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  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.446

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.446

    Attica Locke – Heaven, My Home (Polar Verlag, 2020)

    Gelesen: 11. – 18.05.2020, netto 305 Seiten plus ein Nachwort von Sonja Hartl.

    Heaven, My Home” geht da weiter, wo “Bluebird, Bluebird” geendet hat. Texas Ranger Darren Mathews hat im Prinzip den Mord an einem widerlichen Arsch der Arischen Bruderschaft gedeckt – er hat die Waffe die benutzt wurde versteckt.

    Leider hat er sie bei seiner durchgeknallten Mutter versteckt, so dass diese ihn nun erpressen kann. Da kommt ihm der Fall des verschwundenen Levi, Sohn eines hohen Mitglieds ebendieser Bruderschaft (und auf Jahre im Knast) gelegen – zum einer kann er vor dem Staatsanwalt flüchten, der ihn wg. der Waffe nervt, zum andere kann er es vieleicht so drehen, dass er den Sohn findet und den Mord irgendwie der Bruderschaft unterschiebt,

    Pläne sind wie immer nur so gut, wie mann sie kontrollieren kann. Darren kann das aber nicht, zu sehr ändert sich die politische Lage durch die Wahl von Trump. Zu sehr versuchen die Texas Ranger und das FBI Hassverbrechen auf allen Seiten zu ahnden und suchen deshalb händeringend nach einem Fall in dem Schwarze ein Hassverbrechen begangen haben.

    Und Levi, der in einer Wohnwagensiedlung voller rechter weißer Hinterwäldler lebt, ist in der Umgebung von Hopetown verschwunden. Hopetown? Eine Siedlung von texanischen Ureinwohnern, die sich irgendwann mal mit entflohenen schwarzen Sklaven gemischt haben. Und tatsächlich verdächtig sind.

    Das ganze Buch über fragt der Leser sich daher wen oder was der schwarze Texas Ranger eigentlich retten will. Sich? Seine Karriere? Seine Ehe? Den Jungen? Seine Kumpel, der wohl den Mord an dem Bruderschaftler begangen hat? Und dabei tauchen wir in eine Welt ein, die auch schon Joe R. Lansdale so wunderbar beschrieben hat. Anders. Ganz anders.

    Hochspannend, vielschichtig und im Grunde hochpolitisch. Aber ohne dick aufzutragen. Sondern ehr die ganz dicke Suppe des Alltagsrassismus. Von allen Seiten. Auf allen Seiten. Eine Welt, die einen wie Trump dann irgendwie nicht zufällig an die Macht spült.

    Und ein schöner Cliffhänger, Klasse. Mehr davon. Viel mehr!

    Soundtrack dazu: Negro Terror – We Need Support, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.445

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.445

    Pierre Pouchairet - Unheiliges Land (Polar Verlag, 2019)
    Pierre Pouchairet – Unheiliges Land (Polar Verlag, 2019)

    Gelesen: 03. – 10.05.2020, netto 390 Seiten

    Ein etwas anderes Buch im Polar Verlag – weniger noir, weniger Pulp aber zumindest ein wenig hard-boiled.

    Und voll echter Polizeiarbeit. Länderübergreifend. Lokal. Eigentlich kein Wunder, der Autor war selber bei der Französischen Polizei und aktiv in der grenzübergreifenden Drogenfahndung.

    3 Länder, 3 Polzeieinheiten, 3 Herangehensweisen. Im Israel sind die Cops (ausgewanderte jüdische Franzosen) an einem Mord dran, der wohl von Arabern aus Nablus an Jüdischen Siedlern im West-Jordanland verübt worden ist. In Nizza knallen Drogensüchtige komplett durch, nachdem sie eine neue Form von Meth genommen haben. Darauf sucht die Polizei nach der Quelle. Und in den Palästinensischen Autonomiegebieten Maïssa, eine junge palästinensische Polizistin, die herausfinden soll ob die jungen Araber wirklich die Siedler getötet haben.

    Was alle 3 Gruppen verbindet ist echte Polizeiarbeit unter gesetzlichen, politischen und gesellschaftlichen Einschränkungen. Und die Tatsache, das alle in Frankreich die Polizeiarbeit gelernt haben – das merken sie aber erst spät im Buch.

    Und natürlich landen alle 3 Ermittlungen an einem Kern: Die Hamas und russische Gangster nutzen den Status der Autonomiegebiete um Meth zu kochen und dieses nach Frankreich zu verschiffen.

    Das gute an dem Buch ist die detaillierte Polizeiarbeit, der immer wieder Grenzen gesetzt werden. Zwänge, die Abkürzungen vermeiden oder bestimmen. Am Ende gibt es Verlierer und Gewinner – und nicht unbedingt die Erwarteten.

    Gut auch das die Gewalt, die aus dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern hervorgeht, schonungslos gezeigt wird ohne eine Seite zu ergreifen. Das machen Polizisten nämlich nicht, sie suchen nur die Wahrheit. Ob diese dann auch zur Anklage oder Veröffentlichung kommt, liegt nicht ihren Händen.

    Ein gutes Buch aber eben kein Hard-Boiled Noir Thriller. Macht aber Lust auf mehr und wenn ich es richtig sehe gibt es da noch mehr. Hoffentlich auch bald in Deutsch.

    Soundtrack dazu: Moms On Meth – Agents of Tradition, was sonst?

    Moms On Meth – Agents Of Tradition

    Agents of tradition
    filled up, sucked dry and thrown aside
    your promised gratification
    seems questionable at best

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.440

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.440

    Katherine Faw - Young God (Polar Dark Places, 2020)
    Katherine Faw – Young God (Polar Dark Places, 2020)

    Gelesen: 24. – 25.03.2020, netto 210 Seiten (plus ein excellentes Nachwort von Kirsten Reimers).

    Meine Fresse, das ist ein großartiges Buch. Es ist das Debüt von Katherie Faw, 2014 erschienen, und viel gerühmt. Auf den ersten Blick wirkt es befremdlich – viel weißes Papier auf sehr wenig Seiten. Aber diese Seiten haben es in sich. Die leeren Stellen haben einen Zweck. Die Geschichte von Nikki kommt nämlich ebenso schnell wie maulfaul daher.

    Nikki ist 13 und nach 11 Seiten hat sie bereits ihre Mutter durch einen Unfall verloren und den Freund ihrer Mutter gefickt. Nur eine Seite weiter verlässt sie ihn und klaut sein Auto und seine Drogen. Sie hat nämlich auch einen Vater und der war mal ein echter Drogendealer. Mit Knasterfahrung. 

    Wenig Schrift, viel weiß – der perfekte Gegenpart gegen die absolut dunkle Geschichte. Die ist aber so fein gesponnen: Ein Faden mit Gewalt von Männern gegen Mädchen (bzw. Kindfrauen). Ein Faden mit sexueller Gewalt gegen minderjährige Mädchen. Ein Faden mit Drogenhandel. Ein Faden mit Drogenbenutzung. Ein Faden mit Prostitution von Minderjährigen. Ein Faden mit Gewalt von Opfern von Gewalt.

    Das ganze ist ein unfassbar starkes Portrait von Menschlichkeit (und dem Fehlen von Menschlichkeit) vor dem Hintergrund von täglicher Grausamkeit. Täglicher Gewalt.  Täglichem Chaos. Und eine Schule, die gibt es nicht. Nur die Schule des Lebens.

    Das geniale ist wirklich der Schreib- und Layoutstil: Kurze Absätze, leere Seiten, abgetrennte Sätze, die ganz für sich allein gedruckt werden. Das ist definitiv expressionistische, fast filmische Qualität.

    Das Buch fliegt schnell am Leser vorbei und die ganzen Grausamkeiten und Lücken führen nur dazu das beim Leser das Kopfkino zündet und die Lücken füllt: Noch schlimmer, noch grausamer. 

    Ein Hammer Buch und ein großartiger Auftakt zu einer neuen Serie im Polar Verlag (Schwarz statt Weiß). Mehr, viel mehr davon.

    Soundtrack dazu: N.O.T.A. – Drugs & Sex, was sonst?

    PS: Und Katherine ?