Hoppla, Jo kann nicht nur Krimi sondern auch Stephen King. Was eigentlich ein Abtörner für mich sein sollte. Da aber Jo Nesbø das ganze knapp, präzise und ziemlich blutig gestaltet, ist es doch eine kurzweilige Unterhaltung.
3 Teile hat das Buch, 3x bekommt der Leser die Geschichte von Richard Elauved (später aufgelöst als Rich Are The Loved) vorgesetzt.
Im ersten Teil ist es so ein wenig wie ein Jugendbuch, voller Mysterien und verrückten Erlebnissen. Und einem endlos verwirrtem Richard, dem niemand glaubt. Außer Karen, seiner heimlichen Liebe.
Im zweiten Teil löst sich ein Teil des Rätsels auf, die Geschichte ist hier mehr aus der Erwachsenenperspektive geschrieben. Und auch hier endet Richard verwirrt, auf dem Weg Karen zu retten und …
… wird nicht verraten. Denn der 3te Teil erzählt die Geschichte nochmal, wieder mit einer leicht verschobenen Realität und schmeißt noch mehr Puzzleteile auf den Tisch. Wer in Teil 1 und Teil 2 nicht wirklich aufgepasst hat, der verliert sich jetzt so wie sich Richard verliert.
Spannend, blutig und irgendwie lustig. Kommt mir vor wie eine kleine Fingerübung von Jo, so nach dem Motto ihr ahnt ja gar nicht wie verrückt ich euch machen kann.
Der 13. Harry Hole Krimi, das 20te Buch von Jo in meiner Sammlung. Und immer noch ein herrliches Verschlingen. Und das seit ~25 Jahren. Ich glaube ich verfolge keinen anderen Autoren, der so lange so großartige Stories hinbekommt.
Aber Jo wäre nicht Jo, wenn er nicht einen Schrecken gegen einen anderen eintauscht. Und so wird Harry am Ende zum Mörder und würfelt mit dem Teufel um seine Zukunft, entweder Frau 1 und Oslo oder Frau 2 und Neuseeland. Der nächste Band wird uns zeigen wo er landet.
Und tatsächlich, er ist gelandet. Krachend. Auf dem Boden der Flasche. Des Glases. Aber weder in Oslo noch in Neuseeland. Sondern im Creatures in L.A., einer Bar für ernsthafte Alkoholiker. Für Trinker mit guten Vorsätzen. Harry Hole hat schlicht und einfach vor sein gesamtes Geld zu vertrinken und idealerweise sich selbst dabei zu Tode zu trinken.
Weit weg von Oslo, weit weg von dem Schmerz des Verlustes. Kreditkarte leer, noch am Leben. Und als ex-Polizist immer noch ein Helfer. Diesmal für die Mittrinkerin Lucille, Strandgut von Hollywood und tief in der Kreide bei der Mexikanischen Mafia. Die schnappt sich Lucille und gibt Harry 10 Tage Zeit die Kohle zu besorgen.
Zum Glück für Harry hatte sich ein Anwalt aus Oslo gemeldet und ihm einen Job angeboten. Den er dankend abgelehnt hatte. Aber jetzt kann dieser Job die Kohle liefern, denn er würde für einen extrem reichen Immobilienfritzen arbeiten.
Also zurück nach Olso, alte Freunde (Kokain-Dealer, korrupter Cop und totkranker Psychologe) als Team angeheuert und rein in den Fall. Als Detektiv. Ohne Polizeirechte.
Worum geht es? 2 tote Frauen, zuletzt auf einer Party bei dem Milliardär. Extrem schräg ermordet. Harrys ex-Kollegen stehen vor einem Rätsel, ihre Chefs verbieten ihnen aber Harry hinzuzuziehen.
Der Anfang des Buch kommt fast schon gemächlich daher aber als aufmerksamer Jo Nesbø Leser ist das genau die Phase wo die Phantasie sich zurückhalten muss und auf Details geachtet werden muss.
Harry und sein Team sind der Polizei zwangsläufig immer einen kleinen Schritt voraus, vor allem auch weil sie weniger Grenzen durch Gesetze haben und weil sie direkten Zugang zum Milliardär und seiner Frau haben. Und weil Harry sein Wissen mit der Polizei teilt und daher von vielen alten Wegefährten auch Infos zurückbekommt.
Aber alles an diesen Morden ist irgendwie schräg. Eigentlich fragt Harry immer nach dem WARUM – aber die Frage läuft hier ins Leere. Also konzentriert sich Harry auf das WIE und das kommt genauso Wahnsinnig um die Ecke.
Killen über im eigenen Körper angebaute Parasiten. Zoonose. Erinnert sich noch jemand an Covid-19?
Jo versteht es Meisterhaft falsche Fährten als logisch richtige Schlussfolgerung einzubauen und mit immer mehr Tempo wird die ganze Story megaspannend. Vor allem auch, weil der Täter auch seine Stimme im Buch hat. Und die zeigt dem Leser ziemlich anschaulich wie Irre er ist.
Hammer, bis zum Ende eine unfassbare Spannung und mit einem super Cliffhänger. Die Story ist noch nicht am Ende.
Und Lucille? Kommt frei. Und Harry? Kann nur Serienmörder. Und trinken. Oder?
Gelesen: 03. – 25.09.2022 (netto 422 Seiten – Lesevergnügen wurde durch einen Umzug gebremst)
Aus dem Amerikanischen von Stephen Tree.
Ach Mensch, irgendwie ist das schon doof wenn einer der Lieblingsautoren nicht mehr so richtig zündet. Jener Sturm war echter Scheißdreck (in meinem Ellroy Universum) und dieses Buch ist irgendwie auch nicht das Gelbe vom Ei.
Auf der positiven Seite gibt es eine Rückbesinnung auf die Ursuppe des Ellroy Universums: LA in den 50ern. Und auf eine Nebenfigur, die schon in einigen Büchern auftauchte: Hallo Freddy Otash, Redakteur des Boulevardmagazins Confidental.
Conifidential und seine Schmutzgeschichten waren immer mal wieder Backdrop eines Plotes. Und in diesem Buch geht es nur um Freddy und wie er sich um seine Karriere bringt. Das ist über weite Strecken auch spannend, weil es sich wie ein Eintauchen in eine geliebte Welt anfühlt und der Stakkato-Stil von James Ellroy hier wieder perfekt passt.
Auf der anderen Seite nervt das permanente Namedropping von Hollywood Prominenz (James Dean, Marlon Brando, Natalie Wood, Nicholas Ray und viele mehr) und die Anbindung an echte Geschehnisse (Caryl Chessman), die teilweise arg weit hergeholt rüberkommt.
Am Ende ist es ein wenig wie bei Jener Sturm (wobei es mehr Freude machte es zu lesen): Sex, Hollywood, Kommunistenhatz und nichts als zynischer Nihilismus. Alter Tee in altem Becher?
Ich halte Ellroy mal die Treue, aber so richtig glücklich bin ich nicht. Da schaffen andere Autoren konsistentere Universen.
PS: Was ist so schwer die Atmosphäre korrekt auf den Deutschen Umschlag zu bekommen? Unten ein gefühlt 100mal besseres Beispiel, wenn das Original schon nicht benutzt werden soll.
James Ellroy – Widespread Panic
PPS: Und James Ellroy so?
Q: One last question on Widespread Panic. The atom bomb looms large over this novel. Freddy says “the bomb blast made me.” Bob Dylan once referred to Elvis and Little Richard and Jerry Lee Lewis as being “atom bomb fueled.” Don DeLillo has touched on this idea too, that the atom bomb was a kind of catalyst in American culture in some intangible way. Do you think that’s true and why was it a symbol you wanted to play with?
A: I was having fun with the atom bomb. Freddy thinks the atom bomb is cool. And you know, I’ve always liked the atom bomb. I never thought the atom bomb was gonna go off in America. I’m glad we had the atom bomb. I’m glad we dropped it on Hiroshima and Nagasaki and you know if we nuked Moscow we wouldn’t be in the shit we are in today. George S. Patton and Winston Churchill wanted to go and take the reds out, to my mind a very, very good idea. But you know, hindsight is 2020. If you think about it…. Do you like Jazz? Duke Ellington renamed his band briefly in ’58 to Duke Ellington and his Spacemen. And Count Basie played a long summer engagement in ’58 billed as Count Basie and his Atomic Band. It’s the idea that there’s something that powerful. So the Count and the Duke. These powerful and genius musicians had to go atomic. There was the atomic drive-in and the a-bomb burger. All kinds of stuff.
From: https://crimereads.com/hungry-like-a-dog-james-ellroy-will-not-stop-being-james-ellroy/