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  • Bücher, schnell gelesen: 1.756

    Bücher, schnell gelesen: 1.756

    Tony Hillermann – Die Der Zeit (UT Metro, 2024)

    Gelesen: 04. – 11.02.2025 (netto 258 Seiten)

    Aus dem Englischen von Klaus Fröba.

    Lieutenant Joe Leaphorn und Officer Jim Chee ermitteln im 7ten Band der Serie zusammen und diesmal wieder in einem sehr typischen Tony Hillermann setting: Ganz viel lehrreiches über Anthropologie, Fundstätten der Anasazi-Kultur und … die Plünderung der Geschichte durch Sammler und Wissenschaftler.

    Ein Wissenschaftlerin wird vermisst, ihr spürt Joe nach. Jim stolpert über zwei Leichen, offensichtlich Grabräuber. Und schnell überkreuzen sich die Fälle und beide ermitteln gemeinsam.

    Die Story lebt, wie fast alle Bücher von Tony Hillermann, von der Kargheit, der Geräumigkeit, der Stille, der Armut und der alten, mürrischen Präsenz der Navajo in einem verwunschenem und durch und durch wildem Land.

    Wahrscheinlich nicht das Stärkste Buch der Serie aber wunderbar düster, mit atmosphärischen Naturbeschreibungen und mit Kontrastreichen Helden: Der rationalistische Leaphorn und dem ehr mystischen Chee.

    Und ein bunter Strauß an Navajos die halb in der Tradition hängen und halb in der Morderne.

    Und die Weißen? Bleiben Störenfriede und Zeitdiebe.

    Soundtrack dazu: Didjits – The Pot Thief, was sonst?

    PS: Gibts auch als Film …!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.755

    Bücher, schnell gelesen: 1.755

    Bella Mackie – what a way to go (Heyne, 2024)

    Gelesen: 23.01. – 03.02.2025 (netto 441 Seiten)

    Aus dem Englischen von Sylvia Bieker, Bernhard Kleinschmidt und Henriette Zeltner-Shane.

    Nach ihrem Debut “how to kill your family” kommt Bella Mackie mit einem weiteren sehr englischen, sehr humorigen und sehr … fiesen Buch daher.

    Und sie bedient sich eines sehr schönen Kniffs um die Geschichte durch eine zweite Perspektive anzureichern:

    Anthony, der “gegangene”, hängt in einem Aufnahmelager zwischen Leben und der Unentlichkeit (Himmel oder Hölle?) fest. Dort kommt er erst weiter, wenn er seinen Tod reflektiert hat und der Leitung erzählen kann wie er gestorben ist. Das geht nämlich erstmal im Tod verloren.

    Und so sitzt er dort fest und kommentiert das Leben seiner Familie (die er über einen TV Ähnliche Apparatur immer im Blick hat).

    Im Blick hat die Familie auch Jade, eine junge True-Crime VLoggerin. Am Anfang mit weinger als 200 Abonnenten, am Ende fast 200.000.

    Warum die Aufregung? Anthony war Fondsmanager, ein reiches Arsch und ein Betrüger. Abzocker. Seine Frau Olivia und die vier Kinden lebten gut (sehr gut!) von dem Geld und nach seinem Tod … gibt es natürlich die Gier nach dem Erbe.

    Pustekuchen – Anthony war auch Betrüger, hat andere Reiche abgezockt und das Erbe ist weitestgehend weg.

    Und so beobachten der Leser, der Tote und die VLoggerin die überlebenden und versuchen rauszubekommen, wer denn nun Anthony ermordet hat.

    Eine perfekte Gesellschaftssatire auf die Klassengesellschaft in England und die Jagd auf das billige Geld, den Erfolg und die Anerkennung. Um jeden Preis.

    Und am Ende hat Bella Mackie noch einen richtig schönen Kniff gepackt: Anthonys Frau Olivia taucht auch im Aufnahmelager auf, auch sie ist Tod. Und schenkt Anthony so richtig einen ein.

    Plaudert das “wie” seines Todes aus, so dass Anthony (aus seiner Sicht endlich) weiterkommt auf dem Weg in die Ewigkeit.

    Und was wartet auf Anthony, den Macher und Gewinner in der Finanzbranche? Natürlich seine ganz persönliche Hölle!

    ( (c) Wilhelm Heyne Verlag, 2024)

    Wie schon das Debut guter Humor, wenig Tiefgang. So geht fies lustig!

    Soundtrack dazu: Cockney Rejects – Hell’s A Long Way To Go, was sonst?

    PS: Bella so …

    PPS: Das deutsche Cover, grmlgrml …

  • Bücher, schnell gelesen: 1.754

    Bücher, schnell gelesen: 1.754

    Jakob Nolte – Die Frau Mit Den Vier Armen (Suhrkamp Nova, 2024)

    Gelesen: 20. – 22.01.2025 (netto 226 Seiten)

    Hannover. Für mich die hässlichste Stadt Deutschlands. Schauplatz einer der langweiligsten Tatort Reihen. Ich hatte daher doch ziemliche Zweifel als ich das Buch im Buchladen meines Vertrauens in die Hand nahm (und in die Hand genommen habe ich wa nur weil es bei Suhrkamp Nova herausgekommen ist).

    Der Waschzettel auf der Rückseite versprach “Der erste Niedersachsen Noir” und das war dann eher so ein Abtörner. Meine Herangehensweise ist dann immer “blind aufschlagen, eine Seite lesen”.

    Gelandet bin ich auf Seite 64:

    ( (c) Suhrkamp 2024)

    … ihres nur mit dem Tod enden könnenden Krankheitsverlaufs, der gemeinhin Leben genannt wurde…” ist dann exakt die Zeile die dazu führte das ich das Buch zuklappte und auf den Stapel der mitzunehmenden Bücher packte.

    Und ich wurde nicht enttäuscht!

    Und das ist vor allem dem Umstand geschuldet das es sowohl ein Noir- als auch Polizeiarbeitskrimi ist. Ohne das beides in Konflikt gerät.

    Kommissarin Rita Aitzinger von der Kriminalfachinspektion 1 (deren Chef in der Unwirklichkeit des TV’s einmal Klaus Borowski wahr, bevor der das grässliche Hannover gegen das großartige Kiel samt großartiger Tatort Reihe eintauschte) ist dabei beides: Neben der Spur denkende und handelende Ermittlerin (wo die Kollegen nach Abläufen fragen, nervt sie die Zeugen insistierend mit Fragen nach Gefühlen) aber auch Polizistin mit echter Polizeiarbeit.

    Auf der Gegenseite ist eine Frau mit vier Armen (wer aufpasst kann den Fall schon früh lösen!) die ziemlich gnadenlos junge Kerle um die Ecke bringt. Wie sich später herausstellt aus gutem Grund.

    Dazu kommt dann noch Polizeiwirklichkeit (in Person einer unfähigen Polizeipräsidentin) und jede Menge detaillierte Träumereien. In Summe aber tatsächlich eine spannende Jagd bei der am Ende die Frage bleibt ob die Täterin nicht … Recht mit ihrem Handeln hatte.

    Und warum Rita einen Zitronenfalter isst.

    Gewalt, Witz und Mord aus gutem Grund. Dazu Trottel, Versager, Verlierer und Träumer. Nicht 100% Noir aber schon ziemlich nah dran.

    Soundtrack dazu: Rotzkotz – Lunatic Chick, was sonst?

    PS: Und Jakob Nolte so?