bestimmende Element die Einsamkeit, im zweiten Band ist das bestimmende Element die Unklarheit.

    Unklar ist, warum zwei rivalisierende Verbrecherbanden (die Irischen Shiner und die fast mystischen Traveller) sich auf einmal wie vor hundert Jahren bekriegen. Warum der Boss der Shiner mit herausgenommenen Augen Tod am Zaun hängt. Warum ein Traveller ebenfalls Tod am Zaun hängt.

    Und warum hat der Boss der Shiner einen Roh-Diamanten im Mund der mehr als eine Million wert ist?

    Yakabuski und sein Team stehen vor einem Rätsel, aber Frank ahnt das er in der Vergangenheit graben muss. Mythen. Seinen Vater – ex-Cop – befragen.

    Parallel dazu taucht ein Figur aus dem ersten Band wieder auf. Und mordet sich von Mexiko aus Richtung Norden. Das aber bekommt Yakabuski nicht mit, da hat der Leser einen kleinen Vorsprung, obwohl auch dieser Teil viel Unklarheit transportiert.

    Ein überaus souverän konstruierter und rübergebrachter Noir Krimi: stark gezeichnete Figuren, eine einsame und düstere Landschaft sowie eine faszinierende und realistische Historie.

    In jedem der Kapitel wird der Leser überrascht. Und aus all diesen Puzzleteilen entsteht die Geschichte der (fiktiven) Stadt Springfield. Eine Stadt mit einer fast schon archaischen Gesellschaft.

    Und dem Gift der Gier.

    Beste Ware und Mega-spannend. So geht ein fesselnder und realistischer Noir. Der am Ende echt cool seine Lösung findet. Und einen Cliffhänger setzt.

    Mehr davon!

    Soundtrack dazu: Doughboys – Diamond Idiot, was sonst?

    PS: Und Ron Corbett so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.686

    Bücher, schnell gelesen: 1.686

    Samuel W. Gailey – Die Schuld (Polar Verlag, 2024)

    Gelesen: 13. – 19.02.2024 (netto 293 Seiten)

    Aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf.

    Es ist erst Februar und schon ein erster Kandidat für “Best Read 2024“…

    Ein perfektes Jugendbuch. Schade das es wohl nie auf dem Stundenplan für 15-16 Jährige steht. Dabei gibt es doch so viel über Schuld, Schuldgefühle, Flucht und Freiheit (die harte Arbeit ist) zu lernen.

    Hallo Alice!

    Schuldgefühle können tödlich sein und bringen die 15-jährige Alice O’Farrell fast um, nachdem ihr kleiner Bruder versehentlich in ihrer Obhut gestorben ist. Sie sollte doch “nur” auf den Rabauken aufpassen.

    Trauer und Verzweiflung bilden eine giftige Mischung, die sich in ihrer Welt und zwischen ihr und ihrer Mutter ausbreitet. Woraufhin sie ziellos flüchtet. Wegrennt..

    Da Selbstzweifel und Selbstvorwürfe sie quälen, betäubt sie sich mit Alkohol. Jeden Tag wegballern. Alle paar Monate Wohnort (ein Auto oder ein abgewarztes Motel) und Job (Bargirl in … Kaschemmen resp. Table Dance Bars) ändern. Sechs Jahre lang und kein Ende in Sicht. Aber dank des Suffs eh egal.

    Eines morgens wacht sie mit einem Kater neben ihrem ehr miesen Boss auf. Der ist leider Tod, Alkohol und Koks … das Herz. Darauf erstmal einen Drink, dann geht es besser. Leider guckt sie sich um und findet eine Tasche voll mit Geld. Wohl Drogengeld. 91k$. Ne Menge Kohle. Die Option für die nächste Flucht.

    Aber es kommt anders. Obwohl sie die Cops ruft. Aber die kommen nur auf den 2ten Platz … das Rennen machen die Jungs die die Kohle einkassieren wollen. Und 10 Minuten später rockt AC/DC den Laden:

    ( (c) Polar Verlag 2024)

    Und dank ihres Suffs und ihrer Streetsmart-Attitüde ist Alice am Leben und zwei Gangster und zwei Cops sind Tod. Und ihr Boss, der bleibt Tod.

    Und dann ist es endlich soweit: Alice hat genug und flieht. Dorthin, wo sie einmal glücklich war. Und der Boss der Gangster hängt sich an ihre Fersen. Und aus einem Road-Movie mit Rückblenden auf Alice’s Chaos nach dem Tod ihres Bruders wird ein harter Abwehrkampf für Alice.

    Samuel W. Gailey schafft es dabei nicht nur zwei großartige Charakter als Gegenpole aufzubauen (mit wirklich coolen Rückblenden in ihre Kindheit) sondern auch richtig gute Nebenfiguren. Die ganze Story hat Tempo, Hand und Fuß. Perfektes Timing. Coole Sprache.

    Das Kopfkino zündet zuverlässig.

    Und Alice? Vergibt sich ihre Schuld und wird eine trockene Killerin. Und weil sie damit nicht die Heldin in einem Schulbuch sein kann wird es wohl tatsächlich nie in einer Schule im Unterricht vorkommen. Schade – das echte Leben ist die beste Lehre.

    Großartiges Buch!

    Soundtrack dazu: Blind Idiot God – Alice In My Fantasies, was sonst?

    PS: Nur echt mit … Book Trailer

    Und im O-Ton: