Ingvar Ambjørnsen – Aus dem Feuer (Edition Nautilus, 2016)
Gelesen: 01. – 10.10.2016 netto 309 Seiten.
Komisches Ding – ein Roman über einen norwegischen Krimi-Autor, der ein Verbrechen begeht?
Ja, ein echter Ambjørnsen halt – zu durchschauen ist das nicht vollständig. Spielt auch zu großen Teilen in Hamburg, kann also was autobiographisches haben ohne das ich das so richtig auf die Spur bekommen.
Mir fehlt das so die Spannung: Weder wird der norwegische Erfolgskrimi in Bauch-und-Bogen in die Scheiße gezogen noch ist genug Gewalt da.
Aber schreiben, das kann der Kollege Ambjørnsen sehr wohl und beschreiben noch viel besser!
Crime, Drugs and Rock’n’Roll – das ist schon immer eine gute Mischung gewesen und das ganze in einem Thriller zu verweben ist bietet sich geradezu an. Wird aber leider so selten gemacht bzw. wird meistens schlecht gemacht.
Paul Colize entführt uns in die 60er und ist schön nah dran als sich die Welt in Sachen Musik für immer ändert: Pop-Musik im Sinne von “populärer Musik“. Jungs fliehen vor dem Militär, Jungs und Mädchen entdecken Drogen und Musik (und Musik und Drogen) und bekommen einen neuen Blick auf die Politik.
Worauf sie allerdings nicht achten ist wer eigentlich die Fäden in der Hand hat und wofür. Das Buch ist geschickt aufgebaut mit Zeit- und Bewustseinssprüngen der handelnden Personen und gibt nur ganz langsam den Blick frei auf das große ganze und die große Verschwörung. Überraschen spannend und auch überraschend hart in der Drogen- und Gewaltrealität, wirklich hard-boiled.
Ein herrlicher Blick auf die Realitäten der Rockmusik der Endsechziger und ein herrlicher Blick auf den allerersten Hardrock-Song mit dem großartigen Titel “Girls just wanna get fucked all night“. Das macht Spass auf mehr, ich hoffe da kommt mehr.
Kaufen! Lesen! Bonuspunkte dafür das das Originalcover der Erstausgabe in Frankreich übernommen wurde, passiert ja so selten.
Soundtrack dazu: Bringt das Buch selbst mit.
Und der Soundtrack wird von der Edition Nautilus (ein Laden mit Street Credibility und aus Hamburg, the loveliest town in the whole wide world) noch getoppt: Der Stille Kommandeur, was sonst? Warum? Listen up Motherfucker:
Pino Cacucci – Besser auf das Herz zielen (Edition Nautilus, 2010)
Gelesen: 11.02. – 15.02.2013 (Zeit nicht genommen), netto 343 Seiten.
Eine Fußnote der Zeit? Nö, ehr eine schöne Sache aus dem Epos “Nutzloses Wissen Teil 8763”:
Wann wurde der erste motorisierte Banküberfall durchgeführt und von wem?
Die Antwort selbst ist einfach, es war am 21.12.1911 um 09:00 morgen uns der Kopf der Täter war Jules Bonnot. Es war eine Filiale der Societe Generale in der Pariser Rue d’Ordemer.
Die eigentlich Frage ist natürlich, wer zum Teufel war Jules Bonnot? Cacucci beantwortet diese ungestellte Frage natürlich – ein französicher “Anarchist” der in seiner Endphase Diebstahl als legitimes Mittel der Umverteilung ansah. Nicht so weit weg von der früheren RAF, oder? Das Buch beschreibt linear und mit allen Freiheiten seinen Werdegang und lässt auch immer wieder durchblicken das er im Grunde nur die Freiheit des persönlichen Glücks wollte (sei es Familie oder Liebe).
Spannende Seitenarme (für eine Zeit war er der Privatchauffeur des englischen Literaten Sir Athur Conan Doyle (“Sherlock Holmes”)) werden dabei nicht ausgelassen. Keine Spannungsliteratur aber ein liebevoller Blick in eine lang vergessene Zeit.