Tag: Michael Connelly

  • Bücher, schnell gelesen: 1.791

    Bücher, schnell gelesen: 1.791

    Michael Connelly – Die Spur Der Toten Mädchen (Kampa, 2025)

    Gelesen: 29.09. – 14.10.2025 (netto 482 Seiten, Krankheitsbedingt mit Unterbrechungen)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb.

    Smooth, hand-in-glove! Das fällt mir zu dieser Story ein, vor allem wie Michael Connelly hier die Bosch Reihe und die Lincoln Lawyer Reihe zusammenführt und ein einem Buch, einem Fall, vereint.

    Das ganze beginnt mit Seitenwechseln: Mickey Haller wird vom LA District Attorney als Staatsanwalt angeheuert um einen alten Fall, denn ein Berufungsgericht hat eine 24 Jahre alte Verurteilung aufgehoben. Der Hauptbeweis (Sperma auf einem Kleid) stellte sich nach einem DNA Test als Entlastungsbeweis heraus.

    Der Staat (aka “das Volk”) braucht nun einen unverbrauchten Ankläger für den neuen Prozess. Und die (somit erstmalige) Verurteilung von Jason Jessup.

    Dazu holt Haller nicht nur seine ex-Frau ins Team sondern auch seinen Halbbruder Harry Bosch als Ermittler des Staatsanwaltes.

    Im Ergebnis muss Haller einen offensichtlich Schuldigen verknackt bekommen, wo er doch sonst offensichtlich Schuldige versucht freizubekommen. Der Vorteil ist natürlich, das er alle Tricks einer guten Verteidigung kennt.

    Im Gegensatz zu einem reinen Bosch Fall ist hier weniger detailierte Ermittlung zu erleben sondern eben mehr von Haller, der als witziger Zyniker, Veteran unzähliger Gerichtsschlachten und knallharter Taktiker glänzt.

    Connelly trifft dabei die Details von Hallers Welt ebenso präzise wie die von Bosch, er schildert einen zermürbenden Prozessablauf, die emotionalen Höhen und Tiefen der beteiligten Anwälte, die Verdrießlichkeit des Richters und die Kleinlichkeit der Geschworenen und etwaiger Störenfriede mit bemerkenswerter Präzision.

    Alles in diesem Buch fühlt sich dabei (oder dadurch?) sehr Real an, so dass der Leser nicht einmal daran zweifelt, dass die Öffentlichkeit den nach 24 Jahren entlasteten Jessup, der zufällig auch ein verurteilter Kindermörder ist, als Volkshelden feiert oder dass es in der Staatsanwaltschaft von Los Angeles jemals so etwas wie einen „unabhängigen Staatsanwalt“ gab.

    Und bei allen zynischen Blicken auf die Justiz, allen zynischen Handlungen der Beteiligten bleibt ein klarer Blick auf die Opfer: Das Opfer selbst und die zerstörte Familie.

    Das bisher stärkste Buch der Lincoln Lawyer Reihe und am Ende wartet eine große Überraschung: Bosch killt nicht einen Bösewicht!

    Soundtrack dazu: Second Wind – Trial and Errors, was sonst?

    PS: Und Michael Connelly so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.782

    Bücher, schnell gelesen: 1.782

    Michael Connelly – Das Zweite Herz (Kampa, 2025)

    Gelesen: 31.07. – 08.08.2025 (netto 531 Seiten)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb.

    Michael Connelly hat viele coole Charaktere erschaffen und seine Bücher sind immer sehr detailliert in der Beschreibung von Ermittlungsarbeit (von Harry Bosch, über Renée Ballard bis zu Michael Haller). Und manchmal scheint er ein Spin-Off kreiert zu haben, nur um es schnell wieder zu beerdigen.

    Die kurze Reihe um ex-FBI Ermittler Terry McCaleb hat genau zwei Bücher, im zweiten kommt Bosch drin vor und die Story wurde in der Bosch Serie verfilmt. Das Prequel kommt im Bosch Universum nicht mehr vor.

    Das Setting ist eine gute Idee:

    FBI Agent und Serienkiller-Experte hat einen Herzinfakt, braucht ein neues Herz und scheidet aus dem Dienst aus. Das Herz bekommt er und lebt nunmehr nur noch auf und für sein Boot. Dann taucht eine Frau auf und will das er den Tod ihrer Schwester untersucht. Das will er nicht. Bis sie ihm sagt “Du hast ihr Herz bekommen”. Und da ist er der Toten was schuldig.

    Wie immer bei Connelly beginnt dann detaillierte Ermittlungsarbeit, diesmal ohne Marke. Und schnell findet Terry Dinge, die das LAPD übersehen hat.

    Die Ermittlungen zu verfolgen ist schon spannend, die Liebesgeschichte mit der Schwester ehr nicht und die Spannung zwischen dem Privatier und den Cops kommt teilweise arg gekünstelt rüber. Und das Ende für Terry eine alte und bekannte Nemesis steht … puh, zu sehr konstruiert.

    Ich mag die langsame und detaillierte Art von Michael Connelly aber dises Buch wird hier nur stehen bleiben, weil es neben anderen – besseren – von Connelly steht.

    Soundtrack dazu: Descendents – Catalina, was sonst?

    PS: Das Cover ist mit Verlaub … Grauenvoll. Andere Ausgaben haben wenigstens das Boot-Motiv aufgegriffen.

    Das Original war einfach:

    Und sowas wäre passender:

    PPS: 2002 wurde das ganze mehr schlecht (und verlustreich) als gut mit Clint Eastwood verfilmt…

  • Bücher, schnell gelesen: 1.735

    Bücher, schnell gelesen: 1.735

    Michael Connelly – Wüstenstern (Kampa, 2024)

    Gelesen: 21. – 25.10.2024 (netto 400 Seiten)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb.

    Das 5te Buch aus der Renée-Ballard-Reihe von Michael Connelly, wieder mit Harry Bosch. Dazu ein wenig Maddie Bosch und noch ein ganz büschen Michael Haller.

    Das LAPD hat Renée Ballard zurückgeholt und mit ihr eine neue Cold Case Einheit aufgesetzt. Eigentlich. In Wahrheit ist es das Hobby Horse eines Stadtrates, der gerne den ungeklärten Mord an seiner Schwester geklärt hätte.

    Renée hat also wieder ein LAPD-Abzeichen und hat die freie Hand, eine neue Open-Unsolved-Einheit aufzubauen. Allerdings nur mit Ehrenamtlichen. Ex-Cops. Ex-District Attorneys. Und anderen Freiwilligen.

    Ihre erste Wahl jedoch ist Harry Bosch.

    Und der sagt nur deshalb zu, weil er dann sein eigenes Hobby Horse satteln kann: Der Mord an der Familie Gallagher. Bosch weiß das Finbar McShane der Mörder ist, aber er konnte es ihm nie nachweisen. Und seit vielen Jahren ist Finbar auch schlicht und einfach weg.

    Bosch hat im Fall der ermordeten Schwester den richtigen Riecher und macht aus dem Cold Case einen echte Untersuchung. Und verschwindet auf seinen Ego-Trip in Sachen Gallagher.

    Renée dagegen muss den Laden zusammenhalten, politischen Fallen ausweichen und Ergebnisse liefern. Im Grunde umkreisen beide den gleichen Stern – aber immer auf Kollisionskurs.

    Aber sie sind Profis und bekommen beide Fälle gelöst. Und beide Mörder werden überführt. Und beide Mörder sind am Ende tot. Ein typisches Bosch Ende für einen Fall.

    Und das lässt einen ziemlichen Cliff-Hänger stehen: Kommt Bosch ohne Marke, fast 70 und mit Krebs (der alte Fall als er und Jerry Edgar Caesium gesucht und gefunden haben) nochmal davon?

    Die Tage von Bosch sind definitiv gezählt. Und dadurch fühlt sich dieses Buch mehr als nur ein bisschen nach Abschied an.

    Einfach ein klasse Buch, flott zu lesen und wie immer bei Michael Connelly mit viel Details der Polizeiarbeit. Realistischen Details.

    Mehr, immer mehr davon!

    Soundtrack dazu: The Reflectors – Desert Crusader, was sonst?

    PS: Und Michael Connelly so?