Tag: Polar Verlag

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    Malin Thunberg Schunke – Ein Höheres Ziel (Polar Verlag, 2025)

    Gelesen: 31.05. – 08.06.2025 (netto 353 Seiten)

    Aus dem Schwedischen von Stefanie Werner.

    Ein ziemlicher Brocken, obwohl es “nur” 353 Seiten sind. Für die Dark Places Reihe bei Polar ein ehr ungewöhnliches Buch, ist der “Dark Place” doch Recht & Gesetz. Und der Horror das Recht und Gesetz auch mal unschuldige Treffen (wobei Malin Thunberg Schunke das geschickt offen lässt).

    Amir, ein Schwede mit irakischen Wurzeln (seine Eltern sind nach Schweden geflohen), ist erfolgreich. Und Teil der Stockholmer High-Society. Und mit seinen Freunden an der Cote d’Azur. Junggesellenabschied für einen Freund.

    Es so richtig teuer krachen lassen.

    Als er in der Bar in der sie feiern an den Tresen geht stehen auf einmal Männer neben ihm, die genauso wie er in schwarz gekleidet sind. Und eröffnen das Feuer – ein Terroranschlag.

    Da ein Barkeeper zurückschießt entsteht Chaos, Amirs Freunde flüchten, er bleibt im Chaos vor dem Tresen zurück und wird verhaftet. Alle Zeugen sagen, das er mit den anderen reinkam, zum Tresen ging und dann das Chaos ausbrach.

    Nach den aktuellen französischen Gesetzen kommt er in Isolationshaft und ein erfahrener und ehrgeiziger Ermittlungsrichter sieht in als Täter. Und damit kommt in Haft, immer noch isoliert.

    Seine Freunde sind nach Schweden geflohen und lassen ihn zurück, seine Frau darf nicht mit ihm sprechen, die schwedische Botschaft kann nicht helfen – es gelten die französischen Gesetze und Rechtsnormen.

    Ziemlich cool zieht Marlin Thunberg Schunke ein Bild voller Indizien gegen Amir auf und malt ein einfaches Bild: Wo wg. Terror Recht und Gesetz “hart” werden wird auf nichts und niemanden Rücksicht genommen.

    Amir und seine Geschichte sind aber nur Beiwerk, sie sind Bildsprache für das was die Autorin kennt (sie hat Jura studiert und war Staatsanwältin) – die Figuren um die es ihr geht sind Esther Edh (eine schwedische Staatsanwältin) und Fabia Moretti (eine italienische Staatsanwältin, Esthers Chefin bei der EU Behörde Eurojust).

    Denn diese erkennen früh, das der Kollege Ermittlungsrichter in Frankreich wohl mit Amir falsch liegt. Und es kein Terroranschlag war. Und damit die Anti-Terror Gesetze eine eine wenig zu große Waffe gegen den kleinen Schweden sind.

    Aber der französische Richter entscheidet nach französischem Recht. Was also können sie tun?

    Das Buch soll wohl Angst machen und es macht Angst. Im Europa von 2025 kann man tatsächlich unschuldig im Knast verschwinden, ohne Kontakt und ohne das was wir in der Regel als Rechtsstaat verstehen.

    Falsche Hautfarbe, falscher Ort, falsche Zeit. Und jede Menge Indizien. Keine Freunde, keine Öffentlichkeit. Im Gegenteil: Der sitzt in Frankreich im Knast, da muss doch was faul sein!

    Harte Kost, nicht wirklich flott zu lesen. Erst am Ende habe ich verstanden warum das bei Dark Places herauskommt.

    Überraschend! Nicht mein Genre per se aber da kommen noch mehr Bücher, die werde ich sicher auch lesen.

    Soundtrack dazu: Gatans Lag – Från Fest Till Arrest, was sonst?

    PS: Und Malin so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.763

    Bücher, schnell gelesen: 1.763

    Ron Corbett – Mission Road (Polar Verlag, 2025)

    Gelesen: 25.03. – 01.04.2025 (netto 285 Seiten)

    Aus dem kanadischen Englisch von Karen Witthuhn.

    Die Serie um Detektive Frank Yakabuski geht weiter und Mission Road klinkt sich direkt in den Cliffhänger von Cape Diamond ein.

    Ich liebe ja Krimis die rund um L.A. spielen und genauso liebe ich inzwischen kanadische Krimis. Und alles was in & um L.A. so wunderbat laut, schnell und hektisch ist … ist in Kanada ruhig, langsam und der weiten Natur angepasst bedächtig.

    Springfield, an der Grenze der Northern Devide. In Cape Diamond Schauplatz eines Milliardenraubes. Diamanten aus der lokalen Mine. Mehr als eine Millarde Dollar einfach … weg.

    Der wahrscheinlich verantwortliche Gangster sitzt wegen eines Angriffs auf einen Polizisten im Knast. Weil er ahnt das er hinter Gitter sicher ist. Und von der Beute keine Spur.

    Aber sowohl die Polizei als auch findige Schatzsucher können das Versteck anhand des Zeitablaufes des Raubes eingrenzen, die Gangster hatten maximal Zeit es irgendwo auf den ersten Kilometern der Mission Road, die Hinaus in die Wildnis führt, zu vergraben.

    Und so machen sich Gangster, Biker, Studenten, Trapper und Familienverbände von Glücksrittern etc. auf den Weg nach Springfield, in der Hoffnung die Diamanten (Rohdiamanten, nicht zurückzuverfolgen) zu finden.

    Und Frank Yakabuski ahnt was das wirklich Böse ist:

    ( (c) Polar Verlag 2025)

    Ansonsten: Die Minenchefs nerven Frank Yakabuski, die Amateure nerven, die Gangster nerven und über allem liegt die Gier und der Tod.

    Und der Tod aus Mexico, der ist auch immer noch da. Und will seinen Anteil. Und wie es ausschaut, bekommt er ihn auch.

    Hier passt einfach alles. So wie die Wildnis der Northern Devide keine Fehler verzeiht, so verzeiht auch das Leben keine Fehler. Egal ob du Cop, Minenbesitzer, Gangster oder Glücksritter bist.

    Ein absolut fulminantes Ende der Frank Yakabuski Trilogie, Ron Corbett hat bereits eine neue Serie am laufen, da geht es um einen Undercover FBI Agenten in den Wäldern von Maine.

    Die kommt hoffentlich auf bei Polar!

    Soundtrack dazu: Kremlin – Buried, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.762

    Bücher, schnell gelesen: 1.762

    David L. Ulin – Die Frau, Die Schrie (Polar Verlag, 2025)

    Gelesen: 20. – 24.03.2025 (netto 210 Seiten plus ein kundiges Nachwort von Chris Thornton Harding)

    Aus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt.

    Zufall? Bestimmung? Da hab ich gerade ein etwas anderes aber großartiges Buch von Ivy Pochoda gelesen, dann kommt dieses Buch aus L.A. und auf dem Klappentext steht:

    Eine Meisterklasse des Noir, die das Genre sowohl ehrt als auch aufwertet: Thirteen Question Method (Die Frau, Die Schrie) ist eine Kategorie für sich.” (Ivy Pochoda)

    Das sind mal Vorschußlorbeeren.

    Und was sagt der Autor?

    I wanted to write a novel that operated without pity or forgiveness. I wanted to write a novel that left its characters and its readers no way out. I wanted to write a novel that used the parameters of noir to reflect on the isolation of living.

    That novel, 30-some years later, would become “Thirteen Question Method,” an existential thriller, set in Hollywood, in the vein of noirists such as David Goodis or Charles Willeford — written to be short, sharp, shocking; trafficking in neither hope nor redemption; as bleak and pointed as a stiletto’s blade.

    In an aspirational city, what happens when you don’t get what you want? What happens when you make bad choices, when you allow the chaos to take hold?

    These are the questions at the heart of noir, of every literature of alienation. I wanted to write about a character whose desire was to disappear.

    David L. Ulin in der L.A. Times 2023

    Keine Hoffnung. Keine Erlösung. Genau mein Ding!

    Das macht dann mal mehr als Hoffnung auf eine Lesevergnügen. Und, ja, ich wurde nicht enttäuscht.

    Und die Story ist so gut, so fesselnd das ich nicht spoilern möchte. Das Buch musst du dir selbst gönnen!

    Und natürlich sind die Fragen von Chuck Berry die Kapitelüberschriften…

    The ‘thirteen question method’ is the one to use
    The ‘thirteen question method’ is the one to use
    The ‘thirteen question method’ is the one
    To use when you want to go have some fun
    The ‘thirteen question method’ is the one to use

    Question number one: let’s have some fun
    Question number two is: what to do ?
    Question number three is: will you dine and dance with me?
    Question number four: out the door?

    Question number five: I want you to know jive
    Question number six: how long to get fixed ?
    Question number seven: should I pick you up at a quarter to eleven?
    Question number eight: is it a date ?

    Question number nine is: where to dine ?
    Question number ten: can we get in?
    Question number eleven: it’ll be just like heaven
    Question number twelve when we’re by ourselves

    The ‘thirteen question method’ is the one to use
    The ‘thirteen question method’ is the one to use
    The ‘thirteen question method’ is the one
    To use when you want to go have some fun
    The ‘thirteen question method’ is the one to use

    Thirteen Question Method lyrics © BMG Rights Management, Music Services, Inc

    Ganz ehrlich: Eine echte Perle. Ein echtes Einzelstück. Eine großartige Story, genial verpackt.

    Definitiv ein Kandidat für “Buch des Jahres”.

    Soundtrack dazu: The Bellrays – Power To Burn, was sonst?

    PS: Das Cover – wie gut ist denn Bitte das Original und wie unpassend das Polar Cover mit seinem L.A.-Surfer-Beach-Bus Stockfoto (obwohl es natürlich so besser in die Polar Serie passt).

    Wenn ich dürfte…dann nur das Original, bitte.

    David L. Ulin – Thirteen Question Method (Outpost 19, 2023)

    PPS: Und David L. Ulin so?

    PPPS: Der titelgebende Song von Chuck Berry geht so…