Bücher, schnell gelesen: Teil 996

Paolo Roversi - Milano Criminale (Ullstein, 2013)
Paolo Roversi – Milano Criminale (Ullstein, 2013)

Gelesen: 22.06. – 01.07.2013 (Zeit nicht genommen), netto 263 Seiten.

Na, das ist mal ein Epos – eine episch breite Reise durch die Geschichte (Nachkriegszeit bis Studentenrevolte) von Mailand, immer mit Bezug auf „Kriminalität“. Der Autor hat Geschichte studiert und so ist die ganze Geschichte auch tief in der wirklichen Geschichte von Mailand verwurzelt, lediglich die „führende“ Rahmenhandlung bzw. die handelnden Personen sind weitestgehend Fiktion.

Interessantes Setting, aber leider verzettelt sich der Autor in der Historie – die Protagonisten, 2 Kinder die unterschiedlich Wege (Krimineller und Polizist) gehen, werden zu offensichtlich zur Rahmenhandlung und das ganze ist wie eine historisch dokumentarische Abfolge von Geschichte. Zeitweise spannend und zeitweise lahm. Gewalt und Sex leider nur am Rande mit Elan. Schade – das hätte mit mehr Verve umgesetzt werden können.

Soundtrack dazu: Klasse Kriminale, was sonst?

PPS: Ein paar schöne S/W snipets von dem geschichtlichen Hintergrund hier!

PPS: Ist das Original Cover besser? Ja!

Paolo Roversi - Milano Criminale (Rizzoli, 2011)
Paolo Roversi – Milano Criminale (Rizzoli, 2011)

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 954

James Ellroy - Der Hilliker Fluch (Ullstein, 2012)
James Ellroy – Der Hilliker Fluch (Ullstein, 2012)

Gelesen: 12. – 13.11.2012 (Zeit nicht genommen), netto 243 Seiten.

Nachdem uns James Ellroy bereits 1997 an seiner Manie bezüglich seiner ermordeten Mutter teilnehmen ließ erklärt er uns jetzt, warum seine Mutter schuld daran ist das er Schuld daran ist das alle seine Beziehungen mit Frauen den Bach runter gingen.

Das einzig spannende daran für mich: Er ist kein Held, er ist ein normaler kranker Wahnsinniger. Und: Er erklärt warum der Schreibstil von seiner „Underworld U.S.A.“ Trilogie so wunderbar abgehackt und hektisch rüberkommt. Für diese Erklärung alleine Lesenswert – den Rest seiner (weitestgehend bekannten) Lebensbeichte interessiert mich nicht.

Soundtrack dazu: Seaweed, n sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 913

Gavin Knight - The Hood (Ullstein, 2012)
Gavin Knight - The Hood (Ullstein, 2012)

Gelesen: 27. – 28.04.2012 (Zeit nicht genommen), netto 286 Seiten.

Zwiespältig. Die Idee ist offensichtlich geklaut (z.B. von David Simon) aber sprachlich nicht halb so elegant umgesetzt. Es geht hier um das, was wir außerhalb vom Vereinten Königreich eigentlich so garnicht wahrnehmen: Das die Jugend dort sowas von den Bach runtergeht, wenn sie nicht Kraft Klassenzugehörigkeit ihrer Eltern „Glück“ mit Wohnsitz, Schule und Ausbildung hat. Und abseits von London geht eh alles den Bach runter.

Der Autor hat als „Embedded Journalist“ Polzeieinheiten in Manchester, London und Glasgow begleitet und skizziert anhand von echten Fällen den Wahnsinn, der sich unterhalb unser Wahrnehmung abspielt. Der Bericht aus Manchester ist ganz leidlich und spannend, der aus London mau (und wird um Lichtjahre von Victor Headley’s Yardie-Trilogie überboten) und der aus Glasgow wirklich Angst machend. Mit ein wenig mehr „Scharfblick“ und ein wenig mehr sprachlicher Eleganz (Obacht, ich habe die deutsche Übersetzung gelesen, vielleicht ist das Original ja besser) ganz ok, aber nix weltbewegendes. Wer allerdings glaubt was die englische Presse/TV so alles über das Land schreibt/sendet sollte das lesen – unterm Teppich ist nichts als Müll. UK geht definitiv den Bach runter!

Soundtrack: Sham 69!